Elfmeter
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Aurichs junger Wirbelwind fegt Neetze vom Platz - 0:4 im Flutlicht

Es war ein lauer Maiabend in Neetze, 20:15 Uhr, Flutlicht, 2649 Zuschauer, und doch fühlte sich der Auftakt an wie ein kalter Schauer für die Heimmannschaft. Nach nicht einmal fünf Minuten zappelte der Ball schon im Netz - und das nicht in dem von Aurich. Marvin Mohr, der 24-jährige Linksaußen mit der Dynamik eines Espresso-Doppels, traf nach mustergültiger Vorarbeit von David Vladyka zum 0:1. "Da war einfach Platz, und wenn man mir so viel gibt, dann nehme ich’s halt", grinste Mohr später, als wäre das Ganze ein Freundschaftskick auf dem Bolzplatz gewesen.

Nur zwei Minuten später folgte der nächste Stich ins Neetzer Fußballherz: Sascha Hesse, ebenfalls 24, verwandelte nach Vorlage von Nesim Bekdik, als hätte er einen Vertrag mit der Effizienz abgeschlossen. 0:2 - und die Fans auf der Tribüne rieben sich noch die Augen. "Wir waren gedanklich wohl noch beim Einlaufen", murmelte TuS-Kapitän Lukas Hübner später sarkastisch.

Als Aurich in der 27. Minute durch Mohr erneut traf - diesmal nach einem präzisen Zuspiel des linken Verteidigers Andreas Zimmer - war das Spiel im Grunde entschieden. 0:3 zur Pause, 17 Torschüsse für die Gäste, null für Neetze. Wer Zahlen liebt, bekam hier eine Lehrstunde in Statistik brutal. Aurich hatte knapp 59 Prozent Ballbesitz, gewann fast 60 Prozent der Zweikämpfe und spielte, als wäre die Verbandsliga nur eine Durchgangsstation.

TuS Neetze dagegen wirkte, als habe jemand den Stecker gezogen. Schon in der 8. Minute musste Niko Nowak verletzt raus - ein früher Schock, der symbolisch für den Abend stand. Trainer Preuss (der lautstark an der Seitenlinie dirigierte, aber offenbar ein Echo hatte) brachte Hermann Dietrich, doch auch der konnte das Loch im Mittelfeld nicht stopfen. Stattdessen flogen die Bälle meist in Richtung Torwart Ralph Fricke, der trotz vier Gegentoren der beste Neetzer war.

Aurich spielte indes mit fast unheimlicher Ruhe. Kein wildes Pressing, kein überdrehtes Offensivkonzept - einfach kontrollierte Dominanz. Das Wort "balanciert" stand wohl in Großbuchstaben auf der Taktiktafel. Und so war es fast folgerichtig, dass in der zweiten Halbzeit noch einer fiel. Wieder Mohr, der sich in der 83. Minute nach Zuspiel des 17-jährigen Rechtsverteidigers Jürgen Kopp durchsetzte und den Ball eiskalt einschob. Ein lupenreiner Hattrick, wenn man die Tore aus der 5., 27. und 83. Minute zusammenzählt.

Der junge Mohr wurde danach fast schüchtern, als man ihn auf seine Gala ansprach. "Ich hab einfach versucht, Spaß zu haben. Und wenn der Ball reingeht, ist’s natürlich schöner", sagte er, während sein Trainer ihn klatschend in den Arm nahm.

Und Neetze? Die kämpften bis zum Schluss, irgendwie. Man sah den Willen, aber auch die Grenzen. Kein einziger Torschuss - eine bittere Statistik, die selbst der Stadionsprecher mit Galgenhumor kommentierte: "Vielleicht heben sie sich die Chancen fürs nächste Spiel auf."

SVG-Trainer (dessen Name in der Statistik nicht überliefert ist, aber man stelle sich einen gelassenen Mann mit Kaffeebecher vor) bilanzierte trocken: "Wir wollten ruhig bleiben, kompakt stehen und vorne unsere Qualität nutzen. Hat geklappt." Und wie.

In der 42. Minute leistete sich Andreas Zimmer noch eine Gelbe Karte, vermutlich aus Langeweile, und kurz darauf musste Aurichs Innenverteidiger Lukas Riedel verletzt raus. Koenraad Wyman kam, und selbst der fügte sich nahtlos ein - als wäre das Ganze eine perfekt einstudierte Choreographie.

Nach dem Abpfiff klatschten die Auricher Spieler mit den Fans ab, während bei Neetze die Köpfe hingen. "Manchmal läuft’s halt so", meinte Keeper Fricke und zuckte mit den Schultern. "Wenn du 17 Schüsse auf dein Tor bekommst und selbst keinen abgibst, brauchst du dich über das Ergebnis nicht wundern."

Ein Satz, der alles sagt.

Aurich geht mit diesem 4:0-Sieg auswärts gestärkt in die Schlussphase der Saison und kann sich berechtigte Hoffnungen auf einen Spitzenplatz in der Verbandsliga D machen. TuS Neetze hingegen wird sich fragen müssen, wo die offensive Kreativität geblieben ist. Vielleicht beim nächsten Training, wenn Trainer Preuss die Pylonen aufstellt und sagt: "Heute schießen wir auch mal aufs Tor."

Schlusswort? Nun ja - man könnte sagen: Wenn man kein Tor schießt, kann man wenigstens Schlagzeilen machen. Leider nur die falschen.

03.06.644000 15:44
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