Elfmeter
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Aurich fegt Braunschweig vom Platz - Caliskan zaubert, Meiser dirigiert

Wenn die SVG Aurich in dieser Form weitermacht, sollten sie gleich einen Antrag auf Aufstieg in eine höhere Galaxie stellen. Beim 5:0-Auswärtssieg in Braunschweig wirbelte die junge Truppe aus Ostfriesland den heimischen FT derart durcheinander, dass selbst der Rasen am Ende etwas benommen wirkte. 2453 Zuschauer erlebten am Mittwochabend einen jener Abende, an denen man sich fragt, ob man gerade ein Verbandsliga-Spiel oder doch die Vorführung einer Fußballschule für Fortgeschrittene besucht.

Schon nach wenigen Minuten war klar, dass Aurich mit ernsthaften Absichten angereist war. Die Gäste kombinierten sich flüssig durch die Reihen, während Braunschweig vor allem damit beschäftigt war, den Ball nicht zu verlieren - was ihnen in der 17. Minute prompt misslang. Robin Meiser, gerade einmal 19 Jahre alt, zog nach feiner Vorarbeit seines Namensvetters Robin Hoppe aus gut 20 Metern ab und traf trocken ins rechte Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil keiner kam", grinste Meiser später, "und dann war das Ding halt drin."

Während Braunschweig versuchte, irgendwie Ordnung zu finden, schraubten die Auricher weiter an ihrem Offensivkonzept. Taktisch standen beide Teams laut Aufzeichnung "offensiv", aber nur eine Mannschaft schien zu wissen, was das bedeutet. FT-Coach (der sich nach Abpfiff nur mit einem vielsagenden Kopfschütteln äußern wollte) hatte seine Elf mutig eingestellt - doch Mut ohne Struktur ist eben wie ein Regenschirm ohne Stoff.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: mit Aurich am Drücker. In der 51. Minute durfte sich dann Mecit Caliskan erstmals in die Torschützenliste eintragen - nach einem herrlichen Zuspiel von Linksverteidiger Vitorino de Torre, der mit 17 Jahren mehr Übersicht zeigte als manch gestandener Profi. Caliskan, der an diesem Abend kaum zu halten war, legte in der 67. Minute noch einmal nach. Diesmal kam die Vorlage von Meiser, dem Spielmacher mit dem Radar im Fuß. Und weil aller guten Dinge bekanntlich drei sind, schnürte Caliskan in der 70. Minute sogar den Hattrick - nach Flanke von Nesim Bekdik, ebenfalls 19 Jahre jung.

"Ich hab gar nicht gemerkt, dass es schon drei waren", sagte Caliskan später augenzwinkernd. "Ich dachte, der Ball will einfach immer wieder zu mir zurück."

Spätestens da war das Spiel entschieden. FT Braunschweig kam zwar auf einen Ballbesitz von 46 Prozent, aber das wirkte ungefähr so gefährlich wie ein Papiertiger im Wind. Ganze ein einziger Torschuss auf das Auricher Tor steht in der Statistik - eine Zahl, die den Abend der Hausherren treffend zusammenfasst.

Aurich hingegen feuerte 17 Mal auf das Gehäuse von Volker Gärtner, der im Braunschweiger Tor tapfer blieb, aber irgendwann wohl innerlich mitgezählt haben dürfte. In der Nachspielzeit setzte der routinierte Raphael Schilling mit seinem Treffer zum 5:0 den Schlusspunkt. Der 33-Jährige kommentierte trocken: "Ich wollte nicht, dass die Jungs denken, ich bin nur fürs Aufbauen da."

Eine Szene kurz vor Schluss brachte sogar ein wenig Humor ins Geschehen: Nach einem weiteren Auricher Angriff rief ein Braunschweiger Verteidiger seinem Mitspieler zu: "Hol dir den Ball!" - worauf dieser antwortete: "Welchen?" Das Publikum lachte, und selbst der Schiedsrichter konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Nach dem Spiel lobte Aurichs Trainer (der seinen Spielern offenbar ein Dauerabo auf Offensivdrang verordnet hat) die Mischung aus jugendlicher Frische und kalter Effizienz: "Wir trainieren das einfache Spiel - und manchmal klappt’s sogar."

FT Braunschweig dagegen wirkte ratlos. Ein Spieler murmelte beim Verlassen des Platzes: "Heute hätten wir auch mit zwölf Mann keinen Stich gemacht." Vielleicht nicht ganz falsch.

Am Ende steht ein Ergebnis, das keine Fragen offenlässt: 0:5 (0:1) aus Braunschweiger Sicht, ein Torfestival für Aurich, ein Lehrabend in Sachen Spielfreude und Konsequenz. Und während sich die Gäste mit breitem Grinsen in den Bus setzten, blieb den Gastgebern nur die Hoffnung auf die nächste Woche - und darauf, dass Fußball bekanntlich immer wieder bei null anfängt.

Oder, wie ein älterer Zuschauer auf der Tribüne seufzte: "So schön kann Verbandsliga sein - wenn man nicht Braunschweig-Fan ist."

29.04.644000 11:42
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