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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über Rodengo Saiano, und 7000 Zuschauer, die sich mehr erhofft hatten als ein 0:1 gegen den Favoriten aus Parma. Am Ende stand ein schmales Ergebnis, aber eine Menge Gesprächsstoff: ein Platzverweis, ein Torwartwechsel, drei gelbe Karten und gefühlt fünfzig Paraden. Fußball kann manchmal auch ein Geduldsspiel sein - nur eben nicht für das Heimteam. Von Anfang an war klar, wer hier den Ton angibt. Parma kam mit breiter Brust, 58 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüssen und einer Ruhe, als hätten sie das Drehbuch schon vor Anpfiff gelesen. Rodengo Saiano dagegen wirkte, als wolle man erst mal prüfen, ob der Ball überhaupt rollt. Trainer Jan Beyer rief von der Seitenlinie: "Männer, wir müssen mutiger werden!" - woraufhin sein Kapitän Agemar Santos in der 30. Minute prompt den ersten Schuss aufs Tor abgab. Der Ball flog leider in etwa so gefährlich wie ein warmer Sommerwind über den Gardasee. Das Tor des Abends fiel in der 28. Minute, als Parmas Vincent Morte, ein rechter Mittelfeldspieler mit dem Namen eines Filmhelden, den Ball aus 18 Metern trocken ins linke Eck setzte. Rodengo-Keeper Igor Magnani flog zwar spektakulär, sah aber im Nachhinein eher aus, als wolle er den Ball umarmen, um ihn zu trösten. "Ich hab’ ihn spät gesehen", murmelte er später in der Mixed Zone. Sein Trainer kommentierte trocken: "Wir haben ihn alle spät gesehen - leider erst, als er im Netz lag." Danach spielte Parma das, was man wohl "kontrollierte Langeweile" nennt. Federico Rota prüfte gleich mehrfach die Stabilität der Torlatte, Ralf Herrmann schoss so oft daneben, dass die Balljungen sich warm laufen mussten. Doch Rodengo blieb im Spiel - zumindest kämpferisch. Santos ackerte im Mittelfeld, bis er in der 56. Minute Gelb sah. Drei Minuten später folgte Lorenzo Montegiordano, der nach einem übermotivierten Einsteigen an der Seitenlinie ebenfalls Gelb bekam. Später in der 86. Minute ließ er sich zu einer weiteren ungeschickten Grätsche hinreißen - Gelb-Rot, Feierabend. Der junge Verteidiger stapfte vom Feld, während Trainer Beyer die Hände über dem Kopf zusammenschlug: "Er ist 22, er lernt noch", sagte er hinterher mit einem Lächeln, das mehr Zähne zeigte als Freude. Zur Halbzeit hatte Beyer bereits den Torhüter gewechselt - Nachwuchsmann Igor Zunino (17!) ersetzte Magnani. Ein riskanter Schritt, aber vielleicht auch ein Versuch, das Schicksal herauszufordern. "Er hat im Training Fliegen gefangen, da dachte ich, er hält heute wenigstens Bälle", so Beyer mit einem Augenzwinkern. Und tatsächlich: Zunino parierte zweimal stark gegen Piergiorgio Torre di Ruggiero und Federico Rota. Die Fans jubelten, als hätte er den Ausgleich erzielt. Parma-Coach - ruhig wie ein Schachspieler - ließ seine Elf weiter Ball und Gegner laufen. "Das war kein schönes Spiel, aber ein reifes", sagte er nach Abpfiff. "Manchmal reicht ein Tor, wenn man es zur richtigen Zeit macht." Recht hat er: der Treffer in der 28. Minute war nicht spektakulär, aber effizient - wie die gesamte Mannschaft. Rodengo Saiano versuchte in der Schlussphase trotz Unterzahl noch einmal alles. Niccolò Gasser prüfte in der 69. Minute Parmas Keeper Basile, aber der 18-Jährige zeigte, dass auch Jugend clever sein kann. "Ich hab’ den Ball einfach festgehalten", grinste Basile nach dem Spiel. Simpel, aber effektiv - so wie Parma an diesem Abend. Die Statistik spricht eine klare Sprache: 15:3 Torschüsse, 58 zu 41 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe, weniger Karten. Und doch war es kein Spaziergang. Parma zitterte sich durch die letzten Minuten, Rodengo kämpfte mit Herz, aber ohne Fortune. "Wir wollten ein Zeichen setzen", sagte Santos, "leider hat das Zeichen der Schiedsrichter gezeigt, dass wir zu spät dran waren." Als das Flutlicht erlosch, blieb das Gefühl, dass Rodengo zwar verloren, aber Charakter gezeigt hatte - und vielleicht auch, dass ein 0:1 manchmal mehr erzählt als ein 4:0. Parma nimmt die drei Punkte mit, Rodengo den Applaus. Und Trainer Beyer? Der lächelte müde und meinte: "Wenn wir das nächste Mal treffen, lade ich den ganzen Ort auf Pizza ein." Hoffentlich hat er bald Grund dazu - die Pizzeria soll ja nicht leer bleiben. 03.05.643987 07:20 |
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