La Prensa Libre
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Alajuela siegt mit nur einem Schuss, der zählt

Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Ballbesitz eigentlich Punkte gibt. 20.000 Zuschauer hatten sich im Estadio Central eingefunden, um Estudiantes Central gegen CD Alajuela zu sehen - und sie gingen mit der Erkenntnis nach Hause: Nein, Ballbesitz allein schießt keine Tore. CD Alajuela gewann auswärts mit 1:0, obwohl Estudiantes fast 60 Prozent der Zeit den Ball hatte.

Das Spiel begann munter, mit frühem Offensivdrang der Gäste. Schon in der ersten Minute prüfte Daniel Barros den Heimtorwart Gerd Lund mit einem satten Distanzschuss - ein Warnschuss, der sich als Vorbote erweisen sollte. Estudiantes antwortete mit viel Ballzirkulation, aber wenig Durchschlagskraft. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Mittelfeldmann Bünyamin Kocaoglu nach der Partie. "Hat ja auch geklappt - nur leider nicht das mit dem Toreschießen."

Das Tor des Abends fiel in der 23. Minute - und zwar ausgerechnet von einem Verteidiger. Paulo Ximenez, der rechte Außenverteidiger der Costaricaner, tauchte nach einem Doppelpass mit Linksverteidiger Joao Quaresma plötzlich im Strafraum auf und drosch den Ball mit der Entschlossenheit eines Mannes, der sonst nie in diese Position kommt, unhaltbar ins Netz. 1:0 Alajuela - und der Jubel der mitgereisten Fans übertönte kurzzeitig sogar die Trommler der Estudiantes-Kurve.

Danach wurde das Spiel zunehmend ein Lehrstück in Sachen Effizienz. Alajuela schoss insgesamt 17 Mal aufs Tor, doch nur dieser eine Versuch fand den Weg über die Linie. Estudiantes dagegen brachte es auf fünf Torschüsse - alle harmlos, alle symptomatisch für einen Abend, an dem Ideen wertvoller waren als deren Umsetzung.

Trainer Fritz Brause von CD Alajuela hätte Grund zur Freude gehabt, doch er blieb gewohnt trocken. "Wir wollten defensiv stabil stehen und vorne ein Tor machen. Hat geklappt. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen", grinste er nach dem Schlusspfiff. Sein Gegenüber - Estudiantes-Coach, der lieber anonym blieb, aber sichtbar mit den Nerven kämpfte - murmelte: "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen."

In der 32. Minute dann ein Schreckmoment: Finlay Madigan, der erfahrene Rechtsaußen der Estudiantes, musste nach einem Sprintduell ausgewechselt werden. Toni Nyman kam - und verletzte sich prompt wenige Sekunden später selbst. "Das war wie ein schlechter Witz", meinte Verteidiger Radek Hubnik. "Da bringst du frische Kräfte, und der Arzt steht schon wieder auf dem Platz."

Die zweite Halbzeit verlief nach demselben Muster: Estudiantes mit viel Ballbesitz, Alajuela mit den klareren Chancen. Der junge Asier Mocana, gerade einmal 19 Jahre alt, sorgte mit seinen Tempoläufen auf der rechten Seite für frischen Wind, während der erfahrene Martin Fukal mehrmals gefährlich auftauchte. Doch Gerd Lund im Tor der Gastgeber hielt, was zu halten war - zumindest alles außer das Tor des Abends.

In der 69. Minute sah Alajuelas Taktgeber Vicente Arredondo Gelb, später auch Abwehrmann Joao Quaresma (80.). Das hinderte die Gäste jedoch nicht daran, die Partie routiniert zu Ende zu spielen. Estudiantes bekam in der Schlussphase noch einige Gelegenheiten: Madigan (85.) und Scala (87.) scheiterten jedoch ebenso wie zuvor Javier Jorge (56.).

Als der Schlusspfiff ertönte, sah man den Unterschied: Alajuela jubelte über drei Punkte, Estudiantes über 58 Prozent Ballbesitz. In Zahlen: 0:1 (0:1), 5:17 Torschüsse, 43 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Hausherren - das ist Statistik zum Abgewöhnen.

"Wir haben alles gegeben", sagte Estudiantes-Kapitän Fernando Antonio, "aber manchmal ist Fußball eben kein Wunschkonzert." Auf der anderen Seite klopfte sich Torschütze Paulo Ximenez auf die Brust: "Ich bin Verteidiger. Wenn ich ein Tor mache, dann muss das reichen."

Ein Zuschauer fasste es beim Hinausgehen treffend zusammen: "Estudiantes hatte den Ball, Alajuela das Tor - und am Ende zählt eben nur das."

Und so bleibt als Fazit: Ein Spiel wie ein Rätsel - viel Aufwand, wenig Ertrag. CD Alajuela nimmt drei Punkte mit und den Beweis, dass man auch mit balanciertem Taktikansatz und ohne Pressing gewinnen kann. Estudiantes Central dagegen bleibt auf der Suche nach dem letzten Pass - und vielleicht auch nach einem Stürmer, der weiß, wo das Tor steht.

Vielleicht trösten sie sich damit, dass Ballbesitz schön aussieht. Aber in der Tabelle gibt’s dafür immer noch keinen Schönheitspreis.

08.11.643999 00:59
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Ich will ja nicht sagen, dass der Job mich ausgesogen hat wie ein Vampir, aber selbst beim Essen daheim oder beim Zusammensein mit Freunden war ich geistig abwesend.
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