Jornal do Brasil
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Atletico Ceara zerlegt Flamengo - Samba mit Stahlkappen

41.673 Zuschauer im Estádio Castelão erlebten am 5. Spieltag der 1. Liga Brasilien eine Vorstellung, die man wohl am besten mit "Tanz auf dem Vulkan" beschreibt - allerdings war es Atletico Ceara, das tanzte, während CF Flamengo kollektiv auf der Lava ausrutschte. Das 4:0 (3:0) wirkte am Ende fast schmeichelhaft für die Gäste, die zwar 57 Prozent Ballbesitz hatten, aber ungefähr so gefährlich wirkten wie ein feuchter Streichholz.

Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, dass Ceara an diesem Abend einfach mehr Lust auf Fußball hatte. Johann Wagner prüfte Flamengos Torhüter bereits mehrfach, ehe er in der 16. Minute das Leder nach feinem Zuspiel des 18-jährigen Linksverteidigers Adriano Miguel trocken ins Netz drosch. "Ich hab’ einfach draufgehalten, weil Adriano so schön geschaut hat", grinste Wagner nach dem Spiel. "Manchmal muss man einfach den inneren Straßenkicker rauslassen."

Fünf Minuten später kam Joao Capucho, der bullige Mittelstürmer, an die Reihe. Antonio Maniche hatte in der Zentrale die Übersicht behalten, Capucho nahm den Ball mit der Brust an, drehte sich - und schon stand es 2:0. "Ich dachte, das war Abseits", murmelte Flamengo-Coach Dino Ma später ratlos ins Mikrofon. "Aber vielleicht dachte das nur meine Abwehr."

Flamengo versuchte es mit gepflegtem Ballbesitz, spielte quer, rückwärts, und wenn es ganz mutig wurde, auch mal diagonal. Atletico Ceara störte das wenig. Die Gastgeber konterten mit Lust und Effizienz, als wären sie auf einem Sonntagsspaziergang. Noch vor der Pause erhöhte Leandro Goncalves nach einer Vorlage von Wagner auf 3:0 (40.). "Ich glaub, wir haben da kurz vergessen, dass Halbzeit erst bei 45 Minuten ist", seufzte Flamengos Kapitän Mario Berjon, der wenigstens kurz vor Schluss noch einen Schuss auf die Statistik brachte.

In der Pause soll Ceara-Trainer André Rei seinen Spielern nur zwei Worte zugerufen haben: "Weiter Samba." Was sie prompt taten. Zwar schaltete das Team sichtbar einen Gang zurück, doch selbst in Sparflamme reichte es noch zu einem weiteren Treffer. Innenverteidiger Julian Djalo - ja, der Innenverteidiger! - köpfte nach einer Ecke von Goncalves in der 64. Minute den Ball humorlos ins Eck. Danach gönnte sich Ceara ein wenig gepflegte Langeweile, während Flamengo weiter auf der Suche nach der eigenen Idee blieb.

Die Statistik spricht Bände: 21 Torschüsse für Ceara, ganze drei für Flamengo. Und ja, die Gäste hatten mehr Ballbesitz - aber das ist, wie Trainer Rei süffisant anmerkte, "ungefähr so relevant wie der Benzinstand, wenn du schon am Straßenrand stehst".

Einziger Farbklecks im sonst blassen Auftritt der Gäste: die Gelbe Karte für Afanasi Tscherepanow in der 58. Minute. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch da bin", erklärte der Verteidiger mit einem Achselzucken. Es blieb sein auffälligster Beitrag.

Cearas Fans feierten ihre Mannschaft wie Helden, und man konnte förmlich spüren, wie jede gelungene Kombination das Stadion vibrierte. Selbst der Stadionsprecher schien irgendwann Mitleid mit Flamengo zu haben, als er das 4:0 verkündete - seine Stimme klang fast entschuldigend.

Nach Abpfiff herrschte in der Mixed Zone eine Mischung aus Erleichterung und Ungläubigkeit. "Wir haben heute gezeigt, dass man auch mit 43 Prozent Ballbesitz Spaß haben kann", lachte Maniche. "Vielleicht schreiben sie das mal in die Lehrbücher."

Trainer Rei lobte die Disziplin seines Teams: "Wir haben offensiv gedacht, aber defensiv gefühlt. Das ist die perfekte Balance." Journalistisch übersetzt: Seine Mannschaft war einfach zu clever, zu direkt und zu effizient.

Flamengo-Coach Ma fand zum Schluss immerhin Humor: "Wir hatten eigentlich eine gute Taktik - nur leider war der Gegner nicht eingeplant."

So endet ein Abend, an dem Atletico Ceara nicht nur drei Punkte holte, sondern auch eine kleine Fußballlektion erteilte: Manchmal ist weniger Ballbesitz einfach mehr. Und wer so tanzt, darf das ruhig auch mit Stahlkappen tun.

Oder, wie es ein älterer Fan am Ausgang sagte, während er seine Trommel einpackte: "Heute war kein Spiel - das war ein Konzert. Nur Flamengo hat die Noten nicht gekannt."

25.07.643990 06:13
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