Marca
+++ Sportzeitung für Spanien +++

Astur CF trotzt Barcelona - ein 0:2 wird zum 2:2 der Moral

Wenn man sich bei Astur CF in der 62. Minute kurz umdrehte, um sich ein neues Bier zu holen, verpasste man vermutlich den Moment, in dem das Stadion zum Tollhaus wurde. 34.629 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles hatte: Dramatik, Frust, Jubel - und ein Comeback, das selbst Hollywood-Produzenten zu sentimental wäre. Am Ende hieß es 2:2, aber die Geschichte dahinter war pures Fußballtheater.

Dabei begann der Abend denkbar schlecht für die Gastgeber. Schon in der 5. Minute klingelte es im Kasten von Pascal Gagne - Pau Butragueno, der wendige Flügelmann des SC Barcelona, traf nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Bernardo Ibanez. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gestand Astur-Trainer Stefan Sühr später halb lachend, halb seufzend. "War er aber leider nicht."

Barcelona spielte in dieser Phase wie ein Team, das den Namen der Stadt mit Stolz trägt - technisch sauber, passsicher und mit jenem Selbstbewusstsein, das man nur mit südländischem Sonnenschein und Kurzpassspiel aufzieht. In der 24. Minute erhöhte Innenverteidiger Francisco Rodrigo nach einem Eckball auf 0:2 - ja, ein Innenverteidiger! "Ich bin einfach stehen geblieben, und der Ball war plötzlich da", grinste Rodrigo später.

Astur CF hingegen suchte nach Struktur, nach Mut, nach einer Steckdose, um den eigenen Offensivmotor wieder anzuschalten. Pedro Suero und Damian Simao kurbelten über die Flügel, Lionel Rocha rackerte sich im Zentrum ab - nur der Ertrag fehlte. Vierzehn Torschüsse am Ende des Abends, aber bis zur Pause blieb alles Stückwerk.

"In der Kabine habe ich sie gefragt, ob wir heute nur Spalier stehen wollen oder auch Fußball spielen", verriet Sühr, der auf seinem Notizblock wohl mehr Kringel als Taktikpfeile hatte. Und siehe da: Die zweite Hälfte begann mit dem, was man gemeinhin als "lebensbejahenden Fußball" bezeichnet.

Barcelona, bislang mit leichtem Ballbesitznachteil (48 Prozent), wirkte plötzlich träge. Trainer Thomas Göstl schickte zur Pause den jungen Matej Nemec für den verwarnten Butragueno - eine Maßnahme, die so viel Wirkung zeigte wie ein Regenschirm bei Sturmflut. Astur rannte, biss, presste - und wurde belohnt.

In der 62. Minute war es Routinier Xavier Da Cru, der nach Vorarbeit von Pedro Suero aus dem Rückraum abdrückte. Der Ball schlug flach ein, und das Stadion explodierte. "Ich hab’s einfach probiert", sagte Da Cru später. "Und diesmal war der Ball tatsächlich drin."

Nur vier Minuten später der nächste Aufschrei: Wieder Da Cru, diesmal als Vorbereiter. Sein Pass auf den quirligen Damian Simao, und der schob mit der Ruhe eines Uhrmachers zum 2:2 ein. Ein Doppelschlag, der die Gäste aus Katalonien regelrecht schockte.

"Wir haben uns zu sicher gefühlt", gab Göstl unumwunden zu. "Astur hat uns in der zweiten Halbzeit überrannt. Da war Feuer drin." Das sah auch die Statistik so: 14:8 Torschüsse für die Hausherren, 52 Prozent Ballbesitz, und eine Zweikampfquote, die den Willen der Gastgeber dokumentierte (52,6 zu 47,4 Prozent).

In den Schlussminuten wogte das Spiel hin und her. Simao hatte sogar die Chance auf das 3:2, doch Barcelonas Keeper Vicente Rielo rettete spektakulär. Auf der anderen Seite verzog der eingewechselte Nemec knapp. Als der Schlusspfiff ertönte, lagen einige Spieler erschöpft im Rasen, andere klatschten sich ab, als hätten sie soeben einen Pokal gewonnen.

"Das war kein Punkt, das war eine kleine Auferstehung", meinte Sühr und klopfte Da Cru auf die Schulter. Der grinste nur und murmelte: "Manchmal ist Fußball eben gerecht."

Gerecht - das trifft es wohl. Nach einem 0:2-Pausenrückstand gegen einen Gegner wie Barcelona noch ein 2:2 zu holen, das ist mehr als Statistik. Das ist Charakter. Und wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich erinnern: an das Zittern, das Schreien, das Lachen - und an einen Astur CF, der zeigte, dass Herzblut manchmal stärker ist als Ballbesitz.

Oder, wie ein älterer Fan beim Rausgehen sagte, während er sich die Stimme wegkratzte: "Wenn wir jede Woche so spielen, wird’s ein gutes Jahr. Für meine Nerven vielleicht nicht, aber für den Fußball schon."

11.02.643987 11:49
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Wir haben die Chancenverwertung nicht verwertet.
Andreas Brehme
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager