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Altach tanzt, Wels stolpert - ein 3:1 mit Schachmatt-Effekt

Jose Raul Capablanca, der Trainer des FC Altach, hat schon immer ein Faible für Strategie. Kein Wunder, trägt er doch den Namen eines legendären Schachweltmeisters. Und an diesem 5. Spieltag der 1. Liga Österreich ließ er sein Team gegen Austria Wels eine Partie spielen, die eher an einen Mattangriff als an ein Fußballspiel erinnerte. Nach 90 unterhaltsamen Minuten hieß es vor 28 461 Zuschauern im Altacher Stadion: 3:1 (1:1) für die Hausherren - ein Ergebnis, das so verdient war wie ein warmer Tee nach einem Wintertraining.

Dabei begann alles so, wie sich Capablanca es wohl in seinem Notizbuch skizziert hatte: Angriff von der ersten Sekunde an. Schon in der 2. Minute prüfte Massimiliano Saracena den Welser Keeper Dieter Foerster, und zwei Minuten später klingelte es dann tatsächlich. Ari Peltonen, der finnische Flügelstürmer mit dem Temperament eines Espresso doppio, traf nach Vorlage von Innenverteidiger Rui Tiago - ja, richtig gelesen: der Innenverteidiger als Assistgeber. "Ich wollte eigentlich nur klären", grinste Tiago später, "aber Ari hat das als Pass verstanden. Kommunikation auf finnisch-portugiesisch funktioniert eben."

Austria Wels war da noch im Schlafmodus, fand dann aber langsam ins Spiel. Nach einer Gelben Karte für Linksverteidiger Adriano Manuel (26.) und einem energischen Weckruf von der Seitenlinie - Trainer Großvater Dragon brüllte: "Bewegt euch, oder ich bringe meine Enkel rein!" - kam tatsächlich der Ausgleich. In der 34. Minute setzte sich Janis Haase auf links durch, flankte mit chirurgischer Präzision, und der 19-jährige Olav Schröder köpfte zum 1:1 ein. "Mein erstes Tor in der Liga - schade, dass es am Ende nichts gebracht hat", seufzte der junge Welser später, während Capablanca auf der anderen Seite nur trocken meinte: "Ein kleiner Fehler in der Eröffnung, aber wir haben schnell rochiert."

Die Halbzeit kam gerade recht, um durchzuschnaufen - jedenfalls für Wels. Altach hatte zu diesem Zeitpunkt 10 Torschüsse zu verzeichnen, Wels 2. Der Ballbesitz sprach mit 56 Prozent ebenfalls für die Gastgeber, und wer im Stadion war, wusste: Hier spielt nur eine Mannschaft wirklich Fußball.

Nach dem Seitenwechsel ging’s weiter wie zuvor. Wels wechselte jung und wild - Claude Beauvilliers (18) kam für Benjamin Bock, kurz darauf Guy Bettencourt (ebenfalls 18) für Max Thomas. "Wir wollten frischen Wind bringen", erklärte Dragon. "Leider war’s eher ein laues Lüftchen." Denn kaum hatte sich die neue Generation sortiert, schlug Altach wieder zu.

In der 60. Minute kam Roland Ivana für den müde gelaufenen Saracena - und brauchte genau null Eingewöhnung. Kaum auf dem Feld, verwandelte er eine perfekte Flanke von Radostin Asparuchow zum 2:1. "Ich hab’ noch gar nicht geschnallt, dass ich eingewechselt bin, da war der Ball schon im Tor", lachte Ivana nach dem Spiel.

Nur sieben Minuten später war es wieder Asparuchow, der die Vorlage gab, diesmal auf Nikola Basta. Der zentrale Mittelfeldspieler zog aus gut 20 Metern ab, der Ball flatterte leicht - und plötzlich stand es 3:1. Foerster flog, aber mehr der Form halber. Basta breitete die Arme aus wie ein Flugzeug, während Capablanca an der Seitenlinie nur nickte - das war der Moment, in dem Schach zur Kunst wurde.

Von da an verwaltete Altach das Spiel mit der Ruhe eines Teams, das seine Figuren perfekt positioniert hat. 18 Torschüsse, 56 Prozent Ballbesitz und ein sicheres Pressing in den letzten Minuten - das war kein Zufall. Wels kam nur noch sporadisch vor das Tor, meist per Verzweiflungsball. Großvater Dragon nahm es mit Galgenhumor: "Wir hatten einen Plan. Leider war Altach nicht eingeweiht."

In der 89. Minute setzte Aleksandar Drulic noch einen sehenswerten Schuss über die Latte, begleitet vom kollektiven Raunen der Fans. Es blieb beim 3:1 - ein Ergebnis, das so klar war wie die Rollenverteilung an diesem Abend.

"Wir haben mutig gespielt, mit Struktur und Idee", erklärte Capablanca später auf der Pressekonferenz. "Wels hat uns gefordert, aber am Ende war’s ein strategisch sauberer Sieg." Neben ihm grinste Ivana: "Ich sag’s mal so - der Trainer spielt Schach, wir spielen Fußball, und heute hat beides funktioniert."

Ein Satz, den man sich merken sollte. Denn wenn der FC Altach weiter so auftritt, könnte Capablanca’s Team bald nicht nur auf dem Schachbrett, sondern auch in der Liga zum Matt für viele Gegner werden.

Und Wels? Die fahren heim mit dem Gefühl, ordentlich Lehrgeld bezahlt zu haben - und mit einem Trainer, der vermutlich schon auf der Rückfahrt die nächsten "Züge" plant.

06.03.643987 09:29
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Ich kann nicht sagen, dass ich es nicht gesagt habe, weil ich es gesagt habe.
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