// Startseite
| Dagbladet Sport |
| +++ Sportzeitung für Dänemark +++ |
|
|
|
Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die so klar sind, dass man sich fragt, ob der Gegner das Drehbuch vorher gelesen hat. Am 11. Spieltag der 1. Liga Dänemark verwandelte Aarhus Fremad vor 47.097 begeisterten Zuschauern das heimische Stadion in ein Tollhaus - und Hobro IK in Statisten eines dänischen Fußballmärchens. 3:0 hieß es am Ende, und wer die erste Halbzeit gesehen hat, hätte darauf wohl kaum gewettet. Denn die ersten 45 Minuten waren eher ein Lehrfilm über verpasste Gelegenheiten. Schon in der zweiten Minute prüfte Einar Aagaard den Hobro-Keeper Nelson de los Reyes, und in den folgenden zwanzig Minuten hagelte es Torschüsse wie Schneeflocken im Januar. Eduardo Zorrilla, Oskar Vinther, Javier Ibano - sie alle versuchten es, aber der Ball wollte einfach nicht über die Linie. "In der Pause habe ich den Jungs gesagt, sie sollen endlich aufhören, den Torwart berühmt zu schießen", grinste Trainer Sascha Leon später. Hobro hingegen wirkte wie ein Team, das den eigenen Ballbesitz (49,1 Prozent) hauptsächlich dazu nutzte, durchzuatmen. Vier magere Torschüsse standen am Ende zu Buche, und selbst die fühlten sich eher nach Pflichtübungen an. Besonders Manuel Mango de Aquino, der in der 34. Minute einmal abzog, sorgte kurz für Aufregung - allerdings nur, weil jemand auf der Tribüne sein Bier verschüttete. Doch dann kam die zweite Halbzeit - und mit ihr Aarhus Fremads wahre Gesichter: entschlossen, bissig, spielfreudig. In der 57. Minute fasste sich Igor Sarac ein Herz und drosch den Ball aus gut 20 Metern ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er später mit einem verschmitzten Lächeln, "aber manchmal hilft der liebe Fußballgott eben auch einem Mittelfeldspieler." Hobro taumelte, Aarhus tanzte. Und als Oskar Vinther in der 71. Minute einen präzisen Pass in den Lauf von Javier Ibano spielte, war das 2:0 nur noch Formsache. Ibano blieb cool, schob den Ball am Torwart vorbei - und riss die Arme in den kalten Abendhimmel. "Ich hab vorher gesagt, dass ich heute zweimal treffe", behauptete er danach selbstbewusst. Tatsächlich sollte er recht behalten: In der 83. Minute vollendete er nach Vorarbeit des eingewechselten Bo Kristensen den 3:0-Endstand. Zwischen den Toren sorgte ein Verletzungsschreck für kurzzeitige Unruhe. Henrik Bang, der junge Rechtsaußen, musste nach 75 Minuten humpelnd raus. "Nichts Schlimmes", beruhigte Coach Leon, "nur ein Krampf - vermutlich vom vielen Jubeln auf der Bank." In derselben Szene brachte er Volker Lemke, der prompt mit kernigen Zweikämpfen und einer Prise Chaos für Unterhaltung sorgte. Drei Gelbe Karten sammelten die Gastgeber dennoch ein - offenbar der Preis für zu viel Spielfreude. August Ohlson sah in der 40. Minute Gelb, Eduardo Zorrilla in der 77. ("Ich wollte nur den Ball zurückholen, ehrlich!"), und in der Nachspielzeit erwischte es Jorge Garcia, der lieber lachte als diskutierte. "Das war’s wert", meinte er später lakonisch. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen - zumindest, wenn man nur auf den Ballbesitz schaut. Doch 15:4 Torschüsse und eine Zweikampfquote von knapp 56 Prozent erzählen eine andere Wahrheit: Aarhus Fremad dominierte, weil es wollte. Hobro IK verteidigte, weil es musste. "Wir haben viel gearbeitet, aber heute war Aarhus einfach eine Nummer zu schnell", gab Hobro-Kapitän Bjarke Hedegaard nach Abpfiff zu. Eine ehrliche Analyse, die auch Aarhus-Trainer Leon mit einem Augenzwinkern bestätigte: "Wenn meine Jungs immer so spielen würden, müsste ich mir weniger Sorgen um meinen Blutdruck machen." Am Ende blieb die Erkenntnis eines klaren Sieges, der trotzdem unterhaltsam war - mit Tempo, Technik und einer ordentlichen Portion Selbstironie. Die Fans verabschiedeten ihre Helden mit stehenden Ovationen, während Javier Ibano noch Autogramme schrieb und Igor Sarac scherzhaft fragte, ob sein Schuss nun als "Tor des Monats" zählen würde. Vielleicht, Igor. Vielleicht auch nur als perfekter Beweis, dass Fußball manchmal ganz einfach ist: Wer öfter aufs Tor schießt, gewinnt. Und Aarhus Fremad schoss - und traf. Schlusswort? Hobro sollte sich trösten: Gegen diese Aarhuser hätte an diesem Abend wohl auch die Nationalmannschaft alt ausgesehen. 26.05.643987 10:42 |
Sprücheklopfer
Wir sind in der Arena der Buhmann der Nation. Es geht um Millionen, und die Fehlentscheidungen häufen sich. Sobald es strittig wird, wird gegen uns gepfiffen. Da müssen wir das Ding eben wieder abreißen.
Rudi Assauer