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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die selbst Drehbuchautoren für zu verrückt halten würden. AD Santo André und CF Flamengo trennten sich am 23. Spieltag der brasilianischen Liga 4:4 - ein Ergebnis, das klingt wie ein Tennissatz, sich aber anfühlte wie ein Actionfilm mit offenen Enden. Schon in den ersten Minuten war klar: Hier würde kein Team den Bus parken. Beide Mannschaften traten offensiv ausgerichtet an, beide Trainer hatten ihre Teams auf Attacke eingestellt. "Ich wollte, dass wir mutig sind", erklärte Alexander Pachmann, Coach von Santo André, hinterher mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung lag. Flamengo legte los wie ein Tropensturm. In der 21. Minute traf Pedro Veloso nach Pass von Mario Berjon zum 0:1 - technisch fein, eiskalt im Abschluss. Nur zwei Minuten später erhöhte Linksverteidiger Vitorino Gomes auf 0:2, diesmal nach Vorlage von Veloso. Der Mann hatte offenbar beschlossen, dass Außenverteidiger auch Flügelstürmer sein dürfen. "Ich habe einfach gesehen, dass Platz da war", grinste Gomes später. "Wenn keiner hingeht, geh ich halt." Doch Santo André ließ sich nicht beeindrucken. Fast im Gegenzug setzte Frederic Greaves ein Zeichen: Sein Treffer zum 1:2 (24.) - vorbereitet von Amit Tamuz - war eine Mischung aus Entschlossenheit und Trotz. Das Publikum, 37.305 lautstarke Fans, roch förmlich die Aufholjagd. Nach der Pause ging das Spektakel weiter. Flamengo schien zunächst wieder die Kontrolle zu übernehmen. Daniel Keller, der erfahrene Rechtsaußen mit der Schusstechnik eines Uhrwerks, traf in der 52. Minute zum 1:3, herrlich bedient von Hugo Custodio. "Da dachte ich ehrlich gesagt, das war’s", gab Flamengo-Trainer Dino Ma später zu. "Aber Fußball hat ja Humor." Wenige Minuten später begann Santo André, diesen Humor auszukosten. Erst Tamuz (56., Vorlage Greaves) zum 2:3, dann Louis Lutz mit einem Doppelschlag (61. und 63. Minute) - plötzlich stand es 4:3! Der 30-jährige Lutz, sonst eher stiller Arbeiter auf der linken Seite, drehte auf, als hätte jemand im Stadion einen Schalter umgelegt. Nach seinem zweiten Treffer rief er Richtung Trainerbank: "Ich hab’s euch doch gesagt, ich kann’s noch!" Pachmann grinste später: "Ich wollte ihn eigentlich auswechseln. Gut, dass ich’s nicht getan hab." Flamengo wankte, aber fiel nicht. In der 85. Minute schlug wieder Daniel Keller zu - sein zweiter Treffer des Abends, diesmal ohne Assist, einfach ein klassischer Keller: trocken, präzise, unaufgeregt. Das 4:4 passte zu einem Spiel, in dem keine Verteidigung so richtig Lust hatte, Spaßverderber zu sein. Statistisch gesehen war Flamengo leicht überlegen (53 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse zu 9), doch Santo André konterte mit Herz und unbändiger Energie. Die Zuschauer bekamen, was sie wollten: Drama, Tempo, Emotionen. Gelbe Karte inklusive - Fabio Barbosa von Flamengo sah sie in der 77. Minute, wohl aus purer Nostalgie an Zeiten, in denen man noch körperlich spielen durfte. Nach dem Abpfiff standen sich die Spieler beider Teams erschöpft, aber grinsend gegenüber. "Das war kein Spiel, das war ein Ritt", sagte Santo Andrés Mittelfeldmotor Amit Tamuz, der mit einem Tor und einem Assist glänzte. "Wenn du vier Tore machst und trotzdem nicht gewinnst, weißt du, dass heute irgendwas Besonderes passiert ist." Trainer Dino Ma nahm es sportlich: "Wir hatten Chancen auf das fünfte Tor, aber ganz ehrlich - wer will so ein 5:4 überhaupt sehen? Das 4:4 erzählt die bessere Geschichte." Und er hat Recht. Es war ein Spiel, das alles hatte: Tore wie am Fließband, Wendungen, Emotionen - und am Ende das Gefühl, Zeuge eines dieser seltenen Fußballabende gewesen zu sein, an denen das Ergebnis fast egal ist. Als die Flutlichter im Estádio Bruno José Daniel langsam erloschen, summte man auf den Rängen schon vom nächsten Mal. Vielleicht wieder 4:4? Vielleicht sogar 5:5? Ein Fan rief lachend: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald zwei Anzeigetafeln!" - und irgendwie fasste das den Abend perfekt zusammen. Schlusswort des Chronisten: Wer behauptet, ein Unentschieden sei langweilig, sollte sich dieses Spiel ansehen. Acht Tore, zwei Teams ohne Sicherheitsgurt und ein Publikum, das 90 Minuten lang den Atem anhielt - mehr Fußball geht kaum. 22.10.643987 10:21 |
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Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
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