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31728 Zuschauer im Estadio Municipal rieben sich am Dienstagabend verwundert die Augen: Ihr CD Cerrense hatte 60 Prozent Ballbesitz, spielte gefällig, passte, kombinierte - und verlor am Ende trotzdem deutlich mit 1:3 gegen den frech aufspielenden CA Alto Peru. "Manchmal ist Fußball eben kein Schönheitswettbewerb", grinste Gästetrainer Daniel Düsentrieb nach dem Schlusspfiff, "sondern ein Wettrennen darum, wer den Ball öfter ins Netz bekommt." Die erste Halbzeit begann mit einem Paukenschlag: Schon nach zwei Minuten sah Alto-Perus Flügelflitzer Pol Bauza Gelb - offenbar hatte er vergessen, dass Grätschen kein olympisches Sprungdisziplin ist. Cerrense übernahm daraufhin die Spielkontrolle, ließ den Ball zirkulieren, während die Gäste auf Konter lauerten. Und genau einer dieser Konter saß: In der 35. Minute entwischte Jose Corona der Cerrense-Abwehr, nahm den Pass von Sergio Morais mit der Brust an und schlenzte den Ball eiskalt ins lange Eck. Torwart Thierry Benveniste streckte sich vergeblich - 0:1. Trainer Leahcim Gnipeur war außer sich. "Wir hatten sie eigentlich im Griff", knurrte er später. "Und dann reicht ein einziger Ballverlust, und du schaust zu, wie Corona deinen Abend ruiniert." Nach dem Seitenwechsel stellte Cerrense um, erhöhte Einsatz und Aggressivität. Man roch förmlich den Willen, das Spiel zu drehen. In der 60. Minute endlich der verdiente Ausgleich: Rechtsaußen Sean MacPhee setzte sich auf der Linie durch, flankte butterweich in den Strafraum - und Kay Schäfer köpfte wuchtig zum 1:1 ein. Das Stadion explodierte, und selbst die Sitzkissen auf der Haupttribüne sprangen kurz in die Höhe. Doch die Euphorie währte ganze zwölf Minuten. Dann holte sich Cerrenses Rechtsverteidiger Alejandro Nani innerhalb von nur drei Minuten erst Gelb und dann Gelb-Rot ab - offenbar inspiriert von einem Wrestlingabend im Pay-TV. Ab da kippte das Spiel. "Das war der Knackpunkt", seufzte MacPhee. "In Unterzahl gegen diese jungen Wilden - das ist, als würdest du versuchen, einen Tornado mit einem Regenschirm aufzuhalten." Und die Wilden kamen. In der 81. Minute bediente der eingewechselte Xabier Botin den 19-jährigen Nael Pacos, der mit einem trockenen Linksschuss aus 16 Metern das 2:1 erzielte. Während Düsentrieb an der Seitenlinie jubelnd in die Luft sprang, sank Gnipeur auf seiner Bank zusammen, als hätte man ihm den Kaffee weggenommen. Cerrense warf in der Schlussphase alles nach vorn - oder das, was nach 90 Minuten und einem Mann weniger noch übrig war. Doch statt des Ausgleichs fiel die Entscheidung: Der ebenfalls 19-jährige Miguel Izquierdo vollendete in der Nachspielzeit einen perfekten Konter über Pacos zum 3:1. "Ich hab nur gedacht: Lauf, Nael, lauf", lachte Izquierdo nach dem Spiel. "Er hat’s getan - und mir den Ball genau auf den Fuß gelegt." Die Zahlen erzählten danach eine fast surreale Geschichte: Cerrense mit 60 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüssen, aber nur einem Tor. Alto Peru mit weniger Ballkontrolle, dafür 16 Abschlüssen und gnadenloser Effizienz. "Ballbesitz gewinnt keine Spiele, Tore schon", murmelte Düsentrieb in Richtung Presse, bevor er in der Kabine verschwand - vermutlich, um dort die nächste mathematische Formel zum Sieg zu entwerfen. Für Cerrense bleibt die Erkenntnis, dass Dominanz ohne Durchschlagskraft wenig wert ist. Trainer Gnipeur fasste es mit bitterem Humor zusammen: "Wir haben gespielt wie ein Orchester ohne Dirigent. Viel Klang, keine Melodie." Alto Peru dagegen feierte ausgelassen. Die jungen Gesichter - Corona, Pacos, Izquierdo - strahlten wie nach einem bestandenen Examen. Der jüngste Torschütze, Izquierdo, wurde gefragt, ob er nervös gewesen sei. "Ein bisschen", gab er zu, "aber als der Ball reinflog, dachte ich: Vielleicht ist das gar nicht so schwer, Profi zu sein." Man darf gespannt sein, wie weit diese jugendliche Unbekümmertheit die Mannschaft noch trägt. Wenn sie weiter so eiskalt zuschlagen, dürfte der Rest der Liga bald nervös auf die Tabelle schielen. Und Cerrense? Die dürfen sich trösten - mit dem Wissen, dass sie zumindest den schöneren Fußball gespielt haben. Nur eben nicht den erfolgreicheren. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen trocken meinte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Unentschieden im Herzen, aber leider nicht auf der Anzeigetafel." 16.11.643987 03:53 |
Sprücheklopfer
Wer jetzt noch von der Meisterschaft spricht, der muß ein Diplom von der Tanzschule für Traumtänzer kriegen.
Rainer Calmund