El Peruano
+++ Sportzeitung für Peru +++

Academia Lima fliegt in Halbzeit zwei - Sporting Iquitos geht unter

Was für ein Abend im Estadio Maximo Gómez! 32.000 Zuschauer wollten am 10. Spieltag der 1. Liga Peru eigentlich sehen, wie Sporting Iquitos den Favoriten aus Lima vielleicht ärgert. Nach 90 Minuten war die Stimmung allerdings eher tropisch-feucht als feierlich: 2:4 hieß es am Ende, und das Ergebnis schmeichelte den Gastgebern fast noch.

Dabei begann alles so hoffnungsvoll. Trainerbank, Sonne, Trommeln - das Übliche in Iquitos. Die erste Halbzeit: ein taktisches Abtasten, wie man es in Lehrvideos über "kontrollierte Langeweile" findet. Beide Teams spielten "BALANCED", wie es in den Statistikblättern heißt, also weder Fisch noch Fleisch. Chancen? Ein paar harmlose Schüsschen, ein Gelber Karton für Academia-Verteidiger Ramon Chalana (28.), und das war’s auch schon. 0:0 zur Pause - die Zuschauer nutzten die Zeit für Empanadas und lautes Diskutieren über Schiedsrichterentscheidungen, die es gar nicht gegeben hatte.

Dann aber kam die zweite Hälfte - und mit ihr der Wahnsinn. In der 55. Minute schien plötzlich Leben in die Partie zu kommen: Dimas Sa Pint, der quirlige Rechtsaußen von Iquitos, zog nach feiner Vorarbeit von Bruno Zabaleta ab. Tor! 1:0, die Tribüne tobte. "Ich dachte, ich sei im falschen Film", grinste Sa Pint später, "der Ball war so schön getroffen, dass selbst mein Vater das gesehen hätte - und der schaut lieber Baseball."

Doch die Freude währte exakt sechs Minuten. Academia reagierte wie ein Boxer, der endlich merkt, dass ihm jemand auf die Nase haut. In der 61. Minute traf Christiano Meireles nach Vorlage von Luís Makukula zum Ausgleich. Drei Minuten später drehte Javier Santos die Partie, bedient von Teenager Paulo Benito, der nach dem Spiel stolz erklärte: "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich!"

Von da an kippte das Spiel komplett. Sporting Iquitos schien geschockt, während Academia Limas Trainer Olli Kahn an der Seitenlinie grinste wie ein Mann, der gerade festgestellt hat, dass seine Mannschaft tatsächlich seine Anweisungen befolgt. "Wir haben über die Flügel gespielt, wie geplant. Na ja, fast wie geplant", knurrte er hinterher - das "fast" war vermutlich auf Tiburtius Edvaldsson gemünzt, der nach seiner Einwechslung (15. Minute) erst eine Gelbe kassierte und dann trotzdem noch zu zwei gefährlichen Vorstößen ansetzte.

In der 69. Minute keimte kurz Hoffnung für Iquitos: Ryan Cunningham traf per Nachschuss, nachdem Marcos Santoyo ihm den Ball elegant aufgelegt hatte. 2:2, das Stadion explodierte erneut. "Ich wollte einfach noch mal zeigen, dass die Alten’s können", sagte der 32-Jährige, der kurz darauf allerdings auch noch Gelb sah - vermutlich, weil er sich beim Jubel zu sehr freute.

Aber die Freude war wieder nur ein Strohfeuer. Sechs Minuten später (75.) besorgte Luís Makukula mit einem satten Linksschuss aus 18 Metern die erneute Führung für Lima - Vorlage ausgerechnet vom Innenverteidiger Jeno Egressy, der offensichtlich beschlossen hatte, dass Verteidigen überbewertet ist. Und als Christiano Meireles in der 87. Minute nach einer blitzsauberen Kombination mit Amaury Barros zum 4:2 traf, war endgültig klar, dass hier keine Wunder geschehen würden.

Die Statistik war ebenso deutlich wie das Resultat: 15 Torschüsse für Academia Lima, nur sechs für Sporting Iquitos. Auch im Ballbesitz (51 zu 49 Prozent) hatten die Gäste knapp die Nase vorn. "Wir waren immer einen Schritt langsamer", seufzte ein erschöpfter Keeper Albert Waldo nach Abpfiff. "Und ich hatte das Gefühl, Meireles schießt auf alles, was sich bewegt."

Olli Kahn hingegen wirkte fast gelöst: "Wir haben nach der Pause die richtige Mentalität gezeigt. Vielleicht hat meine Kabinenansprache geholfen - ich habe gesagt, wenn sie weiter so spielen, können sie gleich Bus fahren statt Flugzeug." Lächelnd fügte er hinzu: "Sie wollten offenbar fliegen."

Sporting Iquitos hingegen steckt nach dieser Niederlage tiefer im Tabellenmittelfeld fest. Der Heimtrainer, der ungenannt bleiben wollte, murmelte nur: "Wir spielen schön, aber leider nicht lange genug."

Am Ende blieb den Fans immerhin die Erkenntnis, dass Fußball in Iquitos nie langweilig ist - selbst wenn das eigene Team verliert. Und wie ein älterer Herr auf der Tribüne sagte, während er seine Trommel einpackte: "Vier Gegentore? Ach, das sind hier bloß Moskitos mit Ball."

Ein bisschen Ironie hilft eben, wenn der Gegner fliegt und man selbst nur winken kann.

11.09.643990 01:58
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Beim Football muß man nicht ins Tor schießen, sondern oben drüber. Das konnte ich schon immer ganz gut.
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