Elfmeter
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Aurich stürmt Petershütte in Grund und Boden - 4:1 und viel jugendlicher Übermut

Es war ein Donnerstagabend, an dem der Duft von Bratwurst und Hoffnung gleichermaßen über dem Petershütter Sportplatz lag. 3.090 Zuschauer hatten sich eingefunden, um TuSpo Petershütte gegen den SVG Aurich zu sehen - Verbandsliga D, 22. Spieltag, Flutlicht, 20:15 Uhr. Am Ende aber blieb von der Hoffnung des Heimteams nicht viel übrig: 1:4 hieß es nach 90 Minuten, und die jungen Gäste aus Aurich tanzten auf dem Rasen, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen.

Der Auftakt war ein Sturz in die Realität für die Gastgeber. Kaum hatte man sich im Block sortiert und das erste Bier geöffnet, zappelte der Ball schon im Netz. In der 8. Minute legte der 19-jährige Nesim Bekdik wunderbar quer, Mecit Caliskan - ebenfalls zarte 19 - drückte trocken ein. Keine 60 Sekunden später schlug Aurich wieder zu: Sascha Hesse, der rechte Flügelwirbel, nahm einen langen Ball von Jürgen Kopp direkt und schweißte ihn in den Winkel. 0:2 nach neun Minuten - Petershütte sah aus, als hätte man ihnen die Spielanleitung vertauscht.

"Da war die Taktik wohl noch in der Kabine", murmelte ein älterer Fan auf der Tribüne und sorgte für zustimmendes Gelächter. Trainer [Name nicht bekannt, Anm. d. Red.] wirkte an der Seitenlinie ratlos, während SVG-Coach Alexander Lauf mit verschränkten Armen grinste - die Körpersprache eines Mannes, der wusste, dass sein Plan aufging.

Doch Petershütte zeigte Moral. Nach 30 Minuten fasste sich Niko Klein ein Herz. Der zentrale Mittelfeldmann zog aus 20 Metern ab, und endlich tobte der Sportplatz. 1:2 - für einen Moment roch es nach Comeback, nach einem dieser Spiele, die man später noch beim Frühschoppen erzählt.

Fünf Minuten später zerstörte David Vladyka diese Illusion. Der 20-Jährige, flink wie ein Wiesel, verwertete einen Pass von Robin Meiser zum 1:3. Der Jubel der rund 50 mitgereisten Aurich-Fans war lauter als das ganze Stadion zuvor. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Vladyka später. "Trainer Lauf meinte, wir sollen Spaß haben - also hab ich’s wörtlich genommen."

In der zweiten Halbzeit verwaltete Aurich das Spiel mit der Gelassenheit einer Mannschaft, die weiß, dass heute nichts mehr anbrennt. Petershütte mühte sich, kam aber kaum zu zwingenden Chancen. 8 Torschüsse standen am Ende 22 Auricher Versuchen gegenüber - eine Statistik, die das Kräfteverhältnis besser beschreibt als jedes taktische Diagramm.

In der 64. Minute machte Vladyka endgültig den Deckel drauf. Wieder war es ein Angriff über links, wieder legte Nesim Bekdik auf, wieder zappelte der Ball hinter Keeper Kai Lockhart. 1:4 - und diesmal schaute selbst der Stadionsprecher verlegen auf seine Notizen, bevor er das Tor verkündete.

"Wir waren einfach zu brav", gab Petershüttes Abwehrchef Carl Binder später zu. "Die sind gerannt wie die Irren, und wir standen daneben und haben applaudiert." Ein Satz, der die 90 Minuten treffend zusammenfasst.

Aurich dagegen spielte den Stiefel souverän herunter. Selbst eine Gelbe Karte für Linksverteidiger Andreas Zimmer (34.) brachte keine Unruhe. Die Gäste hielten Ball und Gegner geschickt fern, Ballbesitz 52 Prozent, Zweikampfquote knapp 54 Prozent - Zahlen, die in dieser Liga normalerweise für ein Spitzenteam stehen.

Nach Abpfiff klatschte Alexander Lauf seinen Jungs durch die Reihe. "Die Jungs sind jung, wild, manchmal zu wild", sagte er schmunzelnd. "Aber wenn sie so weitermachen, dann brauchen wir bald einen größeren Bus für die ganzen Scouts."

Auf der anderen Seite stapfte Petershüttes Torschütze Niko Klein enttäuscht vom Platz. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", seufzte er, "aber Aurich hat uns einfach nicht gelassen. Nach dem 1:3 war der Stecker raus."

Während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb das Gefühl, dass hier eine Generationenfrage beantwortet wurde: Aurichs Teenagertalent gegen Petershüttes erfahrene, aber müde Beine. 19 gegen 33 - das war an diesem Abend die entscheidende Statistik.

Und so ging der Ballbesitz von 47,5 Prozent für Petershütte eher als Trostpreis durch. Der Rest war Lehrstunde in Dynamik, Spielfreude und jugendlicher Frechheit. Die Fans der Gastgeber verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus, wohl wissend, dass man an diesem Abend schlicht überrannt worden war.

Bleibt also die Erkenntnis: Wer zu spät in die Zweikämpfe kommt, bekommt in der Verbandsliga D keine Blumen, sondern vier Stück eingeschenkt. Und wenn Aurich weiter so spielt, könnte man in Ostfriesland bald wieder vom Aufstieg träumen.

Oder, wie ein Petershütter Fan beim Hinausgehen trocken bemerkte: "Naja, wenigstens war das Bier kalt."

20.02.644000 00:05
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Sprücheklopfer
Ich wollte in taktischer Hinsicht ins Spiel von außen her eingreifen. Aber als der Schiedsrichterassistent die Einwechslung eines meiner wichtigsten Ergänzungsspieler übersehen hatte, wurde ich langsam ungehalten.
Christoph Daum
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