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Durango, 31. Januar 2026 - 59.000 Zuschauer im Stadion der Alacranes Durango sahen an diesem Samstagabend ein Spiel, das man getrost als "mexikanisches Mittelfelddrama mit leichtem Hang zur Selbstironie" bezeichnen kann. Am 30. Spieltag der 1. Liga Mexico trennten sich die Alacranes und die favorisierten Pumas Nacional mit einem 1:1 - ein Ergebnis, das beiden Teams ungefähr so viel hilft wie ein Regenschirm in der Wüste, aber immerhin für 90 Minuten beste Unterhaltung bot. Schon in der Anfangsphase machten die Gäste aus der Hauptstadt klar, wer hier eigentlich Fußball spielen wollte. Pumas stürmte, schoss, kombinierte - und verzweifelte. Ganze 16 Torschüsse standen am Ende auf dem Statistikzettel, während Durango sich auf vier halbwegs gezielte Versuche beschränkte. "Wir wollten kontrolliert spielen", erklärte Heimtrainer Manni Kaltz mit einem verschmitzten Lächeln nach dem Spiel. "Kontrolliert heißt in unserem Fall: Wir kontrollieren, dass die anderen nicht zu viele Tore schießen." Die Pumas rannten an, als gäbe es Bonusmeilen für Torschüsse. Martin Djalo prüfte den Keeper schon nach 60 Sekunden, dann noch einmal in der dritten Minute. Der Durango-Schlussmann Vincent Antolin wurde früh zum vielbeschäftigten Mann, während seine Vorderleute in der Defensive eher den Eindruck machten, sie würden ein gemeinsames Picknick planen. Trotzdem überstand Durango die erste Halbzeit unbeschadet - dank Antolin, einer Portion Glück und einem Schuss Unvermögen im Abschluss bei den Gästen. "Wir hätten zur Pause 2:0 führen müssen", schimpfte Pumas-Coach Andy Nordlicht später in den Katakomben. "Aber der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht lag’s an der Höhenluft. Oder an der Torlatte. Oder an beidem." Seine Spieler nickten nur stumm. Einer von ihnen, Theo Hiliard, sollte später noch eine Hauptrolle übernehmen. In der 64. Minute nämlich platzte der Knoten. Nach einer feinen Kombination über die linke Seite legte Diego Meireles den Ball mustergültig in den Rückraum, wo Hiliard lauerte wie ein Mathematiklehrer vor der Klassenarbeit. Ein kurzer Blick, ein satter Schuss - und schon zappelte das Leder im Netz. 0:1. Der Gästeblock tobte, Nordlicht pumpte die Faust, und selbst das Durango-Maskottchen, ein überdimensionierter Skorpion, ließ kurz den Stachel hängen. Doch die Alacranes sind zäh, wie ihr Name verspricht. Acht Minuten später nutzten sie ihre erste echte Chance. Raul Futre, der rechte Mittelfeldmann mit dem jugendlichen Übermut, flankte präzise auf Bjarke Therkildsen. Der Däne nahm Maß und schweißte den Ball in der 72. Minute in die Maschen. 1:1 - aus dem Nichts, aber nicht unverdient, wenn man Einsatz und Leidensfähigkeit als Währung gelten lässt. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Therkildsen später. "Und gehofft, dass der Ball nicht im Parkplatz landet." Danach wurde es ruppig. Pumas-Verteidiger Srdan Tadic sah Gelb für ein rustikales Einsteigen (60.), Francisco Gil und Ivan Alvaro von Durango zogen nach (84. und 91.). Das Spiel kippte kurzzeitig in Richtung Kleinholzproduktion, doch Schiedsrichter Gómez behielt den Überblick. Trainer Kaltz brüllte von der Seitenlinie: "Jungs, wir spielen Fußball, kein Rugby!" - worauf sein Assistent trocken erwiderte: "Aber immerhin gewinnen wir mehr Zweikämpfe." Taktisch blieb alles beim Alten: Pumas offensiv, aggressiv, mit vollem Einsatz - Durango balanciert, defensiv clever, zum Schluss sogar mit aktivem Pressing. Und tatsächlich, in den letzten Minuten drückte der Gastgeber auf den Lucky Punch. Therkildsen hatte in der 79. Minute noch einmal die Führung auf dem Fuß, jagte den Ball aber über das Tor, während Antolin hinten zwei gefährliche Schüsse von Hiliard (83.) und Olivadi (86.) entschärfte. Als der Schlusspfiff ertönte, atmete das Publikum auf - und jubelte, als hätte Durango gerade die Meisterschaft gewonnen. "Dieses Unentschieden fühlt sich wie ein Sieg an", meinte Kapitän Rui Bischoff. "Wenn du 16 Schüsse zulässt und nur einer reingeht, hast du irgendwas richtig gemacht." Pumas-Coach Nordlicht sah das naturgemäß anders: "Wir haben das Spiel in allen Belangen dominiert - außer im Ergebnis. Aber Fußball ist eben kein Schönheitswettbewerb. Leider." Fazit: Die Pumas waren der schönere Tänzer, die Alacranes der zähere Boxer. 54 Prozent Ballbesitz für die Hausherren klingen trügerisch, denn das Spiel gehörte meist den Gästen. Doch am Ende zählt, was auf der Anzeigetafel steht: 1:1. Ein Punkt für Durango, ein Ärgernis für Pumas - und für uns Zuschauer ein Abend, der zeigte, warum man Fußball liebt: Weil selbst die klaren Spiele manchmal ganz anders enden. Oder, wie Durango-Trainer Kaltz es zum Abschied formulierte: "Manchmal ist ein Unentschieden einfach das ehrlichste Ergebnis. Vor allem, wenn man’s sich erarbeitet hat." Und damit gute Nacht aus Durango - wo selbst die Skorpione heute zufrieden lächeln dürften. 01.01.643988 06:05 |
Sprücheklopfer
Ich werde nicht akzeptieren, dass gesagt wird: Die Mannschaft ist ein Scheißhaufen. So einfach ist es nicht. Logisch sind wir ein Scheißhaufen. Aber das ist nicht der einzige Punkt.
Christian Ziege nach der EURO 2000 über die deutsche Nationalmannschaft