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Ein lauer Abend in Peru, 40.000 Zuschauer im Estadio Galves - und ein Spiel, das die Fans der Hausherren wohl so schnell nicht vergessen werden. Leider aus den falschen Gründen. Academia Lima, trainiert vom unermüdlichen Olli Kahn, zeigte beim 3:1-Auswärtssieg gegen AD Joan Galves, dass jugendlicher Leichtsinn manchmal die beste Waffe ist - solange er mit Präzision gepaart wird. Schon nach zehn Minuten lag der Ball im Netz der Gastgeber. David Galindo, der bullige Mittelstürmer der Limas, schob nach feiner Vorarbeit von Linksverteidiger Tiburtius Edvaldsson trocken ein. "Ich hab’ ihn einfach gesehen, wie er reinstartet, und dachte: Ach, warum nicht mal den Innenverteidiger überraschen", grinste Edvaldsson nach dem Spiel. Galindo selbst meinte nur: "Das war reiner Instinkt - oder Glück, je nachdem, wen man fragt." AD Joan Galves, das Team von Trainer - nennen wir ihn den "unsichtbaren Strategen", da er in den Statistiken schlicht fehlt - versuchte, das Geschehen zu beruhigen. Und tatsächlich: Mit 51,9 Prozent Ballbesitz hatten sie über weite Strecken mehr vom Spiel. Nur leider nicht vom Ziel. Ganze drei Torschüsse standen am Ende auf dem Konto der Hausherren - und einer davon fand den Weg ins Netz. Doch bis dahin war Academia Lima längst in Fahrt. Nach dem Seitenwechsel ließ das Team von Kahn seine offensive Ausrichtung nicht nur auf dem Papier stehen. In der 55. Minute tauchte der 19-jährige Jordi Roy, eben erst zur Pause eingewechselt, im Strafraum auf und verwandelte eiskalt. Es war die Sorte Treffer, bei der man sich fragt, ob da wirklich ein Teenager oder ein erfahrener Torjäger am Werk war. "Ich hab’ einfach draufgehalten", sagte Roy später. "Olli meinte, ich soll Spaß haben. Also hab ich das Tor genommen." Kurz darauf, in der 60. Minute, kam endlich Hoffnung für die Heimfans: Zdravko Jankovic traf nach schöner Vorarbeit von Aitor Lupus zum 1:2. Der Jubel war kurz, aber ohrenbetäubend. "Wir spürten, dass noch was geht", meinte Jankovic. "Aber dann - na ja, dann kam wieder dieser Junge." Dieser Junge war erneut Jordi Roy. In der 76. Minute, nach einem herrlichen Doppelpass mit seinem gleichaltrigen Sturmkollegen Iban Quixano, versenkte er den Ball zum 3:1-Endstand. Die beiden Teenager feierten mit einem improvisierten Tanz, der irgendwo zwischen jugendlicher Freude und taktischer Provokation lag. "Die Jungs dürfen das", lachte Olli Kahn nach dem Spiel. "Wenn sie so weiterspielen, tanze ich beim nächsten Mal mit." AD Joan Galves stemmte sich gegen die Niederlage, blieb aber blass. Die Gelben Karten für Dionysios Nikolaidis (84.) und Giulio Morabito (86.) waren eher Ausdruck von Frust als von Kampfgeist. Ihr Torwart Filipe Pelegrin schrie in der 87. Minute quer über den Platz: "Wollt ihr mir noch mehr Arbeit geben?" - was prompt Lachen auf der Tribüne auslöste. In Zahlen klang es am Ende deutlicher, als es auf dem Rasen aussah: 17 Torschüsse für Lima, aber nur 48 Prozent Ballbesitz. Der Unterschied lag in der Konsequenz. Während die Gäste fast jede Chance gefährlich machten, wirkte AD Joan Galves, als wolle man den Ball lieber besitzen als nutzen. Kahn, gewohnt direkt, bilanzierte: "Wir haben hart trainiert, um nicht nur schön, sondern effektiv zu spielen. Heute war’s beides - also beschwer’ ich mich nicht." Und dann, mit einem Grinsen, das an seine Münchner Tage erinnerte: "Und wer zwei Tore mit 19 macht, darf auch mal den Trainer alt aussehen lassen." Für die Gastgeber bleibt die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. "Manchmal ist Fußball wie ein gutes Essen", philosophierte Mittelfeldmann Marcel Deschanel nach dem Abpfiff. "Wir hatten die Zutaten - aber Lima hatte den Koch." So endete ein unterhaltsamer Abend mit einem klaren Ergebnis: Academia Lima siegt 3:1 (0:1) bei AD Joan Galves. Die Jugend stürmt, die Erfahrung staunt - und Olli Kahn tanzt vielleicht schon bald. Schlusswort: Wenn AD Joan Galves das nächste Mal den Ball so lange hält, sollte jemand daran erinnern, dass man Tore leider nicht durch Ballbesitz zählt. 27.10.643990 09:02 |
Sprücheklopfer
Wenn ich den Fans den Stinkefinger zeige, weiß ich, dass ich im nächsten Spiel ausgepfiffen werde. Das macht mich richtig geil auf das Spiel.
Mario Basler