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54059 Zuschauer im Estadio Olímpico von Maracay sahen am 7. Spieltag der 1. Liga Venezuela ein Spiel, das in zwei völlig unterschiedliche Hälften zerfiel. Zur Pause führte Aragua FC noch 1:0, am Ende jubelte jedoch Sporting Petare über ein 4:3, das in seiner Dramatik die Stadionwände erzittern ließ. Dabei hatte alles so verheißungsvoll für das Heimteam begonnen. In der 8. Minute nahm der junge Rumäne Radu Cocis Maß - 20 Jahre, rechter Mittelfeldspieler, Mut für drei - und drosch den Ball mit jugendlicher Unbekümmertheit ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten, weil ich dachte, sonst schimpft Claire wieder", grinste Cocis später in die Mikrofone. Trainerin Claire Werk, sonst nicht für Zärtlichkeiten bekannt, nickte knapp: "So will ich das sehen - keine Angst, keine Rechenaufgabe vorm Tor." Aragua kontrollierte die erste Hälfte weitgehend, 50 Prozent Ballbesitz und acht Torschüsse belegen das, doch wichtig war: Petare wirkte harmlos. Die Gäste aus Caracas kamen kaum durch die dicht gestaffelte Abwehr, und Torhüter Silvestre Herrero hatte mehr damit zu tun, sich die Handschuhe warm zu reiben als Bälle zu fangen. Doch wer in der Halbzeit zu früh jubelte, wurde nach dem Wiederanpfiff brutal aufgeweckt. Ganze 46 Sekunden nach Beginn der zweiten Hälfte rappelte es im Aragua-Tor - Pekka Aaltonen, Petare-Stürmer mit nordischem Namen und südamerikanischem Instinkt, traf nach Vorlage von Archie Rushton. Zwei Minuten später legte Francisco Adao nach, wieder nach Rushton-Vorarbeit. 1:2 - und die Welt stand Kopf. "Ich hab ihnen gesagt, wir spielen weiter offensiv. Offenbar haben sie das zu wörtlich genommen", grollte Claire Werk später mit einem Anflug von Galgenhumor. Ihre Abwehr wirkte in dieser Phase wie in der Mittagspause. Petare roch Blut - und traf erneut: In der 55. Minute belohnte sich Rushton selbst für seine Vorlagenarbeit, schlenzte den Ball nach Zuspiel von Linksverteidiger Hugo Karlson in die Ecke. 3:1 für Petare nach 55 Minuten - das war ein Auftritt mit Donner und Blitz. Und als Aaltonen in der 58. Minute mit seinem zweiten Treffer auf 4:1 erhöhte, war die Bank der Gäste ein einziger Jubelhaufen. Trainer Marcel Skupzig rief "Ruhig bleiben, Jungs!", doch sein breites Grinsen verriet, dass er selbst kaum ruhig bleiben konnte. "Wir wussten, dass Aragua offensiv alles reinwirft. Da entstehen Räume - und Pekka liebt Räume", erklärte Skupzig später mit einem Schulterzucken. Aragua gab sich aber nicht kampflos geschlagen. In der 67. Minute meldete sich der 18-jährige Jose Maria Gontan mit einem satten Schuss zurück - 2:4, Hoffnung flackerte auf. "Ich hab gedacht: Jetzt drehen wir das wieder!", rief Gontan nach dem Spiel, noch mit Grasflecken auf der Stirn. Nur acht Minuten später machte Nelio de Vivar mit einem wuchtigen Linksschuss das 3:4, und plötzlich bebte das Stadion wieder. Die letzten 15 Minuten wurden zu einem wilden Schlagabtausch: Aragua mit vollem Einsatz, aggressiv, Flanken aus allen Winkeln, Petare verteidigte mit allem, was Beine hatte. In der 79. Minute dann Schockmoment - Araguas Rafael Carvalho blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Ersatzmann Adriano Diez übernahm, und Trainerin Werk rief ihm zu: "Geh einfach drauf, schlimmer kann’s nicht werden!" Petare kam kaum noch aus der eigenen Hälfte, doch Keeper Caio Maniche hielt, was zu halten war. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte er lachend. "Aber ich glaub, jeder Ball hat mich ein Jahr älter gemacht." Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe - 50,2 Prozent Ballbesitz für Aragua, 49,8 für Petare. Doch in den entscheidenden Momenten waren die Gäste kaltschnäuziger: 14 Torschüsse, vier Tore. Aragua dagegen traf dreimal bei acht Versuchen - und haderte mit der eigenen Chancenverwertung. Nach Abpfiff standen sich zwei Welten gegenüber: Skupzig feierte mit seinen Spielern ausgelassen vor der Kurve, während Claire Werk in der Pressekonferenz trocken meinte: "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz. Heute waren wir die Pointe." Ein Fan hinter der Trainerbank brachte es auf den Punkt: "So ein Spiel vergisst du nicht - aber du wünschst dir, du könntest." Und wer weiß - vielleicht war dieses 3:4 die bittere Medizin, die Aragua braucht, um in der nächsten Woche wieder gesund zu siegen. Bis dahin bleibt nur: Taschentücher für die Fans, Glückwünsche für Petare - und ein stilles Stoßgebet für die Defensive von Aragua. 29.03.643987 14:12 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe