Tuttosport
+++ Sportzeitung für Italien +++

AS Trieste stolpert - Rodengo Saiano siegt mit jugendlicher Frechheit

Triest - 6500 Zuschauer hatten sich an diesem frostigen Februarabend im Stadio Nereo Rocco eingefunden, um ihre AS Trieste zum ersten Heimsieg der Saison zu peitschen. Am Ende gingen sie mit kalten Händen und leicht erhitzten Gemütern nach Hause: 1:2 hieß es nach 90 umkämpften Minuten gegen den frech aufspielenden Aufsteiger Rodengo Saiano.

Die Gäste legten los, als wollten sie dem Publikum gleich klarmachen, dass sie keine Touristen sind. Bereits nach zehn Minuten zappelte der Ball im Netz - und das ausgerechnet nach einem Eckball, der eigentlich harmlos wirkte. Innenverteidiger Federico Di Paolo stieg am höchsten und köpfte wuchtig ein. "Ich wollte eigentlich nur stören", grinste der sonst eher zurückhaltende Abwehrhüne später, "aber plötzlich lag der Ball da, und ich dachte: warum nicht?"

Trieste wirkte überrascht, fast beleidigt. Doch statt einer Antwort kam prompt die nächste kalte Dusche: In der 30. Minute schickte Linksverteidiger Lorenzo Montegiordano den flinken Gaetano Uffugo steil. Der 19-Jährige ließ Triestes Verteidigung stehen wie Parkuhren und schob eiskalt zum 0:2 ein. "Er ist noch grün hinter den Ohren", lobte Trainer Jan Beyer mit einem Augenzwinkern, "aber manchmal hilft genau das - er denkt nicht nach, er rennt einfach."

Das Publikum begann zu murren, und mancher rief Richtung Trainerbank der Triestini: "Etwas mehr Offensive wäre schön!" Doch die Statistik sprach Bände: 17 Torschüsse für Rodengo, nur vier für die Heimmannschaft - und das, obwohl Trieste mit fast 47 Prozent Ballbesitz gar nicht so passiv wirkte. Der Unterschied lag im Mut. Während die Gäste unerschrocken nach vorne spielten, wirkte Trieste wie ein Team, das auf eine Eingebung wartete.

Nach dem Seitenwechsel kam dann jene Szene, die das Spiel endgültig auf den Kopf stellte. In der 48. Minute sah Innenverteidiger Riccardo Vincenzo nach einem überharten Einsteigen die Rote Karte. "Ich habe den Ball gespielt", schimpfte er beim Abgang, "aber der Schiedsrichter hat wohl ein anderes Spiel gesehen." Die Proteste halfen nichts - Trieste musste fortan zu zehnt auskommen.

Ironischerweise war es genau diese Unterzahl, die das Team wachrüttelte. In der 70. Minute endlich ein Lebenszeichen: Alberto Lorusso setzte sich auf links durch und flankte butterweich auf Pau Mocana, der per Volleyschuss zum 1:2 traf. Das Stadion erwachte aus seiner Lethargie, und plötzlich roch es nach einem Comeback. "Wir dachten, jetzt brennt’s", gab Gästetorwart Luigi Nicola später lachend zu. "Aber dann haben sie lieber diskutiert, als weiterzuspielen."

Trieste kämpfte, biss, und als sich in der 67. Minute auch noch Fabrizio Scigliano verletzte und durch den erfahrenen Jakub Cyron ersetzt werden musste, schien sich das Schicksal endgültig gegen sie verschworen zu haben. Trainer der Triestini - der sich nach der Partie zu keinem klaren Statement durchringen wollte - stand konsterniert an der Linie. Ein Assistent verriet: "Er hat in der Halbzeit gesagt, wir sollen ruhig bleiben. Nach dem Platzverweis hat er nur noch ’Macht irgendwas!’ gerufen."

Rodengo hingegen verwaltete den Vorsprung clever, ja fast überreif für so eine junge Truppe. Die Einwechslungen von Lorenzo Cerva und Niccolo Gasser zur Pause stabilisierten das Mittelfeld, während vorne der unermüdliche Uffugo weiter für Gefahr sorgte. In der Nachspielzeit durfte dann auch Routinier Antonio Cocco noch ein paar Minuten ran - vermutlich, um die Uhr herunterzuticken.

Am Ende stand ein verdienter Sieg für Rodengo Saiano - zumindest, wenn man nach Chancen und Entschlossenheit urteilt. Beyer zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir wissen, dass wir jung sind. Manchmal ist das gut, manchmal gefährlich. Heute war’s gut."

Für Trieste dagegen bleibt die Frage, wie man mit viel Ballbesitz und wenig Mut Spiele gewinnen will. Pau Mocana, der Torschütze, brachte es auf den Punkt: "Wir haben gespielt wie ein Orchester ohne Dirigent - jeder wollte schön klingen, aber keiner gab den Takt an."

Vielleicht war’s nur ein schlechter Abend, vielleicht ein schlechtes Omen. Sicher ist: Wenn Trieste weiter so schläfrig in die ersten Halbzeiten geht, wird der Kaffee in der Kabine bald stärker dosiert werden müssen. Rodengo dagegen darf mit breiter Brust auf die nächsten Wochen schauen - und vielleicht sogar heimlich vom oberen Tabellendrittel träumen.

Ein lauer Abend, ein roter Karton, ein aufmüpfiger Teenager mit Torinstinkt - Fußball kann grausam sein, aber manchmal ist er einfach ehrlich.

22.06.643990 03:12
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wenn wir am Samstag, sagen wir mal 17:20 Uhr, Deutscher Meister sind, dann können wir feiern bis zur Kreislaufstörung.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager