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Es war einer dieser Fußballabende, bei denen sich das Flutlicht in den verschwitzten Trikots spiegelt, die Bratwurst schon in der Halbzeit ausgeht - und am Ende alle 3879 Zuschauer mit dem Gefühl nach Hause gehen, etwas Besonderes gesehen zu haben. Der VfB Auerbach gewann am Dienstagabend in der Regionalliga A mit 3:2 gegen den SV Linx - und das nach einem Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein Krimi auf dem Spartenkanal. Schon nach fünf Minuten bebte das Stadion. Juan Pablo Marco, der Mann mit dem linken Zauberfuß und der Frisur eines Tangotänzers, zog von der Strafraumkante ab - 1:0! Linus Betz hatte zuvor quergelegt, und Marco grinste später: "Ich hab einfach draufgehalten. Manchmal muss man nicht denken - das hilft." Doch Linx, jung, wild und offenbar völlig unbeeindruckt von der frühen Ohrfeige, antwortete prompt. In der 15. Minute sprintete der 19-jährige Joshua Merz in einen Steilpass von Detlev Miller, traf cool zum 1:1 und jubelte mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers. "Ich wollte einfach zeigen, dass wir keine Statisten sind", sagte Merz hinterher. Und das taten die Linxer eindrucksvoll - sie schossen im Laufe des Abends ganze 15 Mal aufs Tor, während Auerbach mit sieben Versuchen auskam. Das Spiel blieb offen, Auerbach hatte etwas weniger Ballbesitz (48,7 Prozent), aber mehr Biss. Der Kampf tobte vor allem im Mittelfeld, wo Rasenstücke in der Abendluft flogen und Kommandos wie "rauf da!" oder "Ball, Ball, Ball!" den Ton angaben. Trainer Michal Dickschat von Linx gestikulierte wild an der Seitenlinie - manchmal sah es aus, als wolle er selbst noch eingewechselt werden. Nach der Pause spielten beide Teams weiter mutig nach vorn. Dann kam die 64. Minute: Knut Götz, Auerbachs 21-jähriger Linksaußen, zog nach einem langen Ball von Verteidiger Volker Bader in den Strafraum, ließ seinen Gegenspieler aussteigen und traf - 2:1! "Ich hab ihn gar nicht gesehen, der Ball war plötzlich da", meinte Bader lachend, "aber manchmal ist weniger Plan eben mehr Glück." Vier Minuten später jubelte wieder Linx. Mark Fritsch, gerade erst zur zweiten Halbzeit eingewechselt, vollendete einen blitzsauberen Angriff nach Vorarbeit von - natürlich - Joshua Merz zum 2:2. Dickschat riss die Arme hoch, seine Ersatzspieler sprangen an der Seitenlinie. Es war der verdiente Lohn für eine Mannschaft, die mutig presste und selbst nach Rückständen nie den Kopf hängen ließ. Dann aber kam die 86. Minute - und mit ihr der Mann des Abends: Oscar Conrad. Der Routinier mit der Rückennummer 9, bislang eher unauffällig, lauerte auf den Moment. Wieder war es Linus Betz, der von rechts flankte, Conrad stieg hoch, köpfte wuchtig - 3:2! Die Tribüne explodierte. "Ich hab nur gehört, wie’s hinten scheppert", grinste Auerbachs Torwart Benyamin Meyer später, "da wusste ich: Feierabend." Linx warf danach alles nach vorn, stellte auf gnadenlos offensiv, rannte an mit Pressing und vollem Einsatz. Doch Auerbach verteidigte mit Herz und Hektik. In der 91. Minute erwischte es dann Werner Conrad, der sich bei einem Zweikampf verletzte und ausgewechselt werden musste - ausgerechnet gegen seinen Namensvetter Oliver Naumann. "So was passiert halt, wenn man alles gibt", sagte Trainer Dickschat hinterher mit einem Schulterzucken. Die Statistik sprach am Ende eigentlich für Linx - mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, bessere Zweikampfquote (53,7 Prozent). Aber Fußball ist eben kein Statistikseminar. "Wir haben heute Effektivität studiert - mit Bestnote", witzelte Auerbachs Co-Trainer nach dem Spiel. Während die Auerbacher Fans auf den Rängen noch ihr "VfB!" durch die Nacht riefen, stapften die Linxer enttäuscht, aber erhobenen Hauptes in die Kabine. Dickschat sagte leise: "Wir haben alles versucht. Manchmal gewinnt halt der, der weniger Chancen braucht." Und irgendwo in der Auerbacher Umkleide soll man Oscar Conrad noch singen gehört haben - irgendwas mit "drei Punkte, drei Tore, drei Bier". Ein lauer Maiabend, ein Torfestival, ein bisschen Wahnsinn: Fußball, wie er sein soll. 27.01.644000 20:27 |
Sprücheklopfer
Wir haben heute in Adrenalin gebadet.
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