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Es war einer dieser Abende an der Grotenburg, an denen man sich fragt, warum man sich im Februar überhaupt noch draußen aufhält. 3.752 Zuschauer trotzten Wind, Nieselregen und lauwarmer Stadionwurst, um den KFC Uerdingen gegen Eintracht Osnabrück zu sehen. Und sie bekamen: viel Kampf, wenig Glanz, aber immerhin ein Tor - allerdings auf der falschen Seite, aus Sicht der Gastgeber. Mit 0:1 (0:0) unterlag der KFC am 13. Spieltag der Regionalliga D den Gästen aus Niedersachsen. Das einzige Tor des Abends erzielte ausgerechnet ein Innenverteidiger: Ralph Pfeiffer, 32, Abwehrchef und sonst eher für rustikale Klärungsaktionen als filigrane Abschlüsse bekannt, traf in der 67. Minute nach einem Eckball von Alex Galindo. Der Ball segelte halbhoch in den Strafraum, die Uerdinger Deckung schaute zu und Pfeiffer nickte ein, so trocken, dass man fast den Eindruck hatte, er mache das jeden Samstag. "Ich hab einfach gehofft, dass mir keiner im Weg steht", grinste Pfeiffer hinterher. "Und siehe da - keiner stand da." Trainer Jens Simon von der Eintracht kommentierte das lakonisch: "Wenn der Ralph vorne auftaucht, ist meistens irgendwas los. Meistens Chaos, heute mal ein Tor." Dabei war die Partie lange Zeit offen. Uerdingen begann schwungvoll, Philip Jürgens prüfte Osnabrücks Keeper Harvey Smith bereits in der achten Minute mit einem satten Flachschuss. Kurz darauf sah Ronald Schlüter Gelb - sinnbildlich für den forschen Beginn der Hausherren. Doch je länger die erste Hälfte dauerte, desto zäher wurde das Geschehen. Beide Teams spielten "balanced", wie es in den Taktiktafeln so schön heißt - was in Wahrheit hieß: keiner wollte den ersten Fehler machen. Zur Pause stand es folgerichtig 0:0, beide Trainer schienen halbwegs zufrieden. "Wir wollten nicht ins offene Messer laufen", erklärte Uerdingens Coach Maik Hummel später. "Leider sind wir dann doch hineingerannt - in Form einer Ecke." Nach dem Seitenwechsel legte Uerdingen kurzzeitig zu. Jürgens, Hildebrandt und der junge Fynn Hartmann hatten gleich mehrere Gelegenheiten. Zehn Schüsse aufs Tor verzeichneten die Statistiker am Ende für die Krefelder - keiner fand den Weg hinein. "Wenn du so viel schießt und nichts triffst, dann ruft der Fußballgott irgendwann an und sagt: ’Heute nicht, mein Freund’", knurrte Hummel mit bitterem Lächeln. Osnabrück hingegen nutzte seine Chance eiskalt. Nach Pfeiffers Führungstreffer standen sie kompakt, galten aber keineswegs als destruktiv. Thomas Voigt und Damiano Castello hätten fast nachgelegt, doch KFC-Torwart Jamie Whitman hielt sein Team mit zwei starken Paraden im Spiel. In der Nachspielzeit zwang Torsten Afzelius ihn noch einmal zu einer Flugeinlage - und sorgte so für Applaus auch von den gegnerischen Fans. Statistisch gesehen war das Duell ein Musterbeispiel für Ausgeglichenheit: 50,4 Prozent Ballbesitz für die Gäste, 49,6 für Uerdingen. Tacklingquote? Praktisch pari. Nur das Ergebnis wollte sich nicht angleichen. Nach dem Schlusspfiff lief Eintracht-Coach Jens Simon mit einem zufriedenen Nicken über den Rasen. "Es war kein schönes Spiel, aber ein ehrliches", sagte er. "Und manchmal reicht ein ehrliches Tor." Auf der anderen Seite schüttelte Hummel den Kopf, während seine Spieler in die Kabine trotteten. "Ehrlich wäre ein 0:0 gewesen", murmelte er - doch der Fußball hat bekanntlich seinen eigenen Gerechtigkeitssinn. In der Mixed Zone wurde Ralph Pfeiffer noch von einem Fan gefragt, ob er jetzt öfter vorne auftauchen wolle. "Nur wenn’s regnet", lachte der Torschütze. "Da rutscht der Ball besser." Für Uerdingen bleibt die Erkenntnis: Engagement stimmt, Effizienz fehlt. Und vielleicht sollte man sich beim nächsten Heimspiel einen Schirm mitnehmen - gegen Regen und Pech gleichermaßen. Eintracht Osnabrück dagegen fährt mit drei hart erarbeiteten Punkten nach Hause. Kein Feuerwerk, aber solide Handwerkskunst. Und wer weiß - vielleicht wird dieser eine Kopfball von Pfeiffer am Ende der Saison mehr wert sein, als man an diesem trüben Februarabend ahnte. 15.10.643990 19:22 |
Sprücheklopfer
Das war europäische Weltklasse!
Felix Magath