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36.000 Zuschauer im Estadio Municipal de Pena bekamen am Freitagabend eine Premiere serviert, die man in Lima wohl noch länger feiern wird. Academia Lima, trainiert von keinem Geringeren als Olli Kahn, gewann am 1. Spieltag der "1. Liga Peru" mit 3:1 bei Deportes Pena - und das völlig verdient, auch wenn die Statistik auf den ersten Blick Gleichstand suggeriert: 50,8 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 49,2 für die Gäste. Doch Zahlen lügen manchmal, Bälle selten. Die Tore fielen in Momenten, in denen Deportes Pena gerade zu glauben begann, das Spiel unter Kontrolle zu haben. In der 38. Minute war es David Galindo, der nach feiner Vorarbeit von Seppo Uusimäki eiskalt zuschlug. Ein Flachschuss ins lange Eck - ganz ohne Firlefanz, aber mit chirurgischer Präzision. "Ich dachte, er hebt den Ball", murmelte Pena-Torwart Marc Henriquez später, "aber der hat einfach gemacht, was man in Lehrbüchern findet." Nach der Pause zeigte Academia Lima, dass sie nicht nur offensiv, sondern auch taktisch diszipliniert sind. Kahn ließ sein Team weiterhin offensiv auftreten, aber ohne unnötiges Risiko. Das zahlte sich aus: Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff erhöhte Jukka Hietanen mit einem satten Rechtsschuss auf 2:0 - Vorlage von Emil Musiala, der den Ball so butterweich durch die Schnittstelle spielte, dass selbst die gegnerischen Fans kurz klatschten. Kahn grinste an der Seitenlinie, hob den Daumen und brüllte: "So spielt man Fußball, Männer!" Deportes Pena wirkte geschockt, und ehe sie sich sortiert hatten, war Hietanen wieder zur Stelle. In der 58. Minute schnürte der Finne seinen Doppelpack, diesmal nach einem Abpraller, den er mit stoischer Ruhe über die Linie drückte. Danach war die Messe eigentlich gelesen - aber Pena wollte sich nicht kampflos ergeben. Trainerangaben zum Heimcoach fehlen, doch wer auch immer an der Seitenlinie stand, er muss den richtigen Ton getroffen haben, denn ab der 65. Minute legten die Gastgeber los, als ginge es um die Ehre der gesamten Provinz. Theo Preston wirbelte auf rechts, Anthony Sorbo San Basile arbeitete wie ein Besessener, und schließlich belohnte sich Pena in der 71. Minute. Rhys Monroe traf nach Vorarbeit von Preston zum 1:3, und das Stadion explodierte. "Da war kurz Gänsehaut, ehrlich", sagte Monroe später mit einem verschmitzten Lächeln. "Aber dann sah ich, dass Kahn nur kurz die Stirn runzelte - und wusste, es wird schwer." Trotz acht Torschüssen der Gastgeber und neun der Gäste blieb es beim 1:3. Die Defensive Limas stand stabil, auch wenn Rechtsverteidiger Manuel de Gogorza in der 60. Minute Gelb sah - "nur weil ich zu leidenschaftlich war", verteidigte er sich nach dem Spiel. Kahn kommentierte trocken: "Wenn Leidenschaft Gelb ist, nehme ich zehn davon." Interessant auch, dass der deutsche Ex-Torwart auf junge Kräfte setzte: In der 60. Minute brachte er gleich zwei 17-Jährige - Miguel Beto im Sturm und Asier Postiga hinten links. "Ich wollte sehen, ob sie brennen. Und ja, sie brannten - fast zu sehr", grinste der Trainer. Beto hätte sogar fast das vierte Tor erzielt, scheiterte aber in der 65. Minute am stark reagierenden Henriquez. Bei Deportes Pena wird man trotz der Niederlage nicht den Kopf hängen lassen. Die Mannschaft zeigte Moral, hatte in der Schlussphase mehr vom Spiel und versuchte, mit schnellem Passspiel über die Flügel Akzente zu setzen. Doch die letzte Präzision fehlte. "Wir haben die Balance, aber nicht die Kaltschnäuzigkeit", sagte Mittelfeldmann Jose Enrique Mendivil. Statistisch gesehen war es ein ausgeglichenes Duell, spielerisch aber ein Fingerzeig: Academia Lima scheint reifer, strukturierter, einfach gefährlicher. Und Olli Kahn? Der stand nach Abpfiff mit verschränkten Armen da, blickte in die Kameras und sagte: "Ich will keine Helden, ich will Siege." Mission erledigt. Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht - zumindest für die Fans aus Lima. Die Anhänger von Deportes Pena dagegen dürften sich wünschen, dass der nächste Gegner etwas weniger "Kahn-isch" auftritt. Doch wenn sie denselben Einsatz zeigen wie in der Schlussviertelstunde, dann ist für sie in dieser Saison noch einiges drin. Bis dahin gilt: Wer drei Tore auswärts schießt, darf laut lachen - und das tat Academia Lima an diesem Abend aus vollem Herzen. 11.08.644000 15:14 |
Sprücheklopfer
In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
Peter Neururer nach einer 1:4 Niederlage