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Ein lauer Aprilabend, 42.572 Zuschauer im "Estadio Ciclon" und zwei Mannschaften, die sich offenbar schon vor dem Anpfiff darauf geeinigt hatten, dass Teilen manchmal seliger ist als Siegen: Ciclon San Lorenzo und AD Joan Galves trennten sich in der Gruppenrunde der Amerikaliga mit 1:1 (0:0). Ein Ergebnis, das beide Trainer nach 90 intensiven Minuten mit leicht unterschiedlichen Gesichtsausdrücken kommentierten - der eine mit einem müden Lächeln, der andere mit hochgezogener Augenbraue. Die Partie begann mit einer Sturmwarnung - allerdings nur auf dem Papier. San Lorenzo legte los wie ein Karnevalsumzug, laut und bunt, aber ohne Zielrichtung. Bereits in der achten Minute prüfte Adriano Quaresma den Gäste-Keeper Joseph Farquharson, der sich allerdings nicht aus der Ruhe bringen ließ. "Ich habe den Ball einfach angeschaut, und er hat beschlossen, nicht reinzugehen", grinste der 34-jährige Torhüter nach dem Spiel. In der Folge häuften sich die Chancen des Heimteams, aber das Tor blieb wie vernagelt. Miguel Futre, der Linksaußen mit der Haartolle und dem Selbstbewusstsein eines Torjägers, schoss in der 10., 49., 60., 71. und 76. Minute - und fand trotzdem nur den Weg in die Statistik. "Ich hätte wohl noch bis Mitternacht schießen können", murmelte er später, "aber Farquharson hatte wohl heute Geburtstag." Auf der anderen Seite tauchte AD Joan Galves selten, aber gefährlich vor dem Tor von San-Lorenzo-Keeper Javi Ximenes auf. Besonders der junge Diego Benitez (21) sorgte mehrfach für Unruhe in der Heimabwehr. Doch das erste echte Feuerwerk zündete sein Mitspieler Eri Friedrich in der 50. Minute: Nach einem schnellen Angriff über rechts traf der erfahrene Mittelfeldmann trocken ins Eck - 0:1! Das Stadion verstummte kurz, dann kam das übliche Murmeln: "Nicht schon wieder…" Doch keine vier Minuten später meldete sich Ciclon zurück. Nach einem Eckball von Adriano Quaresma stieg Innenverteidiger Diego Albentosa am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf unter die Latte - 1:1! Der 23-Jährige feierte wie ein Mann, der gerade das WM-Finale entschieden hat. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", witzelte er später in der Mixed Zone. Kaum war der Jubel verklungen, begann das Drama in Gelb und Rot. In der 59. Minute verabschiedete sich Patrick Featherstone mit Gelb-Rot, nachdem er schon in der 13. Minute verwarnt worden war. Trainer Eiko Henke reagierte prompt, stellte um und brachte Jens Breuer als frischen Mann für die linke Seite. "Wir mussten kreativ werden", erklärte Henke, der während des Spiels mehrfach mit seinem Notizblock fuchtelte, "aber manchmal ist weniger ein Plan und mehr ein Gebet." Trotz Unterzahl blieb San Lorenzo das aktivere Team. 16 Torschüsse insgesamt sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn der Ballbesitz mit knapp 43 Prozent eher bescheiden ausfiel. Galves ließ den Ball laufen, San Lorenzo rannte hinterher - und wenn sie ihn hatten, schossen sie. Das Publikum dankte es mit Szenenapplaus und einem leisen Raunen, das zwischen Hoffnung und Galgenhumor pendelte. Die letzte Viertelstunde war dann ein Lehrstück in verpassten Gelegenheiten: Lionel Hermenegildo, gerade erst eingewechselt, scheiterte in der 89. und 91. Minute jeweils knapp. Der Ball zischte einmal am Pfosten vorbei, einmal in die Arme des Torwarts. "Ich wollte den Ball einfach ins Netz flüstern", sagte Hermenegildo, "aber er war heute schwerhörig." Henke war nach dem Abpfiff bemüht, die Fassung zu wahren. "Ein Punkt ist ein Punkt. Aber ich hätte lieber zwei mehr", meinte er lakonisch. Sein Gegenüber, Galves-Coach (der Presse wollte er nur als "Trainer X" bekannt werden), nickte zufrieden: "Wir haben kontrolliert, was zu kontrollieren war. Außer vielleicht den Kopfball von Albentosa." Fazit: Ein temporeiches, leicht chaotisches Spiel, in dem San Lorenzo trotz Unterzahl und statistischer Unterlegenheit den moralischen Sieger gab. Der "Ciclon" wirbelte, Galves verwaltete - und am Ende stand ein gerechtes 1:1. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Ich bin gekommen, um Tore zu sehen. Immerhin hab ich eins pro Mannschaft bekommen - das ist doch fast Luxus heutzutage." Und so bleibt der Wind, der durch das Stadion fegte, sinnbildlich: viel Bewegung, wenig Richtung - aber jede Menge Geschichten für die nächste Ausgabe der Sportseiten. 13.08.643996 08:38 |
Sprücheklopfer
In der Mannschaft wissen natürlich alle, dass der Paul Breitner ein Arschloch ist, nur sagt es keiner offiziell.
Rudi Völler bei der EM 1988 über den Dauernörgler