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Ein Abend, der so verheißungsvoll begann, endete für Astur CF mit einem jener Ergebnisse, die man am liebsten gleich wieder vergisst. 1:3 (1:2) hieß es am Ende gegen CD Denia - und das war sogar noch schmeichelhaft. Die 41.317 Zuschauer sahen ein Spiel, das mit einem Knall begann und mit einem kollektiven Seufzer endete. Gerade einmal zwei Minuten waren gespielt, da bebte das Estadio de Asturias. David Robert, der 33-jährige Linksaußen, nahm einen Pass von Innenverteidiger Marko Rautiainen auf, zog aus spitzem Winkel ab - und der Ball zappelte tatsächlich im Netz. Ein Traumstart, der Trainer Stefan Sühr auf der Bank kurz aus der Reserve lockte. "Genau so wollten wir anfangen!", brüllte er und riss die Faust in die Höhe. Was danach folgte, sah allerdings weniger nach "genau so" aus, sondern eher nach "genau das Gegenteil". Denn während Astur CF sich in Sicherheit wiegte, begann CD Denia, das Spiel zu sezieren - mit chirurgischer Präzision. In der 23. Minute belohnte sich der Gast erstmals: Iban Marco, der rechte Mittelfeldspieler mit der Präzision eines Uhrmachers, verwandelte eine Vorlage von Helmut Maus trocken zum Ausgleich. "Der Ball kam perfekt, ich musste nur noch die Augen schließen", grinste Marco später. Dass er dabei wohl eher die Verteidiger von Astur CF gemeint hatte, blieb offen. Kaum hatte sich Astur von dem Schock erholt, schlug Denia erneut zu. Ein Standard in der 38. Minute, eine Kopfballverlängerung von - natürlich - Marco, und Innenverteidiger Heinrich Schrader nickte zum 1:2 ein. Schrader, sonst für rustikale Zweikämpfe bekannt, jubelte wie ein Mittelstürmer. "Ich wollte einfach nur höher springen als die anderen. Hat geklappt", meinte er trocken. In der Pause wirkte Trainer Sühr bemüht, die Fassung zu wahren. "Wir haben das Spiel nicht verloren, es steht nur 1:2", erklärte er einem Journalisten mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der innerlich schon den Spielbericht schreibt. Doch was sich in der zweiten Hälfte abspielte, ließ keine Zweifel mehr offen, wer an diesem Abend das Kommando hatte. CD Denia kombinierte, drückte, schoss - insgesamt 17 Mal aufs Tor, während Astur in 90 Minuten ganze zwei Abschlüsse verzeichnete. Der Ballbesitz war mit 51 zu 49 Prozent zwar ausgeglichen, aber die Effektivität unterschied sich wie ein gezielter Laserschuss von einem Silvesterböller. In der 73. Minute fiel dann die endgültige Entscheidung: Nach einem feinen Pass von Nestor Vazquez tauchte Tiago Meira frei vor Keeper Pascal Gagne auf und traf eiskalt zum 1:3. "Ich hab kurz überlegt, ob ich den Ball abspiele", sagte Meira hinterher mit einem Lächeln. "Aber dann dachte ich: Nein, das Tor will ich selbst schießen." Astur CF versuchte es danach noch mit Symbolik: Damian Simao prüfte in der 89. Minute Denias Torwart Ignacio Gama mit einem Distanzschuss - der zweite und letzte Torschuss des Heimteams. Mehr kam nicht. Stattdessen kassierte Rautiainen kurz vor Schluss noch Gelb, als er den Frust über eine misslungene Grätsche verbal begleitete. "Ich hab nur laut gedacht", erklärte er später - was der Schiedsrichter offenbar ähnlich sah, aber eben nicht hören wollte. Trainer Mark Zander von Denia zeigte sich nach dem Spiel betont gelassen. "Wir haben einfach unser Spiel gemacht. Offensiv, ruhig, konsequent. Wenn du 17 Mal aufs Tor schießt, darfst du auch mal drei machen." Sein Gegenüber Sühr nickte gequält: "Wir müssen lernen, dass Fußball 90 Minuten dauert. Heute waren’s nur zwei." Ein paar Fans von Astur CF blieben noch lange nach Abpfiff auf den Rängen sitzen, als wollten sie prüfen, ob der Ball vielleicht doch noch ins gegnerische Tor rollt. Tat er nicht. Dafür rollte CD Denia an diesem Abend mit beeindruckender Selbstverständlichkeit durchs Spiel - wie ein Team, das verstanden hat, dass Angriff manchmal wirklich die beste Verteidigung ist. Und so bleibt für Astur CF nur die Erkenntnis: Wer zu früh jubelt, hat am Ende oft die leiseste Stimme im Stadion. Oder, wie es David Robert später sarkastisch zusammenfasste: "Immerhin haben wir das erste Tor geschossen. Das zählt ja auch, oder?" Ein Spiel, das mit einem Paukenschlag begann - und mit einem leisen Pfeifton endete. 29.03.643987 13:57 |
Sprücheklopfer
Jetzt müssen wir gegen Stuttgart gewinnen. Ob wir wollen oder nicht.
Otto Rehhagel