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Astur - Es war ein kalter Januarabend im Estadio del Norte, doch auf dem Rasen brannte es lichterloh. 30.256 Zuschauer sahen, wie Astur CF am 5. Spieltag der 1. Liga Spanien den SC Sevilla mit 2:0 abfertigte - und das mit einer Mischung aus Spielfreude, Cleverness und einem Schuss südländischer Theatralik. Trainer Stefan Sühr grinste nach dem Schlusspfiff spitzbübisch: "Manchmal ist Fußball eben einfach - Ball rein, Gegner verwirrt, Feierabend." Von Beginn an machte Astur klar, dass sie das Spiel bestimmen wollten. Schon in den ersten zehn Minuten prüfte Lionel Rocha gleich zweimal den jungen Sevillaner Keeper Marcus Baer, der sich mit akrobatischen Flugeinlagen empfahl - und dabei wohl kurz überlegte, ob er eigentlich in einem Zirkus oder in einem Fußballstadion gelandet war. Die Gäste dagegen wirkten, als hätten sie den Anstoß noch nicht ganz verarbeitet. Sevilla, unter der Leitung des geheimnisvoll ruhig wirkenden Hugo "Der Geist" Der Geist, versuchte zwar, das Spiel flach aufzubauen, verlor aber immer wieder den Ball im Mittelfeld. "Wir wollten kontrollieren, aber irgendwie hat der Ball nicht zugehört", murmelte Mittelfeldmann Alexandru Albu später selbstkritisch. In der 39. Minute fiel dann das überfällige 1:0 für Astur. Xavier Da Cru, der graue Stratege im Zentrum, zog nach Vorarbeit von Bruno Antonio ab. Der Ball zischte flach ins rechte Eck - und während Baer noch nach dem Leder tauchte, jubelte Da Cru schon mit der Eleganz eines Mannes, der genau wusste, dass er heute Geschichte schreibt. "Ich dachte, ich hau einfach mal drauf, bevor Bruno wieder querlegt", lachte der 33-Jährige später. Mit dieser Führung ging es in die Pause. Astur hatte 53,8 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse und das Publikum fest im Griff - Sevilla dagegen vier zaghafte Versuche und zwei Gelbe Karten, die mehr Frust als Entschlossenheit verrieten. Besonders Isaac Kelly fiel auf, allerdings weniger durch Torgefahr als durch seine Vorliebe für rustikale Zweikämpfe. Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Astur spielte weiter offensiv, aber ohne die letzte Präzision, während Sevilla zwar offensiv ausgerichtet blieb, doch pressingfrei durch die zweite Halbzeit schlich - kein Pressing, kein Biss, kein Plan B. Trainer Der Geist erklärte es später mit einem Achselzucken: "Wir wollten Ruhe bewahren. Leider hat die Ruhe uns am Ende besiegt." Die Szene des Abends spielte sich in der 79. Minute ab: Asturs Rechtsverteidiger Zoran Kahriman, ein erfahrener Haudegen mit der Körpersprache eines Türstehers, sah nach einem übermotivierten Einsteigen glatt Rot. "Ich wollte nur den Ball", protestierte er beim Schiedsrichter, während dieser mit unbewegter Miene die Karte in die Höhe hielt. Auf der Tribüne brandete Gelächter auf - und selbst Trainer Sühr konnte sich ein "Na, wenigstens hat er Einsatz gezeigt" nicht verkneifen. Doch wer glaubte, dass Sevilla nun Druck machte, wurde eines Besseren belehrt. Nur zwei Minuten später konterte Astur in Unterzahl - und zeigte, dass Fußball manchmal ein Spiel der Ironie ist. Bruno Antonio, erneut Taktgeber, schickte Lionel Rocha auf die Reise. Der Stürmer blieb eiskalt, schob in der 82. Minute zum 2:0 ein und ließ das Stadion beben. Rocha grinste nach dem Treffer breit: "Wir sind halt besser, wenn wir weniger Spieler haben. Spart Platz auf dem Feld." Danach verwaltete Astur das Ergebnis souverän. Der eingewechselte Balljunge (der es nie gab, aber man hätte es ihm gegönnt) hatte weniger zu tun als Torwart Pascal Gagne, der den Ball mit den Händen kaum berührte - außer beim Abklatschen nach dem Abpfiff. Sevilla verabschiedete sich leise, fast geisterhaft, passend zum Namen ihres Trainers. Astur dagegen feierte ausgelassen, und die Fans sangen sich in die Nacht hinein. In der Tabelle klettert das Team von Stefan Sühr damit in die oberen Regionen, während Sevilla weiter im Mittelfeld herumgeistert - ohne Esprit, ohne Punkte, ohne Plan. Zum Schluss meinte Sühr augenzwinkernd: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit zehn Mann gewinnen kann - wenn die elf vorher gut genug waren." Und während die Spieler in der Kabine jubelten, stand Hugo Der Geist noch lange an der Seitenlinie, den Blick ins Leere gerichtet - vielleicht auf der Suche nach einer Taktik, die diesmal nicht durch die Wand geht. Ein Abend voller Einsatz, Emotion und ein bisschen Slapstick - kurz: Fußball, wie er sein sollte. 06.03.643987 09:14 |
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