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Es war einer dieser Abende, an denen die Zuschauer im Estadio Roha alles bekamen: Sonne, Spannung, Schweiß - und am Ende den bittersüßen Geschmack einer Niederlage. 39.213 Fans sahen, wie Aragua FC mit einem späten Treffer den 2:1-Auswärtssieg sicherte und die Heimmannschaft Estella Roha fassungslos zurückließ. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen - zumindest für die Gastgeber. Trainer Christian Jonack ließ seine Elf gewohnt defensiv ausgerichtet antreten, auf Konter lauernd, mit langen Bällen und robustem Zweikampfverhalten. "Wir wollten kompakt stehen und dann stechen", erklärte Jonack später, während er gequält auf seine Notizen blickte. Doch Aragua FC, unter der Leitung der resoluten Claire Werk, hatte andere Pläne. Ihr Team kam offensiv, über die Flügel, und machte früh Druck. Schon in der dritten Minute prüfte Egil Ali den Torwart Goncalves, der sich mit einer akrobatischen Parade in die Herzen der Heimfans warf. "Ich dachte kurz, der Ball würde mich durchbohren", lachte der Keeper später, "aber wenigstens war’s kein Eigentor!" Das Spiel nahm Fahrt auf: Bernal schoss in der 8. und 13. Minute gleich doppelt auf das Tor von Araguas Schlussmann Johann Cartier, doch der blieb unbeeindruckt. "Ich hab den Ball gesehen, bevor Bernal ihn überhaupt getreten hat", grinste Cartier - eine Aussage, die wohl nur Torhüter-Logik wirklich versteht. In der 38. Minute dann der erste Nadelstich: Felipe Gomez, Araguas Wirbelwind auf der rechten Seite, nutzte einen Pass von Verteidiger Julian Puerta, nahm den Ball mit der Brust an und drosch ihn aus spitzem Winkel ins Netz. 0:1 - und das in einer Phase, in der Estella Roha eigentlich mehr Ballbesitz (56 Prozent) und Kontrolle hatte. Die Fans schimpften, die Trainer gestikulierten, und Gomez rannte jubelnd Richtung Gästeblock. "Ich hab einfach gezielt - und gehofft, dass der Ball nicht im Parkplatz landet", gab er später ehrlich zu. Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag - leider in Rot. In der 49. Minute sah Aristodimos Notara nach einem übermotivierten Einsteigen die glatt Rote Karte. Der 34-jährige Mittelfeldroutinier stapfte vom Platz und murmelte etwas, das wohl nicht druckreif war. "Das war kein Rot, das war Leidenschaft!", verteidigte ihn Kapitän Frechaut, während Coach Jonack beide Hände vors Gesicht schlug. Trotz Unterzahl kam Estella Roha zurück. In der 57. Minute nutzte Francisco Bernal einen perfekten Querpass von Jorge Minambres und schob zum Ausgleich ein. Das Stadion bebte. Selbst die Verkäufer der Empanadas auf der Haupttribüne legten kurz ihre Zangen nieder. "Da dachte ich: Jetzt kippen wir das Ding!", sagte Bernal hinterher - und man glaubte es ihm. Doch das Drehbuch kannte kein Happy End für die Heimischen. Aragua FC wechselte geschickt: Die junge Claire Werk brachte den 18-jährigen Javi Yague, der sich schon bald als Joker des Abends entpuppte. In der 91. Minute, als die Nachspielzeit bereits lief und alle auf den Abpfiff warteten, bekam Gomez erneut den Ball, legte quer - und Yague traf aus vollem Lauf. 1:2, Schluss. Totenstille im Stadion, dann Pfiffe, dann Applaus - für die eigene Mannschaft, die trotz Unterzahl alles gegeben hatte. Trainerin Werk strahlte nach dem Abpfiff: "Wir haben nie aufgehört zu glauben. Und Javi… nun ja, der Junge macht mir langsam Angst - im positiven Sinne." Gomez, der an beiden Toren beteiligt war, grinste nur: "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach laufen. Den Rest hab ich erledigt." Statistisch gesehen war Estella Roha das bessere Team im Ballbesitz, aber Aragua FC hatte mehr Zielstrebigkeit: 14 Torschüsse gegenüber 9, eine bessere Zweikampfquote und das entscheidende Stück Kaltschnäuzigkeit. Während die Gäste feierten, saß Jonack noch lange auf der Bank. "Wir haben gekämpft, wir haben alles probiert. Nur das Glück war heute auf Urlaub." Vielleicht kommt es ja am nächsten Spieltag zurück - und bringt ein bisschen von dem Mut mit, den Aragua FC in den letzten Sekunden bewiesen hat. Denn Fußball, das zeigte dieser Abend wieder einmal, ist kein Spiel der Logik, sondern der Momente. Und manchmal reicht ein Moment - oder ein 18-Jähriger mit einem linken Fuß wie ein Vorschlaghammer - um Geschichte zu schreiben. 17.03.643987 21:33 |
Sprücheklopfer
Ich habe immer gesagt, dass ich niemals nach Österreich wechseln würde.
Jürgen Wegmann auf die Frage, ob er zum FC Basel wechselt