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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 3000 Zuschauer - und eine Aschaffenburger Mannschaft, die so spielfreudig auftrat, als hätte sie den Frühling schon gefunden. Beim 3:1 (2:1) gegen den SV Linx zeigte die Elf von Trainer Tesco Toni, dass Offensivgeist keine Altersfrage ist. Gleich drei Spieler unter 20 standen in der Startelf, zwei davon waren an allen Toren beteiligt. Schon in der 13. Minute zappelte der Ball im Netz. Peter Rau, der pfeilschnelle Rechtsaußen, traf nach einem feinen Zuspiel des 17-jährigen Christian Leech. Der Jubel war so laut, dass selbst der Linienrichter kurz den Faden verlor. "Ich hab nur den Schatten des Balls gesehen - und dann war er auch schon drin", grinste Leech nach dem Spiel. Doch Linx ließ sich nicht lange bitten. Fünf Minuten später konterten die Gäste blitzschnell. Andreas Menzel, ebenfalls erst 17, flankte präzise auf Carsten Vollmer, der aus halblinker Position trocken zum Ausgleich einschob. 1:1 - und plötzlich lag Spannung über dem Stadion. "Da haben wir kurz geschlafen", brummte Aschaffenburgs Coach Toni und zupfte an seinem Trainingsjacken-Reißverschluss, als wolle er das Spiel selbst wieder zusammenziehen. Das Aufwachen dauerte aber nicht lange. In der 32. Minute war es der quirlig-agile Ferenc Borbas, der nach Vorarbeit des wieder stark aufspielenden Leech den Ball wuchtig ins rechte Eck drosch. 2:1 - und diesmal blieb die Führung bestehen. Linx rannte an, fand aber kaum Lücken gegen eine kompakte Abwehr um Sebastian Hess. Zur Pause wechselte Toni - nicht, weil er musste, sondern weil er konnte. Rechtsverteidiger Martin Grindheim durfte duschen, der 18-jährige Noah Linney übernahm. Auf der Gegenseite reagierte Michal Dickschat, der Trainer des SV Linx, taktisch: Er brachte den jungen Eduardo Henrico für den glücklosen Linus Schmitt. "Wir wollten offensiver werden", erklärte er später, "aber Aschaffenburgs Jungs hatten einfach mehr Biss - und offenbar auch mehr Spaß." Direkt nach Wiederanpfiff setzte es dann den entscheidenden Nadelstich: Minute 47, Laszlo Zsengeller, erst 19, traf zum 3:1. Die Vorlage kam - natürlich - von Borbas. Ein Treffer, der die Partie praktisch entschied. "Ich hab gar nicht überlegt", erzählte Zsengeller später mit einem Lächeln, "ich hab einfach draufgehauen. Wenn man jung ist, macht man das halt." Danach war es ein Spiel, das Aschaffenburg kontrollierte - 53,6 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse, und meist das Heft in der Hand. Linx versuchte es zwar mit mehr Pressing, besonders in der Schlussphase, doch außer einer harmlosen Szene von Johannes Urban in der 85. Minute sprang nichts mehr heraus. Als Mark Fritsch in der Nachspielzeit noch Gelb sah, war das sinnbildlich: viel Einsatz, wenig Ertrag. Die Statistik sprach eine klare Sprache: 16:8 Torschüsse, 53 Prozent Ballbesitz, mehr gewonnene Zweikämpfe - Aschaffenburg war in fast allen Belangen überlegen. Nur bei der Lautstärke konnte Linx mithalten, vor allem ihr Trainer Dickschat, der seine Abwehr mehrfach lautstark sortierte: "Hinten bleiben! Nein, nicht alle!" - ein Satz, der irgendwo zwischen Verzweiflung und Komödie lag. Ein bitterer Moment kam in der 75. Minute, als Linx-Torschütze Vollmer verletzt vom Feld musste. Für ihn kam der 18-jährige Ralph Konrad, der zwar bemüht war, aber kaum Akzente setzen konnte. Nach dem Schlusspfiff fasste Aschaffenburgs Coach Toni das Spiel gewohnt trocken zusammen: "Wir haben jung gespielt, schnell gespielt, gut gespielt. Und wenn man mehr Tore schießt, gewinnt man meistens." Michal Dickschat sah das naturgemäß etwas anders: "Wir wollten mutig sein, aber Aschaffenburg war einfach einen Schritt frischer. Vielleicht hätten wir auch ein bisschen weniger nett sein sollen." So bleibt Aschaffenburg auf Kurs in der Regionalliga A, während Linx weiter im unteren Mittelfeld feststeckt. Die Fans der Gastgeber verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus, ein paar Kinder kletterten über die Bande, um Selfies mit Leech und Zsengeller zu ergattern - Jugend zieht eben. Und irgendwo auf der Pressetribüne schrieb einer in sein Notizbuch: "Wenn Aschaffenburg so weitermacht, wird’s eng für die anderen." Recht hat er. Denn an diesem Abend war nicht nur das Ergebnis eindeutig - sondern auch, wer in dieser Liga derzeit den frischeren Fußball spielt. 21.03.643990 10:20 |
Sprücheklopfer
Es war von vornherein klar, dass Leverkusen die stärkere Mannschaft ist. Wir haben derzeit niemanden, der gegen Neuville hätte spielen können - außer mir vielleicht.
Felix Magath