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Wenn 16.508 Zuschauer an einem frostigen Januarabend in Alexandroupoli den Atem anhalten, dann liegt das meist nicht am Winterwind vom Meer, sondern an einem Spiel, das mehr verspricht, als es am Ende hält. Beim 1:2 (1:1) gegen AEL Athen sah die junge Truppe von Trainer Bart Simpson zunächst wie der frechere Außenseiter aus - um am Ende doch der Erfahrung der Hauptstadtmannschaft Tribut zu zollen. Schon vor dem Anpfiff murmelte ein Ordner im Presseraum: "Wenn der 17-jährige Papastathopoulos trifft, schreib’ ich mich beim Jugendförderverein ein." 21 Minuten später war es soweit. Archondis Papastathopoulos, zarter Jahrgang 2009, aber mit der Unbekümmertheit eines Straßenkickers, traf nach Vorarbeit von Dario Bosnjak sehenswert zum 1:0. Der Jubel im kleinen Stadion war ohrenbetäubend, die Ersatzbank sprang in einer Weise auf, als hätte Alexandroupoli gerade die Champions League gewonnen. Trainer Bart Simpson - ja, der Name ist kein Scherz - grinste nach dem Spiel: "Ich hab’ Archondis gestern noch gefragt, ob er überhaupt alt genug ist, um nach 20 Uhr draußen zu sein. Jetzt weiß ich’s: Für Tore schon." Doch wer AEL Athen kennt, weiß: Routine schlägt Romantik. Die Gäste, taktisch diszipliniert und offensiv ausgerichtet, ließen sich vom Rückstand kaum beeindrucken. Nach einigen harmlosen Annäherungen schlug der quirlige Isidor Stefanescu in der 38. Minute zu. Nach sauberem Zuspiel von Anthimos Markopoulos schob er eiskalt ein - 1:1, und das Spiel kippte allmählich. "Wir wussten, dass Alexandroupoli mit viel Herz spielt", sagte Athen-Coach Nikos Charalampidis (der sich nach dem Spiel demonstrativ den Schal zurechtrückte). "Aber Herz gewinnt selten gegen Struktur." Und tatsächlich: Während Alexandroupoli zwar leicht mehr Ballbesitz (52,8 Prozent) verbuchte und über weite Strecken das Spiel machte, waren die Athener im Abschluss einfach reifer. 14 Torschüsse zu 9 sprechen eine deutliche Sprache. Nach der Pause blieb das Bild zunächst ausgeglichen. Dennis Moll, der 36-jährige Leitwolf der Gastgeber, prüfte Athener Keeper Paisis Gekas gleich zweimal - in der 50. und 82. Minute - doch dessen Reflexe erinnerten an einen Gummimenschen. "Wenn der so weitermacht, steht er bald im Nationalteam", murmelte ein Reporter drei Plätze weiter. Dann kam die 71. Minute, und Athen zeigte, warum man sie nie abschreiben darf. Sergej Repnew, der bullige Rechtsaußen, traf nach Vorarbeit von Philippos Kaklamanis zum 2:1. Ein Tor, so trocken wie ein kretischer Weißwein: schnörkellos, effektiv, entscheidend. Alexandroupoli taumelte, versuchte es mit jugendlichem Elan, doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. "Ich hatte das Gefühl, wir hätten noch eine Stunde spielen können", sagte Simpson später leicht sarkastisch. "Vielleicht hätten wir dann wenigstens einen Eckball mehr gehabt." Tatsächlich zeigten seine Jungs trotz des Rückstands ungebrochenen Einsatz. Der 17-jährige Gavriil Kostikos versuchte es in der Nachspielzeit nochmal aus der Distanz - Gekas war zur Stelle. Athen spielte das Ergebnis routiniert herunter, ließ Ball und Gegner laufen. Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft trotzdem mit Applaus. Es war kein enttäuschender Abend - eher einer, an dem man merkte, dass Talent zwar elektrisiert, Erfahrung aber Punkte bringt. "Ich bin stolz auf die Jungs", betonte Simpson zum Schluss, während im Hintergrund die Flutlichtmasten langsam erloschen. "Wenn man mit fünf 17-Jährigen gegen eine Mannschaft wie AEL Athen spielt und die Zuschauer trotzdem jubeln, dann macht man etwas richtig." Athen-Kapitän Repnew sah das naturgemäß anders: "Wir wollten einfach zeigen, dass wir nach der Winterpause wach sind. Und ehrlich - das war mit diesen jungen Wilden gar nicht so leicht." Die Statistik unterstreicht das: Alexandroupoli gewann zwar leicht den Ballbesitz, verlor aber die Zweikämpfe knapp (48,6 zu 51,4 Prozent). Es waren die kleinen Momente, die entschieden - und zwei davon gehörten den Gästen. Und so bleibt aus diesem Spiel vor allem ein Satz hängen, den ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Die Jungs von Alexandroupoli werden noch viele verlieren - und genau deshalb bald anfangen zu gewinnen." Ein Satz, den Bart Simpson vermutlich gern gerahmt in die Kabine hängt. 10.04.643987 03:33 |
Sprücheklopfer
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Rudi Assauer