La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Aucas verschenkt Sieg - Cuenca kontert spät zum 1:1

Wenn 36.629 Zuschauer im Stadion "La Caldera" aufstehen, weil sie glauben, jetzt fällt das erlösende Tor - und sich am Ende doch mit einem Schulterzucken verabschieden - dann war es ein Abend, der unter "typisch Aucas" abgeheftet wird. Das 1:1 gegen Expreso Cuenca am zweiten Spieltag der ecuadorianischen Liga war ein Fußballspiel, das alles bot: Tempo, Drama, Gelbe Karten und einen Trainer, der nach dem Schlusspfiff in die Mikrofone knurrte: "Wir haben das Spiel zweimal gewonnen und trotzdem nur einen Punkt." Mister Zvenson war nicht zum Lachen zumute.

Dabei begann alles so vielversprechend. Aucas presste früh, spielte mit offenem Visier und feuerte schon in den ersten fünf Minuten zwei Schüsse auf das Tor von Antip Samsonow ab. Der 19-jährige Nestor Capucho, der aussieht, als hätte er gerade erst die Jugendmannschaft verlassen, drosch den Ball in der zweiten Minute nur knapp über die Latte. "Ich wollte ihn eigentlich flach reinlegen", grinste er später schuldbewusst.

Cuenca dagegen wirkte in der Anfangsphase wie ein Zug, der zu spät auf die Schienen gesetzt wurde - passend zum Vereinsnamen "Expreso". Erst nach einer Viertelstunde wagte sich Innenverteidiger Fabio Galindo nach vorne und prüfte Aucas-Keeper José Barros mit einem Distanzschuss. Doch der parierte sicher und winkte anschließend in Richtung Tribüne, als wolle er sagen: "Ruhig, Leute, ich hab’s im Griff."

Das 1:0 fiel schließlich in der 44. Minute - und es war so schön, dass selbst die gegnerischen Fans kurz klatschten. Pal Aas, der norwegische Routinier im Sturm, nahm eine Flanke von Mateo Blanco volley und drosch sie ins lange Eck. Samsonow flog, die Zuschauer schrien, und Aas riss die Arme hoch. "Ich wollte eigentlich köpfen, aber meine Füße haben entschieden, dass sie heute dran sind", scherzte der 33-Jährige später.

Mit dieser Führung ging Aucas in die Pause, während Cuenca-Trainer Dierk Nordi seine Spieler angeblich mit den Worten empfing: "Ihr spielt wie Touristen - und das hier ist kein Sightseeing." Jedenfalls kam Cuenca nach dem Seitenwechsel deutlich aggressiver zurück. Pedro Fernandes, der bereits in der ersten Halbzeit Gelb gesehen hatte, blieb in der Kabine. Für ihn kamen mit Xavi Dominguez und dem robusten Göran Hanson frische Kräfte.

Und siehe da - in der 53. Minute schlug Cuenca zurück. Levi Shitrit, der unauffällige Mittelfeldmann mit der auffälligen Frisur, zog nach einem Abpraller ab und traf aus 20 Metern flach ins Eck. Barros streckte sich vergeblich. 1:1, und plötzlich war das Spiel wieder offen. "Ich habe einfach draufgehalten", grinste Shitrit später, "und gehofft, dass niemand merkt, dass es eigentlich ein Querschläger war."

Was folgte, war ein offener Schlagabtausch. Aucas hatte insgesamt 16 Torschüsse, Cuenca immerhin 10 - die Statistiker rechneten fleißig, die Fans rauften sich die Haare. Capucho (natürlich Capucho!) scheiterte in der 86. Minute erneut aus kurzer Distanz, und in der Nachspielzeit schoss er noch einmal direkt auf Samsonow, der diesmal glänzend parierte. "Wenn ich älter bin, treffe ich vielleicht", murmelte der 19-Jährige nach dem Spiel halb ernst, halb trotzig.

Cuenca verteidigte mit letzter Kraft, kassierte aber noch eine Gelbe Karte für Matteo Mari in der 94. Minute, der offenbar dachte, dass man im eigenen Strafraum auch Basketball spielen darf. "Der Ball war hoch, und ich wollte ihn runterdrücken", erklärte er nachher schmunzelnd.

Am Ende blieb es beim 1:1 - ein Ergebnis, das keiner Seite so recht schmeckte. Aucas hatte mehr vom Spiel, Cuenca den längeren Atem. Mister Zvenson sah’s pragmatisch: "Wir hätten das 2:0 machen müssen. Dann reden wir jetzt über drei Punkte und nicht über versäumte Chancen." Dierk Nordi dagegen war sichtlich zufrieden: "Ein Punkt auswärts, das nehme ich. Außerdem: Meine Jungs haben Charakter gezeigt - und ein bisschen Glück schadet auch nicht."

So trennten sich beide Teams friedlich, aber mit gemischten Gefühlen. Aucas bleibt nach zwei Spieltagen ungeschlagen, aber unzufrieden. Cuenca fährt heim mit einem Punkt und der Gewissheit, dass auch ein verspäteter Express manchmal pünktlich ankommt.

Und irgendwo in Quito wird Nestor Capucho heute Nacht noch davon träumen, den Ball endlich ins Tor zu zirkeln - statt immer nur knapp daneben.

02.04.643997 21:53
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