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Liga MX | 9. Spieltag | 13.07.26 | Alacranes Durango - Leones Negros 2:1 Das Spiel begann, wie man es von einem Duell zweier Mannschaften erwartet, deren Maskottchen sich in freier Wildbahn lieber aus dem Weg gehen würden: mit Gift und Krallen. Schon nach fünf Minuten brüllten die Leones Negros auf. Nicolaas Winchel, der bullige Linksaußen, zog nach einem feinen Zuspiel von Oliver Kenny ab - und traf eiskalt zur frühen Führung. Heimtrainer Manni Kaltz sprang an der Seitenlinie auf, als hätte ihn selbst der Stachel erwischt. "So hatte ich mir den Start nicht vorgestellt", knurrte er später mit einem schiefen Grinsen. Durango schüttelte sich kurz, dann begann der giftige Gegenangriff. Emilio Ferreira prüfte früh den Gästekeeper Roland Vittek, und die Alacranes übernahmen trotz nahezu ausgeglichenem Ballbesitz (49,9 zu 50,1 Prozent) langsam die Kontrolle. In Minute 29 war es dann soweit: Nach einer sehenswerten Kombination über Albert Ohlsson kam der Ball zu Nelio Conceicao - und der Brasilianer traf mit einem satten Schuss ins lange Eck. 1:1, und das Stadion bebte. "Ich hab den Ball eigentlich gar nicht richtig getroffen", gab Conceicao später mit einem Augenzwinkern zu. "Aber manchmal küsst dich der Fußballgott eben auf den Spann." Zwei Minuten später hätte er fast nachgelegt, scheiterte aber an Vittek, der mit den Fingerspitzen rettete. Zur Pause stand es leistungsgerecht unentschieden. Leones-Coach Joe Pass, stets mit Sonnenbrille und Pokerface, murmelte in der Halbzeit angeblich zu seinem Assistenten: "Wenn wir schon stark spielen, könnten wir wenigstens fair verlieren." Seine Mannschaft blieb offensiv, manchmal zu offensiv. Zwei Gelbe Karten - für Kenny (10.) und den robusten Innenverteidiger Miguel Semprun (72.) - zeugten davon, dass die Löwen durchaus ihre Krallen zeigten. Durango dagegen lauerte. Im 62. Minute schnappte die Falle zu: Nevio Pauleta spielte einen perfekt getimten Pass in den Lauf von Conceicao, der erneut eiskalt blieb. 2:1 - und diesmal jubelte nicht nur der Scorer, sondern ganz Durango. Trainer Kaltz klatschte seine gesamte Bank ab und brüllte Richtung Tribüne: "So spielt man Skorpion-Fußball!" Leones Negros warf in der Schlussphase alles nach vorn. Coach Pass brachte frisches Blut: den jungen Esteban Gomes (76.) und den 20-jährigen Ruben Domingo (83.), die aber mehr mit der Nervosität als mit dem Gegner kämpften. "Ich hatte das Gefühl, der Ball war ein glühender Stein", stammelte Gomes später selbstironisch. Die Alacranes verteidigten den knappen Vorsprung mit allem, was sie hatten - und manchmal auch mit etwas Glück. Keeper Vincent Antolin hielt in der 76. Minute einen wuchtigen Kenny-Schuss, der wohl sonst im Netz gezappelt hätte. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen sich Spieler, Betreuer und sogar Maskottchen in den Armen. Statistisch war das Spiel ein Spiegelbild seiner Dramatik: 16 Torschüsse für Durango, 10 für die Gäste, ein Tackling-Vorteil für die Hausherren (52 zu 48 Prozent). Der Rest war Emotion, Wille und ein Hauch von Chaos - genau das, was die Fans lieben. "Wir haben gewonnen, weil wir gelitten haben", sagte Doppeltorschütze Conceicao in der Mixed Zone, während er die Schuhe in eine Plastiktüte stopfte. Trainer Kaltz fasste den Abend auf seine Weise zusammen: "Wir sind keine Tänzer, aber wenn die Musik spielt, bewegen wir uns im richtigen Takt." Kollege Pass dagegen blieb stoisch: "Wir haben gut begonnen und schlecht aufgehört. Das ist kein Geheimnis, das ist Fußball." So endete ein Abend, an dem Skorpione stachen und Löwen zähmen mussten, was sie nicht kontrollieren konnten: den eigenen Übermut. Und irgendwo auf der Tribüne murmelte ein alter Fan, als das Stadion sich leerte: "Durango kann’s halt, wenn’s drauf ankommt." Ein bisschen Pathos, ein bisschen Staub - und drei Punkte für die Alacranes. Manchmal braucht es nicht mehr, um in der Liga MX Geschichte zu schreiben. 13.07.2026 21:17 |
Sprücheklopfer
Ich mache immer das, was mir gesagt wird. Das habe ich im Osten gelernt.
Jens Jeremies