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Es war ein lauer Januarabend in Alajuela, aber auf dem Rasen des Estadio Alejandro Morera Soto brannte die Luft. 30.891 Zuschauer sahen ein Fußballspiel, das alles bot, was man an diesem Sport gleichzeitig liebt und verzweifelt hasst: frühe Ekstase, mittlere Selbstzufriedenheit und späte Tragik. Am Ende stand ein 3:3 zwischen CD Alajuela und CD Ramonense - ein Ergebnis, das sich für die Gastgeber wie eine Niederlage anfühlt. Dabei hatte alles so traumhaft begonnen. Acht Minuten waren gespielt, da stürmte der 19-jährige Arnau Prieto, dieser jugendliche Wirbelwind auf der rechten Seite, durch die Abwehr der Gäste, als hätte er sie auf dem Pausenhof schon dreimal getunnelt. Nach Pass von Albert Hernando zimmerte er den Ball unhaltbar ins Eck. Die Fans jubelten noch, als Prieto nur eine Minute später erneut zuschlug - diesmal nach butterweicher Vorlage von Antonio Espriu. 2:0 nach neun Minuten, und Trainer Fritz Brause grinste an der Seitenlinie so breit, dass man dachte, er würde gleich Eintritt für sein Lächeln verlangen. "Da dachte ich, wir hätten sie im Sack", gestand Brause nach dem Spiel. "Aber anscheinend war es eher ein Netz mit großen Löchern." Denn Ramonense ließ sich nicht abschlachten. In der 27. Minute zeigte der junge Banel Marian, dass auch er ein heißes Talent ist. Nach feinem Zuspiel von Santiago Conceicao schlenzte er den Ball zum 2:1-Anschluss - und plötzlich war wieder Leben in der Bude. Die Partie blieb intensiv, mit Alajuela als dominanter Mannschaft. 58 Prozent Ballbesitz, neun Torschüsse, drei Gelbe Karten - das war das statistische Gesicht eines Teams, das zwar mehr vom Spiel hatte, aber nicht genug davon machte. Joao Quaresma, der linke Verteidiger, bekam in der 18. Minute Gelb, weil er mehr mit den Armen als mit den Füßen verteidigte. Antonio Espriu sah ebenfalls Gelb kurz vor der Pause, als er einen Konter der Gäste mit einem Griff in die Trickkiste - genauer gesagt: in das Trikot des Gegners - stoppte. Nach der Pause schien Alajuela alles klarzumachen. In der 53. Minute traf Daniel Jowow nach Vorlage von Espriu zum 3:1. Der Jubel war groß, die Zuversicht grenzenlos. "Ich dachte, das war’s jetzt", grinste Jowow später. "Aber Fußball ist halt kein Wunschkonzert." Wie recht er hatte. Ramonense, trainiert vom stoisch wirkenden Hans-Jürgen Ringelnatter, stellte um, brachte frische Kräfte: Baris und Bindea kamen in der 60. Minute, Aykut ersetzte kurz darauf den müden Coluna. Die Gäste begannen zu kontern, als hätten sie plötzlich den Turbo entdeckt. In der 73. Minute war es dann Cesc Izquierdo, der mit einem präzisen Schuss nach Vorlage von Innenverteidiger Lajos Low das 3:2 markierte. Nur acht Minuten später drehte sich das Spiel endgültig in Richtung Wahnsinn: Raul Cruz, der linke Flügelflitzer, traf nach feinem Pass von Aykut zum 3:3. Das Stadion verstummte für einen Moment, als hätte jemand den Ton abgeschaltet. "Ich hab’s gehört - das Schweigen", sagte Ringelnatter mit einem schmalen Lächeln nach dem Abpfiff. "Dann wusste ich, wir sind wieder da." In der Schlussphase war alles möglich. Alajuela drückte, Ernesto Munoz scheiterte in der 88. Minute mit einem satten Schuss an Ramonenses Keeper Javier Ochoa, der mit einer Flugeinlage für das Foto des Abends sorgte. Kurz zuvor hatte Verteidiger Lajos Low verletzt vom Platz gemusst - eine bittere Szene, die die Gäste jedoch nicht mehr aus dem Konzept brachte. "Wir waren zu gierig", analysierte Brause später. "Manchmal muss man eben auch den Deckel draufmachen, statt weiter Suppe nachzugießen." Sein Gegenüber Ringelnatter konterte trocken: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn sie schon verlieren, dann wenigstens laut. Heute waren sie laut genug." Und so endete ein Spiel, das keiner so schnell vergessen wird. Drei Tore in den ersten 27 Minuten, drei Karten, drei Gegentore nach Führung - ein Dreiklang der Dramen. Vielleicht war es das gerechteste aller Ergebnisse. Oder, wie es Arnau Prieto formulierte, während er noch immer kopfschüttelnd in die Katakomben ging: "Manchmal spielt man 90 Minuten gut und hat trotzdem das Gefühl, man hätte verloren." Ein 3:3, das sich anfühlt wie ein Roman in drei Akten - nur dass diesmal keiner den Helden bekam, den er wollte. Und irgendwo in Alajuela wird Fritz Brause heute Nacht wohl wieder vom perfekten Start träumen - und davon, wie schön es wäre, wenn Fußball nur 60 Minuten dauern würde. 17.03.643987 23:07 |
Sprücheklopfer
Da wir nicht voll auf Niederlage spielen, spielen wir voll auf Sieg.
Berti Vogts