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Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr, Flutlicht an, Grillduft in der Luft - und 2.719 Zuschauer im Stadion an der Ellernfeldstraße. Sie kamen, um Fußball zu sehen, und sie bekamen ein Spektakel geliefert, das in Spandau vermutlich noch Albträume auslöst. Der SVG Aurich fegte den Spandauer SV mit 5:0 vom Platz, ein Ergebnis, das so deutlich war, dass selbst der Stadionsprecher irgendwann aufhörte, die Torschützen zu betonen. "Ich hatte Angst, meine Stimme geht vorher kaputt", grinste er nach dem Abpfiff. Schon die ersten Minuten deuteten an, dass das hier kein ausgeglichenes Duell werden würde. Marvin Mohr, der Auricher Linksaußen, war offenbar mit einem Turbo aufgewacht. Drei Torschüsse in den ersten zehn Minuten - die Spandauer Abwehr wirkte, als habe sie im Bus noch Sudoku gespielt. In der 11. Minute dann der erste Treffer: Robin Hoppe, 18 Jahre jung, schlenzte den Ball nach Vorlage von Nils Reimann ins lange Eck. 1:0. Es war der Startschuss zu einem Fußballabend, der für die Gäste in Richtung Desaster marschierte. Nur zwölf Minuten später klingelte es wieder. David Vladyka stieß auf der rechten Seite durch, bekam den Ball von Dylan Veesaert und traf trocken - 2:0. Spandau? Völlig orientierungslos. Ein Fan auf der Gegengerade murmelte: "Die suchen noch den Weg aus der Kabine." Er hatte nicht ganz Unrecht. Als Marvin Mohr in der 32. Minute das 3:0 erzielte, war das Spiel im Grunde entschieden. Aurich kombinierte wie im Training - kurz, präzise, lässig. Spandau stand tief, aber eben nicht tief genug. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", sagte Spandaus Innenverteidiger Marco Arena, der in der 74. Minute Gelb sah. "Aber wenn du ständig hinterherläufst, stehst du halt überall - nur nicht richtig." Nach der Pause dasselbe Bild: Aurich dominierte, als spiele man Powerplay im Eishockey. In der 53. Minute durfte Mohr erneut jubeln. Nach feinem Zuspiel von Nesim Bekdik setzte er den Ball unhaltbar unter die Latte. 4:0. Die Spandauer begannen zu diskutieren, der Torwart Herbert Weller wirkte zunehmend verzweifelt. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", murmelte er nach dem Spiel. Und als wäre das noch nicht genug, schloss Günter Rose in der 56. Minute den Torreigen ab - ausgerechnet der rechte Verteidiger! Nach einer Hereingabe von Hoppe wuchtete er den Ball über die Linie. Aurich führte 5:0, und das Stadion bebte. Man hatte das Gefühl, selbst der Platzwart wollte noch einen Freistoß treten. Statistisch war das Ganze eine Machtdemonstration: 32 Torschüsse für Aurich, einer für Spandau (ja, einer), 59 Prozent Ballbesitz, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Die Gäste wirkten, als hätten sie das Wort "Pressing" nur aus dem Wörterbuch gekannt. Ihr einziger Schuss - ein müder Versuch von Jürgen Freund in der 45. Minute - wurde von Julian Rothe im Auricher Tor locker gefangen. Nach dem Spiel versuchte Spandaus Trainer, die Fassung zu wahren. "Wir hatten uns viel vorgenommen", sagte er mit einem gequälten Lächeln, "aber Aurich hat heute alles richtig gemacht - und wir gar nichts." Sein Auricher Pendant grinste breit: "So ein Spiel wünscht man sich als Trainer. Vielleicht schreib ich das an die Kabinenwand: ’Einfach Spaß haben’." Besonders auffällig war die jugendliche Frische des SVG: Hoppe (18), Vladyka (20), Mohr (24) - die Zukunft scheint in Aurich schon Gegenwart zu sein. "Das ist unsere Philosophie", sagte ein Vereinsfunktionär stolz. "Wir setzen auf junge Spieler. Und wenn sie so weitermachen, können wir bald Eintritt verlangen nur fürs Aufwärmen." Spandau hingegen wird die lange Rückfahrt nach Berlin wohl schweigend antreten. Vielleicht mit der Erkenntnis, dass "balanced" in der Taktik nicht bedeutet, das Gleichgewicht zu verlieren. Am Ende blieb das Gefühl, dass Aurich an diesem Abend nicht nur drei Punkte holte, sondern auch ein Statement setzte: Hier wächst etwas zusammen. Und Spandau? Die werden sich wünschen, sie hätten einfach Netflix eingeschaltet. Ein Zuschauer fasste es nach Abpfiff lakonisch zusammen: "Fünf Tore, kein Gegentor, Bratwurst war auch gut - was will man mehr?" Nun ja, vielleicht ein bisschen Spannung. Aber wenn man Aurich-Fan ist, darf’s ruhig öfter so laufen. 11.05.644000 11:13 |
Sprücheklopfer
Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie