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Ein kühler Märzwind fegte am Donnerstagabend durch das Stadion von Windsor, aber das hinderte 27.000 Zuschauer nicht daran, ihre Astros mit heißem Herzen anzufeuern. Was sie geboten bekamen, war ein Feuerwerk offensiver Spielfreude - und eine Lehrstunde für die Kamloops Reds, die am Ende mit einem 0:4 (0:1) nach Hause geschickt wurden. Schon nach einer Viertelstunde war klar, wohin die Reise gehen würde. Aitor Eximeno, der rechte Flügelflitzer der Astros, nahm in der 16. Minute ein Zuspiel von Sebastien Bergen auf, drehte sich elegant um die eigene Achse und jagte den Ball flach ins linke Eck. Torhüter Ezequiel Alves reckte noch die Fingerspitzen - aber vergeblich. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Eximeno später, "aber dann war er drin und das Stadion ist explodiert." Die Kamloops Reds versuchten, Ruhe ins Spiel zu bringen. Sie hatten mit 54 Prozent zwar mehr Ballbesitz, doch was nützt das, wenn der Gegner mit jedem Angriff gefährlicher wirkt als man selbst? Windsor spielte mit einer Mischung aus jugendlicher Frechheit und taktischer Disziplin. Trainerin Nicole Kei, an der Seitenlinie gewohnt gelassen, rief ihren Spielern immer wieder zu: "Kurzpass! Über außen!" - und genau das funktionierte. Die Reds dagegen wirkten, als hätten sie das Memo übersehen. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Gästecoach Adriana Kehl nach dem Spiel, "aber dann standen wir irgendwie überall - nur nicht da, wo der Ball war." Ihre Spieler bemühten sich zwar redlich, kamen aber selten gefährlich vor das Tor von Ewan Blanchard. Nur fünf Torschüsse verzeichneten die Statistiker, und keiner davon brachte Blanchard ernsthaft in Verlegenheit. In der 58. Minute wurde das Spiel endgültig entschieden. Der 21-jährige Patryk Kobylanski, bislang eher als Edelreservist bekannt, verwertete eine butterweiche Flanke von Christophe Gage zum 2:0. "Ich wollte einfach mal zeigen, dass ich’s auch kann", sagte Kobylanski nach dem Abpfiff mit einem schiefen Grinsen. Trainerin Kei konterte trocken: "Das war keine Überraschung - höchstens für die Reds." Danach fiel Kamloops völlig auseinander. Die Abwehr wirkte wie ein Kartenhaus im Wind, und die Astros rochen Blut. In der 76. Minute schloss Mittelfeldmotor Miguel Pelegrin einen blitzsauberen Angriff über Gage und den eingewechselten Mason Mayhew zum 3:0 ab. Der Jubel war groß - und die Reds wirkten nun endgültig ratlos. Zum Pech der Gäste verletzte sich kurz darauf Verteidiger Petros Samaras bei einem unglücklichen Zweikampf. Während er behandelt wurde, wechselte Kehl den frustrierten Linksverteidiger aus - und Francisco Yaguez kam. Es half nichts mehr. Kurz vor Schluss setzte Damian Szewczyk, frisch von der Bank gekommen, den Schlusspunkt. Wieder war es Gage, der den Ball mit chirurgischer Präzision in den Lauf spielte. Szewczyk blieb eiskalt und schob in der 90. Minute zum 4:0 ein. Die Fans tobten, und die Reds wollten nur noch in den Bus. "Das war schon bitter", gab Reds-Kapitän Michael Crichton zu. "Wir hatten eigentlich einen Plan - aber der ist so ungefähr in der 16. Minute verbrannt worden." Statistisch gesehen war die Partie fast paradox: Kamloops mit mehr Ballbesitz, Windsor mit weniger - aber 17 Schüsse aufs Tor sprechen eine klare Sprache. Die Astros zeigten, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb für Passquoten ist, sondern ein Spiel, bei dem man das Runde ins Eckige bringen muss. Auch die Disziplin ließ kurz zu wünschen übrig: Sebastien Bergen sah in der 39. Minute Gelb für ein rustikales Einsteigen, später folgte Matthew Hannigan (80.) mit einem ebenso beherzten wie unnötigen Foul. "Wir wollten zeigen, dass wir nicht aus Zucker sind", kommentierte Hannigan später schmunzelnd. Trainerin Kei fasste das Spiel gewohnt trocken zusammen: "Manchmal ist die beste Verteidigung der Angriff. Und wenn du vier Tore schießt, beschwert sich keiner über 46 Prozent Ballbesitz." Für die Kamloops Reds bleibt nach dieser Abfuhr viel zu tun. Coach Kehl versprach eine "harte Trainingswoche" und "eine ehrliche Analyse". Man darf gespannt sein, ob sie bis zum nächsten Spieltag mehr als nur den Ballbesitz verbessern können. Und die Astros? Die feierten noch lange nach Abpfiff. "Das war Fußball, wie er sein soll", sagte Eximeno, während er mit einem breiten Grinsen den Spielball unter den Arm klemmte. "Schnell, laut - und mit Toren für uns." Ein Abend, der in Windsor in Erinnerung bleiben wird - nicht nur wegen der vier Treffer, sondern auch, weil man spürte: Hier wächst etwas zusammen. Und wenn sie so weitermachen, könnte man bald öfter sagen: Die Astros sind nicht nur ein Team - sie sind eine Offenbarung im kanadischen Frühling. 17.03.643994 10:50 |
Sprücheklopfer
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