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Gdynia, Freitagabend, 20:30 Uhr, Flutlicht, 9.500 Zuschauer - und die 2. Liga Polen zeigte, dass sie alles andere als zweite Wahl ist. Sleza Wroclaw entführte mit einem klaren 3:1-Sieg drei Punkte aus Gdynia und ließ die Heimfans mit der ewigen Frage zurück: "Wie konnte das passieren?" Dabei begann es für Arca gar nicht so übel. Schon nach drei Minuten prüfte Marek Wasilewski den Gäste-Keeper Domenik Gadocha mit einem satten Schuss, der allerdings mehr an eine Freundschaftseinladung denn an eine echte Bedrohung erinnerte. "Ich wollte ihn warm schießen", witzelte Wasilewski später. Doch die Gäste hatten andere Pläne. In der 21. Minute kombinierte sich Sleza wie aus dem Lehrbuch durch die Gdynia-Abwehr. Adrian Adamski flankte butterweich auf Grzegorz Jelen, und der traf trocken zum 0:1. "Wir haben das im Training geübt - allerdings mit Hütchen statt Verteidigern", grinste Jelen nach dem Spiel. Arca reagierte wütend, fast trotzig. Die Hausherren drückten, schossen, rannten - und wurden in Minute 32 belohnt: Aitor Jordao, der rechte Wirbelwind, verwandelte nach feiner Vorarbeit von Wasilewski zum 1:1. Das Stadion tobte, Bierbecher flogen, und Trainerbank wie Tribüne witterten die Wende. Doch wer dachte, das Momentum sei nun auf Seiten der Hausherren, kannte Sleza Wroclaw schlecht. Noch vor der Pause, in der 43. Minute, schlug der 25-jährige Stanislaw Nawalka eiskalt zu. Nach einem cleveren Zuspiel von Mateusz Piechaczek nagelte er den Ball aus 16 Metern unter die Latte - 1:2. "Ich habe gar nicht nachgedacht", sagte Nawalka danach verschmitzt. "Das hilft manchmal." Mit diesem Rückstand ging’s in die Kabine, wo Arca-Coach - dessen Name die Vereinsleitung geheim hielt, vielleicht aus Selbstschutz - offenbar die große Motivationskeule auspackte. Die Mannschaft kam mit offensiver Grundordnung zurück, aber mit wenig Fortune. Zwar hatte Arca 50,5 Prozent Ballbesitz und acht Schüsse aufs Tor, doch was sind Zahlen gegen Effizienz? Sleza blieb eiskalt wie ein sibirischer Februar. In der 62. Minute kombinierten sich Grzegorz Mila und der überragende Adamski durch die müde gewordene Defensive. Adamski blieb cool und schob zum 1:3 ein - die Entscheidung. "Ich hab einfach gemacht, was der Trainer geschrien hat", meinte der Torschütze. "Oder zumindest das, was ich verstanden habe - Andy Larkins Englisch ist manchmal… kreativ." Trainer Larkin selbst zeigte sich nach dem Spiel zufrieden und britisch trocken: "We played good football. The boys listened - most of the time." Danach griff er zum Pappbecher mit Tee und verschwand in die Kabine, als wäre nichts gewesen. Arca Gdynia dagegen hatte zu knabbern. Kapitän Nico Henning suchte nach Worten: "Wir wollten, wir kämpften, aber der Ball wollte nicht rein. Vielleicht war das Tor zu klein." Sein Mitspieler Zbigniew Bak, der in der 82. Minute für ein hartes Einsteigen Gelb sah, murmelte: "Wenn schon keine Punkte, dann wenigstens Farbe auf der Karte." Das Publikum honorierte den Einsatz, auch wenn die Pfiffe lauter wurden, als der Schlusspfiff ertönte. Die Statistik sprach eine klare Sprache: Sleza 13 Torschüsse, Arca 8. Tacklingquote 53 gegen 47 Prozent - kleine Unterschiede, die große Wirkung zeigen. In den Schlussminuten versuchte Gdynia alles: Offensive, lange Bälle, Stoßgebete Richtung Himmel. Selbst Torwart Slatko Borimirow schien kurz davor, bei einer Ecke mit nach vorne zu gehen. Doch der Ball wollte nicht mehr hören. Sleza Wroclaw steht nach diesem Auswärtserfolg in der oberen Tabellenhälfte und kann vom Aufstieg träumen, während Arca Gdynia sich in Selbstreflexion übt. "Wir müssen wieder lernen, schmutzig zu gewinnen", sagte Trainer Larkin mit einem Grinsen, das andeutete, dass er genau das seinen Jungs beigebracht hat. Und so endete ein Spiel, das alles bot - nur keine Spannung im Ergebnis. Drei Tore der Gäste, ein schöner Ehrentreffer, zwei gelbe Karten und viele ratlose Gesichter in Gelb-Blau. Vielleicht bringt die nächste Woche Besserung für Arca. Oder zumindest neue Ausreden. Sleza dagegen nimmt drei Punkte mit nach Wroclaw - und wahrscheinlich auch ein paar neue Fans. Denn wer so cool kontert, so schnörkellos trifft und dabei noch charmant lächelt, der darf ruhig ein bisschen tanzen - den Dreier-Tango von Gdynia. 27.10.643990 16:17 |
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