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Ayax Amsterdam dreht das Spiel - Vanderveer schreibt Geschichte mit Hattrick in 13 Minuten

Eredivisie | 1. Spieltag | 05.07.26 | Ayax Amsterdam - Flevo Boys 3:2

Das war kein Fußballspiel, das war eine Charakterstudie in Dramatik. 33.974 Zuschauer in der Johan-Cruyff-Arena sahen am Sonntagabend, wie Ayax Amsterdam beim Eredivisie-Auftakt gegen die mutigen Flevo Boys zunächst wie ein schläfriger Riese wirkte - und sich dann unter dem Flutlicht in einen stürmenden Titanen verwandelte. Endstand: 3:2 für Ayax, obwohl es zur Pause noch 0:2 hieß.

Die ersten 45 Minuten gehörten eindeutig den Gästen aus Emmeloord. Die Flevo Boys, trainiert von Matthias Ging, spielten frech auf, als hätten sie vergessen, dass sie hier eigentlich der Außenseiter waren. Schon in der 21. Minute traf Luka Braun nach feinem Zuspiel von Zeeman Devenpeck - ein Schuss wie ein chirurgischer Eingriff: präzise, schmerzhaft für Ayax. In der 39. Minute folgte das 0:2 durch Joschua Schultz, der nach Vorarbeit von Nelio Teixeira eiskalt einschob.

Ayax-Trainer Jochen Eichhorst stand an der Seitenlinie und kaute so heftig auf seinem Kaugummi, dass man befürchtete, das Ding würde gleich die Coaching-Zone verlassen. "Wir haben uns in der ersten Halbzeit benommen wie Gäste im eigenen Haus", knurrte er später.

In der Kabine muss Eichhorst dann den richtigen Knopf gefunden haben - vielleicht auch den Lautstärkeregler. Denn nach dem Wiederanpfiff sah man ein völlig anderes Ayax. Das Team stellte auf offensives Pressing um, ging mit voller Aggressivität drauf, während die Flevo Boys zunehmend in die Defensive gedrängt wurden.

In der 58. Minute fiel der Anschlusstreffer. Lars Vanderveer, der schon in der ersten Halbzeit gefährlich, aber glücklos gewesen war, verwandelte nach Vorarbeit von Innenverteidiger Carles Herrera. Nur elf Minuten später - wieder Vanderveer, wieder Herrera als Vorbereiter. 2:2, die Arena tobte, und die Flevo Boys sahen plötzlich aus, als hätten sie in einem Wirbelsturm den Kompass verloren.

Und dann kam die 71. Minute. Noch ehe sich die Gäste gesammelt hatten, setzte Vanderveer erneut an, diesmal nach Pass von Oscar Leachman. Der Ball zappelte im Netz - Hattrick! Drei Tore in 13 Minuten, ein Abend für die Geschichtsbücher. "Ich hab einfach nicht aufgehört zu schießen", grinste Vanderveer nach dem Spiel, "irgendwann musste ja mal einer reingehen - oder drei."

Die Flevo Boys suchten ihrerseits nach Antworten, doch ihnen fehlte plötzlich die Leichtigkeit der ersten Hälfte. Trainer Ging wechselte in der 75. Minute Nelson Morte für Devenpeck ein, eine Maßnahme, die eher nach Verzweiflungsakt als nach taktischer Finesse roch. "Wir wollten frischen Wind bringen", erklärte Ging später - und fügte mit einem gequälten Lächeln hinzu: "Leider war’s eher ein laues Lüftchen."

Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - Ayax hatte 52,7 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse gegenüber acht der Gäste. Aber diese Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Sie sagen nichts über die Körpersprache Vanderveers, der in der zweiten Halbzeit wirkte, als würde er allein gegen die Welt kämpfen. Nichts über den jungen Oscar Leachman, der in der 81. Minute Gelb sah, weil er offenbar selbst nicht glauben konnte, dass man nach so einem Comeback noch faulen darf.

Torhüter Nebojsa Jevtic, der in der ersten Halbzeit zweimal hinter sich greifen musste, lehnte nach dem Schlusspfiff am Pfosten und sagte trocken: "Ich sollte öfter zwei kassieren - dann gewinnen wir wohl immer."

Auch Trainer Eichhorst fand seinen Humor wieder: "Ich wollte eigentlich defensiv wechseln, aber dann dachte ich: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil. Zum Glück haben’s die Jungs anders verstanden."

Die Zuschauer verließen das Stadion mit diesem typischen "Hast du das gesehen?!"-Gesichtsausdruck, den man nur nach Spielen bekommt, bei denen man erst verzweifelt und dann euphorisch aufspringt.

Ayax Amsterdam startet damit erfolgreich in die Eredivisie-Saison 2026/27 - mit einem Sieg, der sich anfühlt wie ein Neuanfang nach einem Albtraum. Und Flevo Boys? Sie fahren heim mit leeren Händen, aber erhobenem Kopf. Denn 45 Minuten lang hatten sie das Unmögliche möglich gemacht.

Vielleicht war diese zweite Halbzeit ja eine Erinnerung daran, dass Fußball manchmal einfach ein launischer Gott ist - und Ayax an diesem Abend sein Lieblingskind.

05.07.2026 21:15
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Meine Unbekümmertheit wandelte sich in kontollierte Spontaneität.
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