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Manchmal ist Fußball wie ein Jazzkonzert: Jeder spielt sein Solo, und wenn alles passt, klingt’s einfach großartig. Am 7. Spieltag der 1. Liga Niederlande war Ayax Amsterdam der Jazzclub, ONS Sneek das Publikum - und das bekam reichlich auf die Ohren. 5:1 hieß es am Ende vor 32 077 begeisterten Zuschauern, die sich nach Abpfiff noch fragten, ob sie gerade ein Ligaspiel oder eine Lehrstunde in Offensivfreude erlebt hatten. Schon nach sieben Minuten ging das Spektakel los. Lars Vanderveer, der Mann mit der linken Klebe, vollendete nach einem feinen Zuspiel von Humberto Travassos zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich", grinste Vanderveer später. "Ich dachte, Jochen Eichhorst schreit mich gleich an, weil ich nicht quergelegt habe." Der Trainer lachte nur: "Wenn er so weitermacht, darf er alles machen - sogar schießen." Und er machte weiter. In der 21. Minute war es wieder Vanderveer, diesmal nach einer präzisen Flanke von Innenverteidiger Severin Bak. Ayax spielte offensiv, aber mit Bedacht, wie Eichhorst es liebt - "offensiv, aber nicht naiv", wie er sagt. ONS Sneek wirkte in dieser Phase so, als hätten sie die Spielanweisung "Balanced" etwas zu wörtlich genommen: Ein bisschen von allem, aber von nichts genug. Der dritte Schlag folgte kurz darauf: Daniel Willoughby netzte in der 27. Minute ein, nachdem Lucas O’Dea ihm den Ball in den Lauf gelegt hatte - 3:0, Halbzeit, und die Sneeker schauten aus, als hätten sie sich lieber eine Decke über den Kopf gezogen. Dabei hatten die Gäste statistisch sogar mehr Ballbesitz - 52 Prozent! - aber was hilft das, wenn der Ball nie dorthin kommt, wo es weh tut? Vier Torschüsse brachten sie zustande, einer davon ein Treffer. Marco Bianchi, der erfahrene Linksaußen, traf direkt nach Wiederanpfiff in der 47. Minute, nach einer schönen Vorlage von Joao Vaz. Ein Hoffnungsschimmer - kurz, aber hell. Doch Ayax ließ sich den Swing nicht nehmen. Trainer Eichhorst wechselte in der 60. Minute frische Energie ein: Oskar Ottosen kam für O’Dea, Eric Lindblom ersetzte den jungen Francisco Forque. ONS Sneek reagierte, indem sie weiter "balancierten". Das Ergebnis: Ayax tanzte weiter. In der 73. Minute durfte dann auch der 22‑jährige Paul Leblanc jubeln - sein erster Saisontreffer. Travassos hatte den Ball mustergültig vorbereitet, und Leblanc schob überlegt ein. "Ich hab Humberto nur zugerufen, er soll’s flach spielen - er hat’s gehört. Vielleicht war das das Lauteste, was ich heute geschafft hab", witzelte der Youngster nach Abpfiff. Kurz vor Schluss wurde es nochmal bunt: Travassos, der schon zwei Assists auf dem Konto hatte, fing sich in der 89. Minute eine Gelbe Karte ein - für ein etwas leidenschaftliches Einsteigen. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch verteidigen kann", grinste er. In der Nachspielzeit machte er’s dann endgültig rund: In der 95. Minute traf er selbst zum 5:1-Endstand, nach Vorlage des eingewechselten Ottosen. Da war der Jubel so groß, dass selbst der Stadionsprecher kurz die Stimme verlor. "Das war heute ein Statement", sagte Trainer Jochen Eichhorst nach dem Spiel. "Wir haben offensiv gedacht, defensiv gearbeitet und zwischendurch sogar Spaß gehabt. So soll’s sein." Sein Gegenüber, der sichtlich gezeichnete Coach von ONS Sneek, murmelte nur: "Wir hatten den Ball, aber sie hatten die Tore." Treffender kann man es kaum zusammenfassen. 19 Torschüsse für Ayax, nur 4 für Sneek - die Zahlen lügen nicht. Und obwohl die Gäste mehr Ballbesitz hatten, wirkte Ayax in jeder Sekunde gefährlicher. Es war kein Spiel der Taktik, sondern der Konsequenz. Und vielleicht auch der Freude am Fußball. Nach dem Abpfiff standen Vanderveer und Willoughby Arm in Arm vor der Fankurve, klatschten, lachten und ließen sich feiern. "Wir haben heute gezeigt, dass wir Spaß am Spiel haben", sagte Willoughby. "Und wenn du Spaß hast, machst du Tore." Am Ende verließen 32 077 Menschen das Stadion mit einem Lächeln - und ONS Sneek wohl mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz ohne Biss so nützlich ist wie ein Regenschirm im Sturm. Ein augenzwinkerndes Schlusswort: Wenn Ayax so weiterspielt, sollte die Liga vielleicht die Notbremse neu erfinden - sonst tanzen die Amsterdamer bald allein auf dem Rasen. 08.04.643987 21:10 |
Sprücheklopfer
Lieber ewiges Talent als gar kein Talent.
Mehmet Scholl