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Ein kalter Januarabend, 29.953 Zuschauer im ausverkauften Stadion von Jennersdorf, Flutlicht, Spannung - und am Ende ein einziger Treffer, der alles entschied. Austria Wels gewann beim 4. Spieltag der 1. Liga Österreich in Jennersdorf mit 1:0, dank eines späten Treffers von Niclas Gabriel in der 84. Minute. Während die Oberösterreicher jubelten, stand Jennersdorf ratlos auf dem Rasen. Denn eigentlich hatten sie mehr vom Spiel - zumindest, wenn man den Ballbesitz und die Statistiken betrachtet. "Wenn Fußball ein Schönheitswettbewerb wäre, hätten wir heute gewonnen", knurrte Jennersdorfs Trainer Kevo Kevo nach dem Spiel. "Aber leider zählt eben nur, wer das Runde ins Eckige bringt - und das war halt wieder mal nicht wir." Dabei begann alles verheißungsvoll: Jennersdorf kontrollierte das Geschehen, ließ den Ball mit 54 Prozent Ballbesitz ordentlich laufen und suchte geduldig die Lücke. Doch was nützt das schönste Kombinationsspiel, wenn vorne die Durchschlagskraft fehlt? Gleich in der fünften Minute prüfte Yannik Wolter den Welser Keeper Jesus Schulz mit einem wuchtigen Schuss aufs kurze Eck. Schulz aber war hellwach - und das sollte er den ganzen Abend bleiben. Austria Wels, von Trainer Großvater Dragon gewohnt pragmatisch eingestellt, lauerte auf Konter. Und die Welser Youngster, allen voran der 19-jährige Patrik Albrecht, machten den Gastgebern das Leben schwer. Albrecht feuerte allein in der ersten halben Stunde drei gefährliche Schüsse aufs Tor ab, doch immer war Torhüter Manfred Fleischer zur Stelle - ein 17-jähriger Nachwuchsmann, der sich mit einer Reihe starker Paraden empfahl. "Der Bua hat Nerven wie Drahtseile", staunte Jennersdorfs Kapitän Marc Jean-Pierre nach dem Spiel. "Wenn er so weitermacht, steht er bald in der Nationalmannschaft - allerdings hoffentlich dann mit mehr Toren vor uns als hinter uns." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Jennersdorf mit dem Ball, Wels mit Geduld. Trainer Dragon blieb seiner Linie treu: defensiv stehen, lange Bälle auf Albrecht - und hoffen. In der 51. Minute brachte er den 20-jährigen Niclas Gabriel, der prompt zum Glücksgriff wurde. Ab Minute 70 kippte die Partie langsam. Jennersdorf wirkte müde, während die Welser frischer wirkten. Yanik May prüfte in der 64. Minute erneut Fleischer, kurz darauf scheiterte Gabriel nur knapp. Die Gastgeber versuchten es mit langen Bällen - was angesichts ihrer "ausgewogenen" Ausrichtung ein wenig verzweifelt wirkte. Dann die 84. Minute: Patrik Albrecht, an diesem Abend ein ständiger Unruheherd, zog auf rechts zwei Verteidiger auf sich, legte quer - und Gabriel traf flach ins linke Eck. 0:1. Der Gästeblock explodierte, Dragon riss die Arme hoch, und man konnte fast hören, wie Jennersdorf kollektiv aufstöhnte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Gabriel später. "Patrik hat mir den Ball perfekt hingelegt - da musste ich nur noch den Fuß hinhalten. Ich glaube, unser Trainer hat in dem Moment zehn Jahre jünger ausgesehen." Großvater Dragon bestätigte das mit einem breiten Lächeln: "Wir haben nicht schön gespielt, aber effizient. Manchmal reicht das." Jennersdorf versuchte in der Schlussphase noch einmal alles. Ein Kopfball von Linus Steiner (70.) ging knapp vorbei, Wolter verzog in der Nachspielzeit aus fünf Metern. Und als Timo Reimann in der 91. Minute auch noch Gelb sah, war der Frust komplett. Die Statistik sprach am Ende eine bittere Sprache: 7 Torschüsse für Jennersdorf, 14 für Wels. Ballbesitz: 54 zu 46 Prozent. Tacklingquote: 46 zu 54. Zahlen, die in der Kabine des Heimteams wohl kaum Trost spenden werden. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz kein Selbstzweck ist", meinte Trainer Kevo mit einem Seufzer. "Ich hätte lieber 30 Prozent Ballbesitz und ein Tor als 54 Prozent und null Punkte." Die Fans nahmen es mit Galgenhumor. Einer rief nach dem Schlusspfiff: "Vielleicht sollten wir einfach auf Elfmeterschießen trainieren - da haben wir wenigstens eine Chance, den Ball ins Tor zu kriegen!" Austria Wels hingegen feierte ausgelassen. Im Mannschaftsbus soll laut Augenzeugen eine Playlist gelaufen sein, die mit dem Refrain "Auswärtssieg!" begann - und wohl noch bis in die Nacht hinein erklang. Schlusswort? Jennersdorf bleibt das Team der guten Ansätze und schlechten Abschlüsse. Austria Wels dagegen beweist, dass man mit Disziplin, Geduld und einem eiskalten 20-Jährigen auch auswärts große Punkte holen kann. Und Trainer Dragon? Der fasste es trocken zusammen: "Ein 1:0 auswärts - das ist wie eine heiße Suppe im Winter: schmeckt nicht jedem, aber wärmt ungemein." 04.03.643987 21:30 |
Sprücheklopfer
Das, was ich schon die letzten 20 Jahre gemacht habe, mich wichtig machen und deppert reden!
Toni Polster auf die Frage, was er im Gladbach-Management tun werde