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Wenn man 2831 Zuschauer an einem lauen Maiabend ins Auricher Stadion lockt, dann muss man ihnen etwas bieten. Und die SVG Aurich hielt Wort: Mit einem 2:0 über den VfB Lohberg spielte sich die junge Truppe in die Herzen der Fans - und den Gegner an den Rand der Verzweiflung. Zwei Tore, 27 Torschüsse, ein Ballbesitz von fast 57 Prozent - das war weniger ein Fußballspiel als eine Einbahnstraße mit Flutlicht. Von Beginn an rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Lohbergs Keeper Detlev Rodriguez zu. Schon in der 15. Minute zwang der agile Nesim Bekdik den Torwart mit einem satten Schuss aus 18 Metern zur ersten Glanztat. "Ich hab den Ball kaum gesehen, nur gehört", scherzte Rodriguez später. Seine Abwehrkollegen lachten gequält - sie hatten in diesen 90 Minuten genug zu tun, um das Wort "Erholung" aus ihrem Wortschatz zu streichen. Aurichs Trainer - ein Mann mit Hang zum Understatement - zeigte sich nach dem Spiel gewohnt trocken: "Wir wollten einfach Spaß am Ball haben. Dass der Gegner dabei mitspielt, ist ja nicht verboten." Spaß hatten sie tatsächlich, vor allem ein 17-Jähriger mit blondem Schopf und keiner Spur von Lampenfieber: Marcel Hoffmann. In der 31. Minute bekam er einen perfekten Pass von David Vladyka serviert, nahm den Ball mit der Brust an und drosch ihn humorlos ins rechte Eck. 1:0 - und die Tribüne bebte. "Ich dachte, ich träume", grinste Hoffmann hinterher, "aber dann hab ich gemerkt: das ist echt!" Lohberg hingegen fand offensiv kaum statt. Ganze zwei Torschüsse verzeichneten die Statistiker für die Gäste - einer davon in der 78. Minute, als Nevio Ulrich aus der Distanz versuchte, Aurichs Torwart Lars Fischer zu testen. Fischer, der bis dahin vermutlich mehr Zeit hatte, die Sterne über Aurich zu zählen als Bälle zu fangen, wischte den Schuss lässig zur Ecke. "Das war wie ein Weckruf - aber irgendwie hat keiner bei denen den Wecker gehört", witzelte ein Zuschauer auf der Haupttribüne. Die zweite Halbzeit war ein Lehrstück in Geduld: Aurich kombinierte, flankte, schoss - und scheiterte zunächst am eigenen Übermut oder an Rodriguez’ fliegenden Paraden. Zwischen Minute 58 und 64 zählten wir sechs (!) Abschlüsse der Gastgeber, von Dylan Veesaert über Marcel Hoffmann bis zu Günter Rose, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich Rechtsverteidiger ist. "Wenn selbst der Außenverteidiger anfängt zu schießen, weißt du, dass du das Spiel im Griff hast", grinste Mittelfeldmann Robin Meiser. In Minute 73 gab’s die erste Gelbe Karte: Lukas Riedel stoppte einen Konterversuch rustikal - zu rustikal, meinte der Schiedsrichter. Vier Minuten später erwischte es dann auch Günter Rose, der sich über den Pfiff derart echauffierte, dass er den Ball theatralisch wegschlug. "Emotionen gehören dazu", sagte er später, "aber der Ball war eh schon kaputt." Das zweite Tor fiel schließlich in der 85. Minute - und es war so schön, dass man fast Mitleid mit Lohberg haben musste. Robin Hoppe, der 18-Jährige Wirbelwind auf der rechten Seite, ließ zwei Gegenspieler stehen, flankte butterweich, und Mecit Caliskan nahm den Ball volley. Rodriguez flog, das Tornetz zitterte, und die SVG-Fans sangen, als ginge es um die Meisterschaft. 2:0 - verdienter konnte ein Ergebnis kaum sein. Nach dem Abpfiff wirkte Lohbergs Trainer resigniert, aber gefasst: "Wir wollten kompakt stehen. Hat ja auch geklappt - bis sie anfingen, Fußball zu spielen." Ein bitteres Lächeln huschte über sein Gesicht. Aurichs Coach dagegen lobte seine Jungs überschwänglich: "Diese Energie, dieser Mut - das ist genau das, was wir hier aufbauen wollen. Wenn du mit einem 17-Jährigen vorne anfängst und der spielt, als hätte er schon 100 Spiele, dann weißt du, dass du auf dem richtigen Weg bist." Zum Schluss standen die jungen Auricher in einer Traube auf dem Rasen, Arm in Arm, und ließen sich feiern. Hoffmann hatte noch genug Puste für ein Selfie mit dem Balljungen, Caliskan tanzte kurz mit dem Maskottchen, und irgendwo auf der Tribüne rief einer: "Lasst sie nie älter werden!" Vielleicht war das der schönste Satz des Abends - denn so unbeschwert, so frech und so spielstark hat man die SVG Aurich lange nicht gesehen. Ein 2:0, das sich anfühlt wie ein Versprechen für die Zukunft. Und für Lohberg? Nun ja - sie durften wenigstens den Sonnenuntergang genießen. 14.06.644000 20:40 |
Sprücheklopfer
Als ich zuletzt Sergio in Eurosport gesehen habe, dachte ich mir auch nur: Das kann er nicht sein, da muss sich einer maskiert haben.
Rainer Calmund