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Es war ein Abend, der in Aurich wohl noch eine Weile Gesprächsstoff liefern wird: 2887 Zuschauer, nasse Ränge, aber trockene Kehlen - und ein SVG, der die Gäste aus Flensburg mit 3:0 aus dem Ostfriesland-Stadion fegte. Schon nach einer halben Stunde war klar, wer hier Herr im Hause ist. Und das mit einer jugendlich-frechen Spielfreude, die man in der Verbandsliga D nicht alle Tage sieht. "Ich hab den Jungs gesagt: Spielt einfach Fußball - und wenn’s regnet, dann schwimmt der Ball halt ein bisschen", grinste Trainer Alexander Lauf nach Schlusspfiff, während ihm der Physio ein Handtuch zuwarf. Seine Mannschaft hatte da längst klargemacht, dass sie nicht nur technisch, sondern auch taktisch den Ton angibt. In der 16. Minute eröffnete David Vladyka den Torreigen. Der 20-Jährige, flink wie ein Wiesel und mit dem Selbstvertrauen eines alten Hasen, zog nach feinem Zuspiel von Dylan Veesaert von rechts in die Mitte und schob flach ins lange Eck - 1:0. Gästetorhüter Lennard Hanke streckte sich, als wolle er den Regen aufhalten, aber der Ball war längst im Netz. Nur acht Minuten später wurde’s noch schöner. Marvin Mohr, Aurichs Linksaußen mit der Körpersprache eines Rockstars, traf nach Vorarbeit von Robin Meiser zum 2:0. "Ich hab gesehen, dass Robin mich sucht - und dann einfach draufgehalten", sagte Mohr später und grinste: "Wenn man so viele Chancen hat, muss irgendwann einer rein." Und Chancen hatte Aurich reichlich: 19 Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, während Flensburg ganze drei Mal auf das Tor von SVG-Keeper Julian Rothe zielte. Die Gäste wirkten phasenweise wie ein Auto im dritten Gang am Berg. Zwar bemüht, aber ohne Zug. Maximilian Voigt prüfte Rothe in der 15. Minute mit einem Schuss aus spitzem Winkel - das war’s dann aber schon fast mit der norddeutschen Offensivfreude. Trainer der Flensburger, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte, fasste es später trocken zusammen: "Wir waren da, mehr kann ich dazu nicht sagen." Kurz nach der Pause legte Aurich noch einen drauf. Wieder war es der 19-jährige Robin Meiser, der nach Pass von Veesaert zum 3:0 traf (46.). Ein Tor, das so schnörkellos war, dass selbst der Linienrichter kurz mit dem Winken zögerte. Damit war der Deckel drauf, und das Spiel plätscherte - im wahrsten Sinne - seinem Ende entgegen. Auffällig: Trotz deutlicher Überlegenheit blieb Aurich diszipliniert. Nur eine Gelbe Karte (Koenraad Wyman in der 12. Minute) trübte die ansonsten blitzsaubere Bilanz. Die Flensburger nahmen sich da später ein Beispiel und holten sich durch Tomasz Albers in der 81. Minute ihre eigene Verwarnung ab - vermutlich, um wenigstens in dieser Statistik mitzuhalten. Während die Gäste auf dem Heimweg über Taktik, Busverpflegung und Existenzfragen grübelten, feierten die Auricher Fans ihre junge Truppe. Besonders Meiser und Veesaert, beide 19, wurden mit Sprechchören bedacht. "Wenn die so weitermachen, muss ich bald Eintritt bezahlen, um sie trainieren zu dürfen", witzelte Coach Lauf und klopfte Meiser auf die Schulter. Auch die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 53 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu Spielfreude, Tempo und eine beachtliche Variabilität im Angriff. Aurich spielte "balanced", wie es in den Taktikbögen so schön heißt, aber in Wahrheit war das, was sie zeigten, eine Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und erwachsener Abgezocktheit. Flensburg hingegen blieb im Modus "kontrollierte Langeweile". Kein Pressing, keine Überraschung, kein Plan B. Der einzige, der wirklich auffiel, war Keeper Hanke - allerdings, weil er gleich mehrfach spektakulär retten musste. Als Schiedsrichterin Jansen nach 90 Minuten abpfiff, atmete Aurich durch - und der Stadionsprecher kündigte mit ironischem Unterton an: "Endstand 3:0 für den SVG Aurich - und das völlig überraschend, wenn man die letzten 89 Minuten nicht gesehen hat." Fazit: Ein souveräner, ja fast schon lässiger Auftritt der Gastgeber. Aurich mischt mit jugendlicher Frische die Liga auf und hat sich diesen Sieg redlich verdient. Wenn sie so weitermachen, wird Trainer Lauf bald ein Luxusproblem haben - nämlich, welche seiner Nachwuchstalente er überhaupt noch draußen lassen darf. Und irgendwo in Flensburg, zwischen Busmotor und Nachspielanalyse, dürfte man sich gerade fragen: Wo genau liegt eigentlich Aurich - und wie konnte man dort so untergehen? 26.03.644000 01:17 |
Sprücheklopfer
Wenn wir kein Tor machen, können wir nicht einmal in Kaiserslautern gewinnen.
Aleksandar Ristic