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30114 Zuschauer sahen an diesem kühlen Januarabend in Salzburg ein Spiel, das weniger nach Winterpause, sondern nach hartem Arbeitstag roch: Schweiß, Kratzer, ein Tor - und ein Hauch von Ironie. Am Ende gewann der ASK Salzburg mit 1:0 gegen tapfere, aber harmlose Rankweiler, die viel vorhatten und wenig zustande brachten. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, wohin die Reise gehen sollte. Salzburg, taktisch defensiv eingestellt, aber mit klarer Struktur, schob Ball und Gegner geduldig hin und her. Der FC Rankweil dagegen lief - meist hinterher. "Wir wollten offensiv auftreten", erklärte Trainer Freddie Fridolin nach dem Spiel, "aber die Jungs haben wohl das Wort ’offensiv’ mit ’optimistisch’ verwechselt." Die Statistik spricht Bände: 17 Torschüsse für die Hausherren, nur drei für die Gäste. Ballbesitz? 56 zu 44 Prozent - eine Zahl, die den Eindruck bestätigt, dass Salzburg zwar nicht zauberte, aber solide dominierte. Der entscheidende Moment kam in der 38. Minute: Charles Densham, der unermüdliche Mittelfeldmotor, fasste sich nach einem klugen Zuspiel von Enrique de Almeida ein Herz und zog aus gut 20 Metern ab. Der Ball flog, als hätte er sich in den Kopf gesetzt, nie wieder gebremst zu werden - und schlug unhaltbar im langen Eck ein. "Ich hab einfach draufgehalten. Vielleicht war’s Glück, vielleicht Physik", grinste Densham später, während er mit einem Handtuch um die Schultern durch die Mixed Zone schlenderte. Noch vor der Pause wurde’s kurz ruppig: Innenverteidiger Gerhard Hess sah Gelb, nachdem er bei einem beherzten Zweikampf wohl mehr Rasen als Ball getroffen hatte. "Er hat mich leicht gestreift", meinte Rankweils Flügelflitzer Niclas Korn mit einem Schmunzeln - "aber ich werde überleben." In der Halbzeit reagierte Salzburgs Trainer Andreas Schuntner mit gleich zwei Wechseln: Der junge Ernst Meissner kam für den routinierten Xavier Aguas, und Rechtsverteidiger Joao Fernandez machte Platz für den 18-jährigen Stefan Ernst. "Ich wollte frische Beine bringen", sagte Schuntner. "Und vielleicht auch ein bisschen jugendliche Naivität - die hilft manchmal, wenn man 1:0 führt." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig: Salzburg spielte weiter kontrolliert, Rankweil mühte sich redlich, aber blieb ideenlos. Der junge Fynn Hummel hatte in der 61. Minute die beste Gelegenheit der Gäste, doch sein Schuss landete in den Armen von Keeper Angelo Venditti, der sich über mangelnde Beschäftigung nicht beklagen konnte, aber immerhin dreimal ernsthaft eingreifen musste. Dann der Schreckmoment für Rankweil: In der 66. Minute blieb ihr 19-jähriger Stürmer Erik Voigt nach einem Zweikampf liegen und musste verletzt ausgewechselt werden. Für ihn kam Sven Schreiber, der kurz vor Schluss tatsächlich noch eine Chance hatte - aber in der 90. Minute an Venditti scheiterte. "Der Ball war schnell, der Torwart schneller", murmelte Schreiber nach dem Abpfiff, während er sich die Schuhe auszog. Auf der anderen Seite hätte Salzburg das Spiel längst entscheiden können. Hugo de Freitas prüfte in der zweiten Halbzeit gleich viermal das Aluminium - oder den Torwart. Michel Ackermann scheiterte ebenfalls mehrfach, zuletzt in der 83. Minute, als er den Ball aus spitzem Winkel ins Außennetz drosch. "Wir hätten das 2:0 machen müssen, keine Frage", räumte Schuntner ein. "Aber ein 1:0 ist auch ein Sieg - und Sieg ist besser als schön spielen." Sein Kollege Fridolin sah das naturgemäß anders: "Wenn man 90 Minuten lang läuft, aber nicht trifft, fühlt sich das an wie eine Diät ohne Ergebnis." Am Ende jubelte Salzburg - nicht euphorisch, aber zufrieden. Die Fans sangen, als wäre das 1:0 ein Torfestival gewesen. Und vielleicht war es das ja auch - wenn man bedenkt, dass Fußball manchmal nur aus einem Moment besteht. Ein Moment, der Charles Densham gehörte. "Ich hab gehört, sie wollen das Tor ’den Schuss aus der Mozartstadt’ nennen", witzelte er zum Schluss. "Klingt gut - aber ich hoffe, es bleibt kein One-Hit-Wonder." So endete ein Spiel, das keine Fußballpoesie, aber ehrliche Arbeit war: Salzburg effizient, Rankweil bemüht, das Ergebnis knapp, aber gerecht. Und irgendwo in der Kabine summte ein Betreuer leise: "Ein Tor ist genug, wenn’s das richtige ist." (600 Wörter) 22.02.643987 19:57 |
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