Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Athen taumelt, Chersonissos tanzt - 1:3 und ein Abend voller Ironie

Ein lauer Januarabend in Larissa, 12.500 Zuschauer, Flutlicht, Feta-Geruch und das Gefühl, dass heute etwas gehen könnte. Doch am Ende ging nur einer: AEL Athen - nämlich baden. Mit 1:3 verlor das Team von Trainer (dessen Namen man an diesem Abend lieber aus Höflichkeit verschweigt) gegen Chersonissos, das sich unter Trainer Harry Kane als griechische Variante des englischen Pragmatismus präsentierte: wenige Worte, viele Tore.

Dabei fing alles so verheißungsvoll an. In der 27. Minute zirkelte Isidor Stefanescu, 22 Jahre jung und offenbar mit einem goldenen Fuß geboren, den Ball nach Vorarbeit von Philippos Kaklamanis in die Maschen. Das Stadion jubelte, Bierbecher flogen (freundlich gemeint), und Stefanescu ließ sich feiern, als hätte er gerade das Derby gewonnen. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste der Stürmer später - und man glaubte ihm das sofort.

Doch wer dachte, AEL würde den Schwung mitnehmen, der kennt den Fußball nicht - und schon gar nicht die Defensive von AEL Athen. Nur vier Minuten später, in der 31. Minute, köpfte ausgerechnet Innenverteidiger Aaron Warriner nach Flanke von Jake Lancaster zum 1:1 ein. Ein Innenverteidiger! Der Brite grinste nach seinem Treffer so breit, als hätte er gerade einen Pub eröffnet. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", sagte er lachend nach dem Spiel.

Zur Pause stand es 1:1, und die Statistiken malten ein schiefes Bild: Athen mit 53 Prozent Ballbesitz, Chersonissos mit 17 Torschüssen auf das Tor - ein Verhältnis, das in jedem Mathematikunterricht als "nicht effizient" durchginge. Doch Zahlen erzählen selten die Wahrheit.

Denn in der zweiten Halbzeit erzählte Chersonissos selbst die Geschichte. In der 60. Minute übernahm Herman Bengtsson, 33 Jahre, erfahrener Linksfuß mit dem Temperament eines nordischen Fischers, die Regie. Nach Pass von Niels Westphal zog er trocken ab - 1:2. Athen schaute zu, als würde man im Museum eine Statue betrachten. Trainer Kane rief nach dem Tor nur: "That’s football!" und setzte sich wieder hin. Mehr musste er auch nicht tun.

Neun Minuten später dann der endgültige Stich ins Herz der Gastgeber: Enrique Albacar, der linke Außenverteidiger, schloss einen Bilderbuchkonter ab, wieder mit Bengtsson als Vorlagengeber. 1:3. Und das ausgerechnet in der Phase, in der AEL sich anschickte, das Spiel zu drehen. Die Zuschauer rieben sich die Augen: "Linksverteidiger treffen jetzt auch schon?", brummte ein älterer Fan hinter der Pressetribüne.

Athen versuchte in der Folge alles, was man unter "versuchen" verbuchen kann: Stefanescu rannte, Markopoulos schoss, Piszczek kassierte Gelb (55.), und die Abwehr schwankte zwischen Hoffen und Bangen. Selbst nach der Roten Karte gegen Pau Gomes in der 75. Minute - er hatte offenbar vergessen, dass auch Grätschen mit Anlauf Regeln kennen - fand Chersonissos nicht nur Stabilität, sondern sogar Gelassenheit.

"Wir haben uns in Unterzahl wohler gefühlt", witzelte Kane später. "Weniger Spieler, weniger Chaos."

Die Schlussphase war dann eine Mischung aus athener Verzweiflung und chersonissischer Abgeklärtheit. Stefanescu prüfte Keeper Ashton Heighway in der 92. Minute noch einmal, doch der englische Schlussmann parierte souverän und klopfte sich danach auf die Brust, als wolle er sagen: "Nicht mit mir, mein Freund."

Statistisch blieb AEL leicht überlegen im Ballbesitz (53 Prozent), doch Chersonissos schoss mehr als doppelt so oft aufs Tor (17 zu 7). Effektivität schlägt Ästhetik - das alte Fußballgesetz, das an diesem Abend in goldenen Lettern über dem Stadion hätte hängen können.

Nach dem Abpfiff wirkte Trainer Kane beinahe überrascht über den klaren Sieg: "Ich dachte, wir hätten nur zwei Tore gemacht", sagte er augenzwinkernd. Und sein Gegenüber? Der Coach der Athener schüttelte den Kopf und murmelte nur: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten die Idee."

So endete ein Spiel, das in der ersten Halbzeit nach Gleichgewicht aussah und in der zweiten zur Lehrstunde für Athen wurde. Chersonissos zeigte, dass man auch mit englischer Nüchternheit in Griechenland glänzen kann - und AEL Athen wird wohl noch ein paar Trainingseinheiten brauchen, um zu verstehen, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt.

Oder, wie es ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Schön gespielt haben wir ja. Nur halt nicht Fußball."

Ein Fazit, dem an diesem Abend wohl niemand widersprach.

06.03.643987 09:30
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