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Wenn man an einem lauen Maiabend ins Auricher Stadion kam, ahnte man wohl kaum, dass man Zeuge eines kleinen Fußballfestes werden würde. 2857 Zuschauer sahen, wie die SVG Aurich am 30. Spieltag der Verbandsliga D den MTV Leck mit 4:0 abfertigte - und das mit einem Offensivdrang, der selbst erfahrene Reporter kurzzeitig ans Notizbuch fesselte. Schon nach wenigen Minuten war klar: Aurich wollte hier keine halben Sachen machen. Leck dagegen wirkte, als hätte man noch das Navi auf "Heimweg" stehen. Zwar versuchte Mathias Klose in der dritten Minute mit einem beherzten Schuss, SVG-Keeper Lars Fischer zu prüfen, doch das blieb für lange Zeit der letzte Moment, in dem Aurichs Torwart die Handschuhe wirklich brauchte. Dann rollte die Auricher Maschine an - und wie! In der 21. Minute klingelte es zum ersten Mal: Der 19-jährige Nesim Bekdik schlenzte den Ball nach feiner Vorarbeit von Dylan Veesaert unhaltbar ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bekdik später. "Dylan meinte vorher noch: ’Mach ihn einfach rein.’ Ich hab gehorcht." Nur vier Minuten später drehte das Stadion erneut durch: Mecit Caliskan, ebenfalls erst 19, traf nach einem perfekten Zuspiel von Robin Meiser zum 2:0. Leck wirkte konsterniert, Aurich spielte sich in einen Rausch. Trainerlegende auf der Tribüne murmelten Sätze wie "so jung, so frech - das ist gefährlich." Und ehe sich die Gäste sortieren konnten, war es in der 32. Minute wieder soweit: Sascha Hesse, der rechte Flügelflitzer der SVG, vollendete eine traumhafte Kombination über Bekdik zum 3:0. "Da war einfach alles drin - Tempo, Technik, Timing", schwärmte SVG-Coach (dessen Name an diesem Abend lautstark durch die Kurve hallte). "Wenn Sascha so drauf ist, kann man nur hoffen, dass er morgen nicht verschläft - sonst ruft gleich der DFB an." Mit diesem komfortablen Vorsprung ging es in die Pause. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel, wie man mit 61 Prozent Ballbesitz und 22 Torschüssen ein Spiel dominiert. Leck kam dagegen gerade mal auf drei Abschlüsse - statistisch also kaum auf dem Platz. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Aurich kombinierte, Leck verteidigte, und irgendwo dazwischen lief Olaf Linke herum. Der junge Innenverteidiger der Gäste hatte zunächst in der 70. Minute Gelb gesehen - zwei Minuten später folgte die Ampelkarte. "Ich hab ihn gar nicht getroffen", rief Linke beim Hinausgehen und trat dabei beinahe den eigenen Schienbeinschoner ins Aus. Aurich nutzte die Überzahl eiskalt. In der 68. Minute - ja, man kann sagen, das Drehbuch schrieb sich selbst - traf Dylan Veesaert nach Vorlage von Hesse zum 4:0-Endstand. "Ehrlich, ich wollte eigentlich flanken", gestand der 19-Jährige später lachend, "aber dann war das Ding halt drin." Lecks Trainer wirkte auf der Pressekonferenz gefasst, vielleicht auch ein wenig resigniert: "Wir wollten kompakt stehen, aber offenbar hat das keiner meiner Spieler in der Schule gehabt", seufzte er. Und fügte hinzu: "Aurich war einfach besser, schneller, wacher - und vielleicht auch besser frisiert." Für Aurich hingegen war es ein perfekter Abend. Vier verschiedene Torschützen - nein, drei, aber gefühlt fünf Ideen pro Angriff - und eine Mannschaft, die Fußball spielte, als würde sie in der Bundesliga vorspielen wollen. Selbst die Fans auf der Haupttribüne, sonst eher wortkarg, sangen in den letzten Minuten lauthals (was den MTV-Torwart Hanke zu verzweifelten Blicken Richtung Schiedsrichter veranlasste). Kurz vor Schluss wurde’s noch einmal unruhig: Der eingewechselte Marc Lange von Leck verletzte sich bei einem unglücklichen Zweikampf, musste behandelt werden - der Schiedsrichter pfiff schließlich nach 91 Minuten ab. Aurichs Spieler feierten ausgelassen, während MTV Leck in sich zusammensackte wie ein Kartenhaus im Nieselregen. "Das war ein Statement", sagte Aurichs Kapitän Hesse später. "Wir wollten zeigen, dass wir in diese Liga gehören - und zwar ganz nach oben." Man mag es kaum bestreiten: Wenn Aurich so weiterspielt, werden Schlagzeilen wie diese bald Routine. Für Leck dagegen bleibt nur die Erkenntnis: Ein Abend in Aurich kann lang werden - besonders, wenn man den Ball kaum sieht. Ein Reporterfazit? Ganz einfach: SVG Aurich spielte wie ein Team, das Spaß am Spiel hat. MTV Leck dagegen wie eines, das lieber früh ins Bett gegangen wäre. Und irgendwo dazwischen lag der Ball - meistens im Lecker Tor. 22.05.644000 20:00 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund