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Ein kalter Januarabend, 50.585 Zuschauer im Stadio Franco Ossola - und ein Spiel, das niemanden wirklich kalt ließ. AS Varese gewann am 5. Spieltag der 1. Liga Italien mit 3:2 gegen US Cittadella, ein Ergebnis, das so eng war wie der Mantel von Trainer Georg Wagner an der Seitenlinie. "Ich hab’ geschwitzt - aber nicht wegen des Wetters", grinste er nach dem Schlusspfiff. Das Spiel begann so, wie man es als Heimtrainer eigentlich nicht haben will: Nach nur fünf Minuten stand es 0:1. Cittadellas junger Stürmer Amaury Brito, erst 20, traf nach schöner Vorarbeit von Routinier Lennard Stoll. Der Treffer war so präzise, dass Vareses Torwart Jyrki Kuqi wohl noch beim Abendessen nachdachte, ob er den Ball hätte riechen können. Wagner schüttelte nur den Kopf: "So fängt man kein Heimspiel an - außer man will die Fans früh aufwecken." Doch Varese zeigte Reaktion. Nach einer guten halben Stunde (29.) zirkelte Andrea Ferrando den Ball, nach Pass von Brandon Matthieu, ins lange Eck. Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem Ferrando die Hauptrolle spielte. "Ich wollte einfach nicht, dass meine Mutter wieder sagt, ich sei im Fernsehen nur beim Einlaufen zu sehen", witzelte der Stürmer später. Kurz vor der Pause (44.) drehte Joseph Schuster die Partie. Der bullige Mittelstürmer wuchtete einen Kopfball nach Flanke des Innenverteidigers Dimas Adao ins Netz - Adao hatte zuvor Gelb gesehen, offenbar als Vorbereitung für ein emotionales Assist-Erlebnis. "Ich hab’ ihm gesagt: Wenn du schon Karten sammelst, dann wenigstens mit Vorlage", kicherte Schuster. 2:1 zur Pause, und die Zuschauer atmeten auf - zu früh. Gleich nach Wiederanpfiff (47.) schlug Cittadella zurück. Alexander Albrecht verwertete eine Flanke von Linksverteidiger Kusma Simin eiskalt. Der 32-Jährige rannte jubelnd zur Eckfahne, während Trainer Michael Schuller an der Linie schrie: "Siehst du, Balance im Angriff heißt nicht Langeweile!" Doch Varese hatte noch einen Pfeil im Köcher, genauer gesagt: einen Ferrando. In der 52. Minute war der Rechtsaußen nach Vorarbeit von Marco Andrade erneut zur Stelle und traf zum 3:2. Das Stadion bebte, Ferrando breitete die Arme aus, als wolle er gleich abheben. "Ich dachte, jetzt fliegt er wirklich", meinte ein Mitarbeiter des Stadionsicherheitsdienstes trocken. Danach wurde das Spiel ruppiger. Brito sah in der 75. Minute Gelb, der junge Simin folgte drei Minuten später - beide Male nach "körperbetonter" Interpretation des Begriffs Zweikampf. "Wir wollten zeigen, dass wir da sind", rechtfertigte Schuller später, "nicht, dass wir Möbelpacker sind." Statistisch gesehen hatte Cittadella die Nase vorn: 15 zu 9 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote. Aber Fußball ist bekanntlich die Kunst, Ungerechtigkeit in Jubel zu verwandeln. Und Varese war an diesem Abend schlicht effizienter - oder, wie Trainer Wagner es formulierte: "Wir haben die Chancen genutzt, weil wir keine Lust hatten, sie zu bereuen." Die Schlussphase brachte noch einige Wechsel: Andrade ging unter Applaus, Youngster Luigi Russo durfte ran (65.), und in der 85. Minute verließ Doppeltorschütze Ferrando das Feld - begleitet von stehenden Ovationen. "Ich wollte eigentlich bleiben", sagte er, "aber der Trainer meinte, zwei Tore reichen für heute. Ich hoffe, er hat recht." Cittadella drückte in den letzten Minuten verzweifelt. Zwischen der 79. und 91. Minute feuerten sie noch fünfmal auf das Tor - doch Kuqi hielt, was zu halten war. Der letzte Schuss kam in der Nachspielzeit von Albrecht, wieder gefährlich, wieder zu zentral. Kuqi fing den Ball und lächelte. "Ich hab’ ihn diesmal gerochen", soll er gesagt haben. Als der Schlusspfiff ertönte, ballte Wagner die Faust, während Schuller die Hände in die Taschen steckte. "So ist Fußball", murmelte der Cittadella-Coach, "manchmal gewinnt eben der, der weniger falsch macht." Ein Spiel voller Tempo, Emotionen und kleiner Dramen. Varese bleibt damit im oberen Tabellendrittel, während Cittadella trotz couragierter Leistung mit leeren Händen dasteht. Und irgendwo im Varese-Nachtleben hörte man später Ferrando sagen: "Zwei Tore? Ich hätte fast ein drittes gemacht - aber dann hätte ich morgen Interviews geben müssen." Ein Satz, der den Abend perfekt beschreibt: effizient, ehrlich und mit einem Augenzwinkern. 06.03.643987 10:25 |
Sprücheklopfer
He, Brrrand, du - du bist doch bolitisch, bist du doch, du Grüner, machst auf sozial und hetzt hier den Schirri gegen uns auf.
Lothar Matthäus im Pokalhalbfinale Bayern gegen Rostock zu Christian Brand: