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Wenn man an einem frostigen Januarabend ins Cuxhavener Stadion kommt, erwartet man vielleicht heißen Glühwein - aber sicher kein Feuerwerk auf dem Rasen. Doch genau das lieferten die Jungs vom FC Cuxhaven beim 4:0 (3:0) gegen Osterholz am 8. Spieltag der Landesliga 5. 1969 Zuschauer sahen eine Partie, die so einseitig war, dass selbst der Stadionsprecher irgendwann Mitleid mit den Gästen bekam. Hauptdarsteller des Abends: Aldo Alberti, 20 Jahre jung, rechts außen und offenbar mit einem Vertrag bei der Tor-Göttin Fortuna. Dreimal traf der Angreifer - in der 29., 30. und 43. Minute - und sorgte damit praktisch im Alleingang für klare Verhältnisse zur Pause. "Ich wollte eigentlich nur mal schauen, ob der Torwart wach ist", grinste Alberti nach dem Spiel, "aber dann hat’s halt dreimal geklappt." Ein Satz, der vermutlich in Osterholz noch länger nachhallen wird. Trainer Rio Alf, sonst eher der Schweigsame, war nach dem Spiel kaum zu bremsen: "Aldo war heute wie ein Espresso doppio - klein, schnell, und er hat Wirkung gezeigt." Man kann ihm kaum widersprechen. Cuxhaven spielte mit 58,5 Prozent Ballbesitz und unglaublichen 27 Torschüssen phasenweise wie eine Mannschaft aus einer höheren Liga. Osterholz dagegen brachte es auf drei zaghafte Versuche - vermutlich ein neuer Negativrekord in dieser Spielklasse. Das 1:0 fiel nach einem feinen Zuspiel von Tomas Freitag, der den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers in Albertis Lauf legte. Keine Chance für Keeper Thomas Bock, der an diesem Abend mehr zu tun hatte als ein Paketbote im Weihnachtsgeschäft. Nur eine Minute später klingelte es erneut: Diesmal setzte sich Walter Ulrich auf der rechten Seite durch, passte flach in den Strafraum, und Alberti schob eiskalt ein. "Da hat man gesehen, was Automatismen bedeuten", meinte ein zufriedener Rio Alf. Und bevor Osterholz überhaupt wieder sortiert war, folgte kurz vor der Pause der dritte Streich - wieder Alberti, diesmal nach Flanke von Linksverteidiger Uwe Thomas. Der grinste später: "Ich wollte eigentlich schießen, aber Aldo stand halt im Weg." Nach dem Seitenwechsel nahm Cuxhaven etwas Tempo raus - vielleicht auch, weil Alberti in der Kabine blieb und durch den jungen Joseph Haddington ersetzt wurde. Doch die Spielfreude blieb. In der 54. Minute knallte Jefim Mischakow den Ball nach Vorlage von Benjamin Browning zum 4:0 unter die Latte. "Ich hab einfach durchgezogen", sagte Mischakow, "und gehofft, dass keiner im Weg steht - war ja keiner mehr da." Ein Satz, der die Osterholzer Abwehrarbeit an diesem Abend treffend beschreibt. Die Gäste versuchten es tapfer, allen voran Angreifer Yannik Roth, der immerhin alle drei Torschüsse seines Teams abgab. Aber Torwart Dylan Perlman im Cuxhavener Kasten hatte einen ruhigen Abend - so ruhig, dass er nach dem Spiel scherzte: "Ich hab mir in der 60. mal kurz den Rasen angeschaut, ob er noch da ist." Mehr Action gab es für Schiedsrichter Hennig, der drei Gelbe Karten verteilte - zwei an Cuxhaven (Louis Zander, Uwe Thomas) und eine an Osterholz’ Philip Giese. Letzterer kommentierte trocken: "Wenn man sonst nichts trifft, dann wenigstens den Gegner." Taktisch blieb Cuxhaven während der gesamten Partie ausgewogen: keine wilden Experimente, kein übertriebenes Pressing - einfach solides, ballsicheres Fußballhandwerk. Osterholz dagegen wirkte, als habe man das Pressing-Verbot in die Taktiktafel gemeißelt. Kein Wunder, dass Trainer Alf nach dem Spiel süffisant meinte: "Wenn die nicht pressen, pressen wir halt." Am Ende sang das Publikum - sinngemäß - über die Tabellenführung, während Osterholz-Spieler bedröppelt Richtung Bus trotteten. "Wir haben uns heute selbst geschlagen", murmelte Kapitän Claus Schenk, "also eigentlich hat uns Alberti geschlagen." Das fasst es wohl am besten zusammen. Cuxhaven feierte einen rundum gelungenen Abend, der in die Vereinschronik eingehen dürfte - nicht wegen der Dramatik, sondern wegen der Leichtigkeit, mit der dieser Sieg zustande kam. Osterholz dagegen wird sich dringend fragen müssen, wie man nach 90 Minuten Fußball auf 3 Torschüsse kommt, ohne dass es regnet. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne sagte, als der Schlusspfiff ertönte: "So spielt man, wenn man Spaß hat - und der andere lieber Sudoku." 10.04.643987 02:12 |
Sprücheklopfer
Vieles was darin geschrieben wurde, ist auch wahr.
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