Elfmeter
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Aurichs junge Wilde stürmen Northeim nieder - Eintracht verliert 1:2

Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr, Flutlicht über dem Gustav-Wegner-Stadion. 2683 Zuschauer hatten sich eingefunden, um zu sehen, ob Eintracht Northeim den Tabellenneunten aus Aurich in die Schranken weisen würde. Am Ende ging der Plan von Trainer Tim Picke nur zur Hälfte auf: Seine Mannschaft kämpfte, rackerte, flog - aber SVG Aurich nahm mit einem abgeklärten 2:1 (1:0) verdient alle drei Punkte mit nach Ostfriesland.

Schon in den Anfangsminuten zeichnete sich ab, dass die Gäste aus Aurich mehr Lust auf Offensivfußball hatten. 18 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache - und dass man das Spielgerät dabei fast 58 Prozent der Zeit in den eigenen Reihen hielt, ebenso. "Wir wollten mutig sein. Und ehrlich gesagt: Es hat Spaß gemacht", grinste Aurich-Coach Alexander Lauf später, während er sich die Kappe tief ins Gesicht zog, um den aufkommenden Nieselregen abzuwehren.

In der 10. Minute fiel dann das, was man gemeinhin als logische Konsequenz bezeichnet. Linksverteidiger Andreas Zimmer flankte butterweich - und Nesim Bekdik, 19 Jahre jung, rauschte heran und köpfte das Leder unhaltbar neben den Pfosten. 1:0 für die Gäste. Keeper Justin Schultz konnte nur noch hinterherschauen. Auf der Tribüne brummelte ein älterer Northeim-Fan: "Früher hätten wir solche Dinger verteidigt."

Die Eintracht wachte erst gegen Ende der ersten Hälfte auf. Swen Franz, der 17-jährige Hoffnungsträger, prüfte Aurichs Torhüter Julian Rothe mit einem satten Schuss in der 41. Minute. Rothe hechtete und riss den Ball spektakulär aus dem Winkel. "Ich hab ihn kommen sehen - aber nicht geglaubt, dass der wirklich fliegt", meinte Franz später schmunzelnd.

Nach dem Wechsel änderte sich wenig. Northeim blieb defensiv, lauerte auf Konter, während die Auricher weiter ruhig ihre Kreise zogen. In der 63. Minute dann der nächste Nadelstich: Bekdik tanzte auf der linken Seite zwei Northeimer aus, legte quer, und Robin Meiser bedankte sich mit einem trockenen Abschluss ins rechte Eck - 2:0. "Die Jungs haben das heute richtig clever runtergespielt", lobte Trainer Lauf.

Für Northeim kam es danach noch dicker: Rechtsverteidiger Karl Paul, der bereits in der 34. Minute Gelb gesehen hatte, übertrieb es in Minute 70 mit dem Körpereinsatz - Gelb-Rot, frühe Dusche. "Ich wollte nur zeigen, dass wir uns nicht verstecken", rechtfertigte er sich später mit einem leicht verlegenen Lächeln. Trainer Picke hingegen sah das weniger humorvoll: "Disziplin ist keine Option, sondern Pflicht. Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht."

Doch wer glaubte, die Eintracht würde sich ihrem Schicksal ergeben, der irrt gewaltig. In der 86. Minute, als die meisten Zuschauer schon gedanklich beim Feierabendbier waren, kam plötzlich Bewegung in die Sache. Rafael Santoyo setzte sich auf links durch, flankte scharf in den Strafraum, und Swen Franz drückte den Ball zum 1:2 über die Linie. Das Stadion erwachte noch einmal - die letzten Minuten wurden zum offenen Schlagabtausch.

Aurichs Nachwuchssturm, allen voran der 17-jährige Marcel Hoffmann, hatte noch Chancen, das Ergebnis zu erhöhen, aber Northeims Torhüter Schultz hielt, was zu halten war. Kurz vor Schluss rauschte ein weiterer Schuss von Hoffmann knapp am Pfosten vorbei - und auf der Bank der Gäste wurde bereits gejubelt, als hätte man den Klassenerhalt perfekt gemacht.

Am Ende blieb es beim 1:2. Verdient, weil Aurich das Tempo bestimmte, die klareren Chancen hatte und Northeim über weite Strecken nur hinterherlief. 5:18 Torschüsse und 42 Prozent Ballbesitz sprechen Bände. "Wir haben zu spät angefangen, an uns zu glauben", sagte Picke nachdenklich. "Aber die Moral stimmt, das Tor von Swen war wichtig für den Kopf."

Während die Northeimer Fans ihre Mannschaft trotzdem beklatschten, feierten die Auricher ausgelassen vor der Gästekurve. Bekdik, der Torschütze des ersten Treffers, ließ sich feiern wie ein alter Hase und rief lachend: "Das war doch mal ’ne Klassenfahrt wert!"

Und so endete ein Abend, der ein bisschen von allem bot - jugendlichen Übermut, rote Karten, späte Hoffnung und eine Prise norddeutscher Gelassenheit. Eintracht Northeim bleibt nach dieser Niederlage im Mittelfeld stecken, Aurich dagegen schnuppert leise an der oberen Tabellenhälfte.

Oder wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Schön war’s trotzdem - aber ein bisschen weniger schön für die Eintracht."

04.01.644000 22:00
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Erich Ribbeck
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