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Ein lauer Abend in Lima, 32.836 Zuschauer im Estadio Nacional, und eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, gleich im Januar schon mal Meisterfußball zu zeigen: AD Cristal gewann am 4. Spieltag der 1. Liga Peru mit 2:0 gegen Atletico Somos - und das Ergebnis war schmeichelhaft für die Gäste. Trainer Dirk Spieler stand nach dem Abpfiff mit einem zufriedenen, aber leicht spöttischen Grinsen vor den Mikrofonen. "Wir wollten zeigen, dass Offensivgeist kein Risiko, sondern Lebensfreude ist", sagte er und fügte an: "Und manchmal hilft auch ein linker Verteidiger, wenn’s vorne mal hakt." Damit meinte er natürlich Ernesto Aguas, der in der 23. Minute mit einem satten Schuss von der Strafraumkante das 1:0 erzielte - auf Vorlage des unermüdlichen Spielgestalters Emilio Jemez. Aguas, eigentlich eher für rustikale Grätschen bekannt, grinste nach seinem Tor: "Normalerweise sage ich den Jungs: Ich mache hinten dicht. Heute dachte ich mir: Warum nicht mal das Netz vorne treffen?" Es war ein Schuss, den man im ganzen Stadion noch einmal nachhallen hörte - und der den Torreigen eröffnete. Atletico Somos, das Team mit etwas mehr Ballbesitz (53,4 Prozent), aber deutlich weniger Durchschlagskraft, fand kaum Mittel gegen Cristals schnörkellose Offensive. Zwar versuchte sich Carlos Peña früh (13. Minute) mit einem Warnschuss, doch Keeper Adriano Semprun war aufmerksam. Der Rest der ersten Halbzeit gehörte dann eindeutig den Hausherren: Nemanja Nad, der rechte Flügelflitzer, ballerte in der 41. Minute nach einem perfekten Steckpass - wieder von Jemez - das 2:0. Nad jubelte mit ausgestreckten Armen und rief Richtung Trainerbank: "Das war für dich, Coach!" "Er meint, er hätte das so geplant", lachte Spieler später, "aber ehrlich gesagt: Ich hab ihm nur gesagt, er soll endlich mal aufs Tor schießen." Mit 15 Torschüssen zu 5 war Cristal deutlich aktiver. Besonders in der zweiten Halbzeit schien das Team zwar etwas den Fuß vom Gas zu nehmen, doch Atletico Somos konnte daraus kein Kapital schlagen. Die Gäste wirkten bemüht, aber nicht inspiriert - wie ein Orchester, das den Taktstock verloren hat. Eine Schrecksekunde erlebten die Zuschauer in der 58. Minute, als Torschütze Aguas nach einem Zweikampf liegen blieb und ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Jose Cunha, der den Job solide erledigte. "Ernesto hat sich wohl nur vertreten", gab Trainer Spieler Entwarnung. "Nichts, was eine kalte Dusche und ein gutes Steak nicht heilen können." Atletico-Trainer Miguel Ortega (der in der offiziellen Statistik seltsamerweise nicht auftaucht, aber natürlich an der Seitenlinie stand - und zwar mit zunehmender Ratlosigkeit) schüttelte nach dem Spiel nur den Kopf: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber Fußballspiele gewinnt man nicht mit Prozenten, sondern mit Toren." Die Statistik sprach Bände: AD Cristal mit 54,7 Prozent gewonnener Zweikämpfe, drei Gelbe Karten (Balzac, Mesick, Semedo - allesamt in der Schlussphase, als die Emotionen kurzzeitig überkochten), und einer Mannschaft, die selbst in der 93. Minute noch Lust aufs Toreschießen hatte - Vicente Semedo zwang Somos-Keeper Goncalves in der Nachspielzeit zu einer Glanzparade. In der Kabine war die Stimmung danach ausgelassen. "Ich hab schon vor dem Spiel gesagt, wir machen heute einen Doppelschlag", rief Jemez lachend seinen Mitspielern zu, während er sein Trikot in die Ecke warf. Nad antwortete trocken: "Nächstes Mal machst du die Tore, ich geb die Pässe." Was bleibt, ist der Eindruck eines Teams, das seine offensiv ausgerichtete Taktik ("OFFENSIVE", laut Statistik) konsequent und mit Spielfreude umsetzte. Kein wildes Pressing, kein Hauruck-Fußball - einfach klug, zielstrebig, effizient. Atletico Somos hingegen wirkte zu brav, zu berechenbar. Am Ende verabschiedete sich das Publikum mit stehenden Ovationen. In der Mixed Zone meinte Trainer Spieler mit einem Augenzwinkern: "Wir haben heute viel richtig gemacht - und das, obwohl wir den Ball gar nicht so oft hatten. Vielleicht sollten wir das beibehalten." Ein 2:0, das wie ein Versprechen klang: Wenn Cristal so weitermacht, wird’s in Lima bald wieder richtig glitzern. Und ein kleiner Tipp an Atletico Somos: Manchmal hilft es, wenn man nicht nur den Ball, sondern auch den Mut besitzt, damit etwas anzufangen. 22.02.643987 17:54 |
Sprücheklopfer
Wenn ich so Fußball gespielt hätte wie Berti Vogts, so als reiner Wadenbeißer, dann hätte ich mit 18 Jahren meine Fußballschuhe verbrannt.
Klaus Toppmöller