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Wenn man am 1. April ein Fußballspiel mit 6:0 gewinnt, darf man ruhig kurz innehalten und prüfen, ob es sich vielleicht um einen verspäteten Aprilscherz handelt. Doch was sich am Mittwochabend im St. Mary’s Stadium abspielte, war alles andere als ein Scherz: Southampton fegte die London Gunners mit einer Mischung aus Effizienz, Spielfreude und gnadenloser Chancenverwertung vom Rasen. 46.788 Zuschauer erlebten ein Torfestival, das selbst Trainer Raine Maida kurz sprachlos machte. "Ich hatte eigentlich einen ruhigen Abend erwartet", grinste er nach dem Schlusspfiff, "aber die Jungs wollten wohl Geschichte schreiben." Dabei begann das Spiel gar nicht so eindeutig. Die Gäste aus London hatten in den ersten zwanzig Minuten mehr Ballbesitz - ganze 52 Prozent über das Spiel hinweg - und suchten geduldig nach Lücken. Jack Combe prüfte früh den Keeper Ernesto Aznar (8.), Julio Molina und Joaquin Ortega legten nach. Doch Southampton blieb unbeeindruckt. "Wir wussten, dass sie gerne den Ball haben", erklärte Mittelfeldmotor Jan Haswell später. "Aber Ballbesitz schießt keine Tore." Und während die Gunners sich noch in Sicherheit wiegten, schlug Southampton eiskalt zu. In der 29. Minute startete Kai Bloomfield einen beherzten Lauf über links, flankte flach in den Strafraum, und Javi Bosingwa drückte den Ball zum 1:0 ins Netz. Ein Treffer aus dem Lehrbuch: schnörkellos, direkt, mit dem gewissen Küstenwind im Rücken. Kurz vor der Pause folgte das 2:0 - Haswell selbst traf nach feiner Vorarbeit von Javi Eusebio (42.). Die Gunners standen da wie Touristen im Sturm: hübsch angezogen, aber völlig unvorbereitet. Nach der Pause brach dann endgültig der Damm. In der 56. Minute erhöhte Marc Muster aus kurzer Distanz auf 3:0, nur 60 Sekunden später durfte Archie Locklear jubeln (57.). "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Locklear im Interview, "aber irgendwie ist er wieder zu mir gesprungen. Na ja - Glück ist auch Taktik." Die Londoner reagierten - zumindest versuchten sie es. Trainer der Gunners (dessen Name der Club in seiner Mitteilung lieber nicht betonen wollte) brüllte Anweisungen von der Seitenlinie, Jack Combe holte sich prompt Gelb (52.), und Torhüter Juan Pablo Makukula sah aus, als wolle er sich in die Nordsee absetzen. Statt einer Aufholjagd kam jedoch das 5:0: Haswell bediente erneut Muster, der in der 61. Minute cool verwandelte. Ab da war das Spiel eigentlich entschieden, doch Southampton hatte noch Lust auf Nachtisch. In der 82. Minute kam der 18-jährige Logan Baker zu seinem Debüt - und wie! In der Nachspielzeit (92.) setzte er den Schlusspunkt zum 6:0, nach Vorarbeit von Joshua Ackland. Das Stadion tobte. "Ich hab’ einfach draufgehauen", stammelte der Teenager später, "und dann wusste ich nicht mehr, wohin mit meinen Armen." Raine Maida grinste nur: "Wenn du 18 bist und dein erstes Tor machst, darfst du auch mal vergessen, wie man jubelt." Die Statistik liest sich kurios: 14 Torschüsse für Southampton, 11 für London - also fast ausgeglichen. Und doch der Unterschied wie Tag und Nacht. Während die Gunners ihre Chancen eher als höfliche Anfragen verstanden ("Dürfen wir vielleicht mal treffen?"), verwandelte Southampton jede Gelegenheit in ein Statement. Dass die Gastgeber laut taktischer Daten eigentlich "mit schwachem Einsatz" spielten, darf man getrost als Ironie des Systems verbuchen. Wer so "schwach" läuft, schießt keine sechs Tore. Vielleicht hat das Analyseprogramm einfach Mitleid mit den Londonern gehabt. In der Mixed Zone stand schließlich auch Gunners-Kapitän Roberto Beilin mit leerem Blick. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", murmelte er. "Das ist wohl das alte Spiel." Am Ende blieb den Gästen nur die Erkenntnis, dass 52 Prozent Ballbesitz und elf Torschüsse wenig wert sind, wenn man defensiv wie ein offenes Fenster steht. Southampton hingegen feierte sich und seinen neuen Helden Baker, während Coach Maida die Euphorie bremste: "Es war ein gutes Spiel, aber nächste Woche gibt’s wieder nur drei Punkte zu holen - nicht sechs." Vielleicht stimmt das. Aber an diesem Abend fühlte es sich für Southampton ganz sicher so an, als hätten sie gleich zwei Spiele gewonnen. Und für die Gunners? Nun - sie werden hoffen, dass es wirklich nur ein schlechter Scherz war. 22.07.643996 09:29 |
Sprücheklopfer
Das ist klasse, gegen so einen Klassemann wie Olli Kahn so ein lustiges Tor zu machen.
Jan-Aage Fjörtoft