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Es war ein kalter Januarabend im kleinen Stadion von Naro-Fominsk, aber auf dem Rasen brannte schon nach wenigen Minuten die Luft. Anzhi Makhachkala kam, sah und traf - zweimal in den ersten acht Minuten. Am Ende hieß es 0:2 (0:2) aus Sicht des FK Naro-Fominsk, und das war noch schmeichelhaft. Kaum hatten sich die 9000 Zuschauer mit Sonnenblumenkernen und Hoffnung eingedeckt, rappelte es schon im Netz: In der 6. Minute schlug Gudmund Nelsen zu. Der junge Isländer mit dem Gesicht eines Chorknaben, aber dem linken Fuß eines Vorschlaghammers, nahm einen Abpraller auf und drosch den Ball in die lange Ecke. Torwart Saweli Polupanow sah dem Geschoss hinterher und schien zu denken: "Na gut, das war wenigstens schön anzusehen." Zwei Minuten später war das Chaos perfekt. Marco Pinto, der quirlig-muskulöse Mittelstürmer der Gäste, vollendete nach schöner Vorarbeit von Agustin Obregon zum 0:2. Der Argentinier hatte zuvor elegant den Ball über zwei Naro-Verteidiger gelupft, als wollte er ihnen eine Lektion in südamerikanischer Lässigkeit erteilen. Pinto grinste danach in Richtung der Heimkurve: "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert." Trainer Leo Linke an der Seitenlinie hielt sich da noch tapfer. "Wir wollten stabil stehen", erklärte er später. "Leider standen wir, aber stabil war es nicht." Seine Mannschaft hatte zwar mehr Ballbesitz (52 Prozent), aber was nützt das, wenn der Gegner mit jedem Angriff gefährlicher wirkt als ein Moskauer Winter ohne Heizung. Anzhi schoss zehnmal aufs Tor, Naro-Fominsk brachte es auf ganze drei Versuche - zwei davon aus der Distanz, einer in die Arme des Torwarts. Ab der zwanzigsten Minute fingen die Gastgeber sich langsam, als hätte jemand den Wecker gestellt. Vadim Groschew prüfte Anzhi-Keeper Levi Sahar mit einem satten Schuss von rechts außen (20.), und auch Routinier Max Wirth versuchte es später mit einem Freistoß (65.), der immerhin den Fangzaun zittern ließ. Doch ansonsten blieb Naro-Fominsk offensiv so harmlos wie ein Kätzchen auf Valium. Anzhi dagegen spielte weiter schnörkellos und direkt. Kamil Okonski und Nelsen beschäftigten die Abwehr pausenlos, während im Mittelfeld Daniel Meloni die Fäden zog. In der 63. Minute holte sich Innenverteidiger Danilo Grosso die Gelbe Karte ab - ein Foul, das man in Süditalien wohl als "Begrüßung" bezeichnet hätte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", meinte Grosso nach dem Spiel lachend. Nach der Pause verlegte sich Anzhi auf Kontrolle. Trainer Francesco Guidolin hatte offenbar keine Lust auf Nervenkitzel. "Wir haben genug getan", sagte er mit einem zufriedenen Schulterzucken. "Man muss nicht immer Drama spielen." Seine Mannschaft agierte weiter offensiv eingestellt, aber mit der Ruhe eines Teams, das wusste, dass nichts mehr anbrennen würde. Die letzten zwanzig Minuten vergingen, ohne dass Naro-Fominsk noch ernsthaft Gefahr ausstrahlte. Ein paar harmlose Flanken, ein missglückter Fallrückzieher von Alenitschew - das war’s. In der Nachspielzeit humpelte noch Verteidiger Vladislaw Perwuchin vom Platz, ersetzt durch Nicolae Gergely. Ein symbolischer Wechsel: Der Kampf war verloren, jetzt ging es nur noch ums Überstehen. Nach dem Schlusspfiff stand Anzhi in einer Jubeltraube zusammen, während FK Naro-Fominsk enttäuscht in die Kabine schlich. "Wir haben uns nach dem frühen Schock nie richtig erholt", gab Trainer Linke zu. "Manchmal läuft ein Spiel einfach davon - und heute war’s ein Sprintstart ohne Ziellinie." In der Pressekonferenz grinste Anzhi-Coach Guidolin in die Kameras: "Ich habe meinen Spielern gesagt: Wenn ihr früh trefft, könnt ihr euch den zweiten Gang sparen. Sie haben’s wörtlich genommen." Die Statistik unterstreicht das Geschehen: Zehn Torschüsse für Makhachkala, nur drei für die Gastgeber. Mehr Ballbesitz, aber weniger Ideen bei Naro-Fominsk - eine bittere Kombination. Am Ende blieb den Heimfans nur der Trost, dass ihr Team wenigstens nicht komplett auseinanderfiel. Und vielleicht, dass der Glühwein an diesem Abend stärker war als die Abwehr. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen murmelte: "Wenn wir in der achten Minute schon 0:2 hinten liegen, sollten wir das nächste Mal wenigstens später kommen - dann sparen wir uns das Leiden." 29.03.643987 13:58 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt