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Wer am Mittwochabend in Spanish Town noch einen Platz ergattern wollte, hatte Pech: 79.500 Zuschauer verwandelten das Estadio del Sol in ein kochendes Fußballtheater. Und sie bekamen, was sie wollten - Leidenschaft, Tore, ein bisschen Drama und einen 18-jährigen, der sich in die Herzen der Fans schoss. Spanish Town besiegte Atletico Chetumal mit 3:1 (2:0) und machte damit eindrucksvoll klar, dass Heimspiele hier keine Kompromisse kennen. Trainer Ioannis Exis hatte vor dem Spiel noch betont, man wolle "nicht zu früh das Feuerwerk zünden". Offenbar hatte seine Mannschaft das als Herausforderung verstanden. Schon in der 19. Minute zündete George Deschanel, der flinke Linksaußen, die erste Rakete. Nach feinem Zuspiel von Jean-Pierre Lujan schob er den Ball überlegt ins lange Eck - 1:0. "Ich hab nur kurz hochgeschaut und dachte: Der Torwart steht da hübsch verloren", grinste Deschanel nach dem Spiel. Chetumal, das unter Trainer Bastian Roemmler mit viel Ballbesitz (am Ende 52 Prozent) operierte, fand zwar gefällig ins Mittelfeldspiel, doch vorne blieben Amaury Dominguez und Co. erschreckend harmlos. Zwei frühe Schüsse des bulligen Mittelstürmers landeten in den Armen von Keeper Christophe Marcel, der einen ruhigen Abend zu genießen schien. Kurz vor der Pause dann der zweite Nadelstich: Bram Leyn, 31, bullig und stets mit leicht genervtem Blick, nutzte in der 43. Minute die erste echte Unordnung in der mexikanischen Abwehr. Ein trockener Schuss, keine Chance für Torhüter Jerome Lujan - 2:0. "Ich wollte eigentlich flanken", witzelte Leyn später. "Aber dann dachte ich: Warum nicht mal so tun, als wär ich noch 25?" Nach dem Seitenwechsel kam Chetumal mit Wut im Bauch aus der Kabine. Und tatsächlich: Nur zwei Minuten später verkürzte Eugenio Taverna nach feinem Zuspiel von Dominguez auf 2:1. Plötzlich war wieder Spannung im Spiel, die Gäste pressten, Spanish Town wankte. Trainer Exis brüllte sich die Seele aus dem Leib, brüllte "Ruhig!", als seine Abwehr panisch querpasste - und bekam prompt Gelächter von der Tribüne. Die Mexikaner schnürten die Gastgeber nun phasenweise ein, schossen aus allen Lagen, aber meist in die Sonne oder auf die Oberränge. Sergej Anjukow versuchte es aus 35 Metern - ein Versuch, der wohl eher dem Balljungen galt. Als der junge Ivan Da Cru in der 75. Minute eingewechselt wurde, wirkte das zunächst wie eine Geste des Trainervertrauens. 18 Jahre alt, kaum Bartwuchs - und dann so eine Bühne. Doch was folgte, war ein kleines Märchen: Da Cru kam mit jugendlichem Leichtsinn, rannte, trickste, schoss - erst drüber, dann daneben, dann knapp vorbei. Und schließlich, in der 87. Minute, war es soweit: Nach einem Traumpass von Deschanel vollendete der Teenager eiskalt zum 3:1. Der Jubel? Ohrenbetäubend. Der Kommentar von Trainer Exis? "Ich wollte ihn eigentlich schon wieder auswechseln, weil er zu frech grinste. Zum Glück hab ich’s gelassen." Chetumal versuchte in den Schlussminuten noch einmal alles, ging mit "offensiv" und "Pressing: YES" (wie die Statistik trocken vermeldet), doch gegen die nun selbstbewusste Defensive der Hausherren war kein Durchkommen. Nevio Morte, der Innenverteidiger mit dem Namen aus einem Krimi, holte sich in der 63. Minute noch Gelb ab - sinnbildlich für den Frust der Gäste. Am Ende standen 13:8 Torschüsse für Spanish Town, eine Zweikampfquote von 52 Prozent und ein Publikum, das mit Sprechchören und Trommelwirbeln das Stadion beben ließ. "Wir haben das Spiel nicht verloren, wir haben nur die Tore abgegeben", philosophierte Chetumals Trainer Roemmler mit bitterem Lächeln nach Abpfiff. Der Abend gehörte aber ganz klar den Gastgebern - und dem Teenager mit dem goldenen Fuß. Ivan Da Cru, noch zitternd vor Adrenalin, sagte in die Mikrofone: "Ich hab gar nichts gedacht. Nur geschossen. Und dann war’s drin." Das Publikum verabschiedete ihn mit Sprechchören, und man hätte schwören können, dass selbst der alte Meik Berard auf der Bank einmal kurz klatschte. Ein Abend, wie ihn Spanish Town liebt: laut, leidenschaftlich, leicht chaotisch - und am Ende erfolgreich. Wenn sie so weitermachen, könnte die Copa Libertadores für Coach Exis noch deutlich länger dauern, als seine Stimme das aushält. 22.07.643996 01:05 |
Sprücheklopfer
Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic