Noticiero VeneVision
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Aragua FC ringt Atletico Anzoategi nieder - ein Sieg mit Schrammen und Stil

Ein Freitagabend in Maracay, das Stadion fast ausverkauft, 45.993 Zuschauer, die Sonne gerade im Untergehen, und zwei Mannschaften, die sich gegenseitig nichts schenken wollten. Am Ende jubelte Aragua FC über einen 1:0-Sieg gegen Atletico Anzoategi - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Rasen eine ganze Dramaturgie entfaltete: von fliegenden Flanken über ein Traumtor eines Verteidigers bis hin zu einer späten roten Karte, die den Puls aller Beteiligten in astronomische Höhen trieb.

Trainerin Claire Werk, die sonst eher stoisch an der Seitenlinie steht, war nach dem Abpfiff sichtlich bewegt. "Ich habe Adriano schon oft gesagt, dass Linksverteidiger keine Tore schießen sollen - aber bitte, wenn er so trifft, darf er das nächste Mal gleich wieder", grinste sie in Richtung ihres Helden des Abends.

Der Held hieß tatsächlich Adriano Diez. In der 63. Minute, als das Spiel gerade drohte, sich in einer Endlosschleife aus Mittelfeldgeplänkel und halbherzigen Abschlüssen zu verlieren, nahm der 24-Jährige Maß. Nach einem klugen Querpass von Corey Staunton, der auf der rechten Seite wie ein Duracell-Hase unermüdlich rannte, zog Diez aus gut 20 Metern ab - und der Ball schlug unhaltbar im rechten oberen Winkel ein. Torhüter Vilmos Orth von Anzoategi streckte sich vergeblich, und das Stadion explodierte.

"Ich wollte eigentlich flanken", gab Diez später lachend zu. "Aber der Ball hat beschlossen, ein besseres Ziel zu finden."

Bis zu diesem Moment hatte Aragua zwar mehr Torschüsse (am Ende 15 zu 8), aber weniger Ballbesitz (46 zu 54 Prozent). Atletico Anzoategi präsentierte sich kontrolliert, fast schon zu kontrolliert. Trainer Oliver Sutter, ein Mann, der seine Mannschaft gern in taktischer Disziplin schult, wirkte nach dem Spiel ratlos: "Wir hatten den Ball, aber Aragua hatte den Willen. Und manchmal reicht das."

Vor allem in der ersten Halbzeit war dieser Wille noch nicht so recht zu erkennen. Zwar prüfte Silvestre Alcantara bereits in der 17. und 22. Minute den gegnerischen Keeper, doch die Angriffe verpufften. Egil Ali, der Mittelstürmer, schien auf der Suche nach seinem Radar. "Ich hätte heute wahrscheinlich auch aus einem Meter daneben geschossen", gestand er selbstironisch.

Nach der Pause erhöhte Aragua den Druck - Trainerin Werk hatte offenbar die Effort-Taste gedrückt. Die Taktik wanderte von "STANDARD" zu "STRONG", das Pressing wurde forciert, die Zweikämpfe härter. Eine Gelbe Karte für Rechtsverteidiger Paulo Morais in der 62. Minute war der Vorbote für das, was später noch kommen sollte.

Dann kam das Tor - und mit ihm das Chaos. Atletico Anzoategi warf alles nach vorn, während Aragua sich zunehmend auf Konter verlegte. Claire Werk brachte in der 80. Minute den 18-jährigen Mateo Alvaro, um frischen Wind auf der linken Seite zu erzeugen. "Ich hab ihm gesagt: Lauf einfach, Junge. Wenn du den Ball siehst, tu so, als wär’s dein Abschlusszeugnis", erzählte sie mit einem Augenzwinkern.

Die letzten zehn Minuten gerieten zum Nervenkrieg. Anzoategi drückte, schoss, rannte - doch Araguas Torhüter Johann Cartier hielt, was zu halten war. In der 84. Minute musste er gegen Aristidis Fotilas retten, kurz danach faustete er eine Granate von Andres Linares über die Latte. Jeder Abpraller wurde zum kollektiven Aufatmen.

Und dann, kurz vor Schluss, das unschöne Finale: Paulo Morais, bereits verwarnt, grätschte zu spät - Rot in der 89. Minute. "Ich hab den Ball gesehen, aber der Ball hat mich nicht gesehen", soll er später in der Kabine gesagt haben.

Selbst in Unterzahl brachte Aragua das Ergebnis über die Zeit. Als der Schlusspfiff ertönte, fielen Spieler und Trainerin sich in die Arme, während Atletico Anzoategi enttäuscht, aber nicht chancenlos vom Platz schlich.

Die Statistik erzählt eine andere Geschichte als das Ergebnis: Mehr Ballbesitz, mehr Pässe, aber kein Tor für die Gäste. Aragua hingegen zeigte, dass man auch mit kontrolliertem Chaos gewinnen kann - und mit einem Linksverteidiger, der offenbar vergessen hatte, wo seine eigentliche Zone auf dem Feld liegt.

"Das war ein Sieg des Herzens", fasste Claire Werk zusammen. "Und vielleicht ein bisschen Glück. Aber das gehört zum Fußball - sonst wäre es Schach."

Ein leicht sarkastisches Fazit darf erlaubt sein: Wer in Venezuela 2026 auf taktische Finesse und sterile Passquoten setzt, sollte lieber Anzoategi schauen. Wer aber Herz, Kampf und ein bisschen Anarchie mag, der findet bei Aragua FC sein Zuhause.

Am Ende bleibt der Satz, den ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn schon Linksverteidiger treffen, dann weißt du, dass Fußball Magie ist." Und an diesem Abend in Maracay war sie es - ganz bestimmt.

06.03.643987 07:31
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Ich habe immer gesagt, dass ich kein Dauerläufer bin, sonst könnte ich ja gleich beim Marathon starten.
Mario Basler
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