// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Es war ein kalter Januarabend in Capelle, aber was sich am 4. Spieltag der 1. Liga Niederlande vor 34.499 Zuschauern abspielte, war alles andere als frostig. Ein Schlagabtausch, ein bisschen Drama, eine Prise Ironie des Spiels - und am Ende ein 2:3 aus Sicht der Gastgeber gegen ein abgezocktes Ayax Amsterdam. Trainer Steffen Jänike von Capelle hatte seine Elf offensiv eingestellt, auf schnelle Konter und kurze Pässe gesetzt. "Wir wollten Ayax dort wehtun, wo sie sich am liebsten selbst den Ball zuschieben", erklärte er später mit einem bitteren Grinsen. Und tatsächlich: Die erste halbe Stunde gehörte seinen Männern. Evdoxios Nioplias prüfte schon früh den Amsterdamer Keeper Adriano Quaresma (4.), und Finlay McShane, der später zum Mann des Abends werden sollte - zumindest für 45 Minuten - war ständig in Bewegung. Doch dann kam Minute 32. Der Ball zappelte im Netz - allerdings im falschen. Ayax’ Rechtsaußen Noach Hacker, der Name war an diesem Abend Programm, nutzte eine Unaufmerksamkeit in Capelles Abwehr. Nach feinem Zuspiel von Innenverteidiger Rafael Solana drosch er den Ball humorlos unter die Latte. 0:1 - und plötzlich war die Stille im Stadion lauter als die Fangesänge zuvor. Capelle schüttelte sich kurz - und schlug zurück. Vier Minuten später war es Finlay McShane, der nach Vorarbeit von Ruben Waldo den Ausgleich erzielte. Ein sauberer Abschluss, trocken ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du zu viel nachdenkst, ist der Moment schon vorbei", sagte McShane später und grinste, als wolle er sagen: manchmal hilft planloser Instinkt. Doch damit nicht genug: Drei Minuten später wieder McShane. Diesmal flankte Matej Moder punktgenau von rechts, und McShane nickte ein. 2:1 - der Jubel in Capelle war ohrenbetäubend, Jänike pumpte die Faust, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. Zur Halbzeit sah alles nach einer kleinen Sensation aus. Capelle mit 47,9 Prozent Ballbesitz, zehn Torschüssen, viel Herzblut. Ayax wirkte überrascht, fast ratlos. "Wir wussten, dass sie kämpfen würden", gab Ayax-Coach Jochen Eichhorst später zu. "Aber ehrlich gesagt, in der Kabine war es ziemlich laut. Ich musste nicht viel sagen - die Jungs wussten, dass das so nicht geht." Was auch immer er gesagt (oder geschrien) hatte - es wirkte. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff glich Daniel Willoughby nach schöner Vorbereitung von Oskar Ottosen zum 2:2 aus (48.). Und kaum hatte Capelle wieder Luft geholt, stand es 2:3: Lauritz Keese traf in der 53. Minute nach Vorlage von Hacker. Zwei Tore in fünf Minuten - Ayax hatte das Spiel gedreht, als würde jemand den Schalter umlegen. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Capelle kämpfte sich zurück, brachte in der 69. Minute frische Kräfte - Tomasz Pasieka und Joshua Silvestre kamen, später auch Nick Schmitt. Aber der Ball wollte einfach nicht mehr über die Linie. Mal stand Quaresma im Weg, mal fehlte die Präzision. Als Capelle in der Schlussphase auf volles Risiko setzte, erinnerte das Spiel kurz an einen Jahrmarkt: viele bunte Szenen, aber keiner traf mehr ins Schwarze. In der 83. Minute sah Ayax’ Linksverteidiger Rodion Breschnew Gelb, weil er McShane rustikal stoppte. "Der hat mehr Tritte kassiert als ein Boxsack", scherzte Jänike später, nicht ohne Stolz auf seine Nummer 9. In der Nachspielzeit (95.) holte sich dann auch Capelles Tomas Bejbl noch Gelb - sinnbildlich für den aufopferungsvollen, aber leicht überdrehten Schlussspurt. "Manchmal verlierst du, obwohl du alles gibst. Und manchmal gewinnst du, weil du einfach Ayax bist", murmelte ein Fan auf der Tribüne, während er seine Mütze tiefer ins Gesicht zog. Und tatsächlich: Ayax zeigte am Ende jene Routine, die große Teams auszeichnet. 52 Prozent Ballbesitz, zwölf Torschüsse, davon drei im Netz - präzise, effizient, unaufgeregt. Capelle dagegen leidenschaftlich, mutig, aber ohne Fortune. "Wir haben sie in der ersten Halbzeit schwindlig gespielt", meinte McShane, "aber in der zweiten Halbzeit haben sie uns gezeigt, dass Erfahrung manchmal mehr zählt als Herz." Jochen Eichhorst fasste es trocken zusammen: "Drei Punkte sind drei Punkte. Schön war’s nicht immer, aber effektiv." Man hätte ihm kaum widersprechen können. Als die Flutlichtanlage erlosch, blieb ein bitterer Nachgeschmack in Capelle - und das Gefühl, dass an diesem Abend mehr möglich gewesen wäre. Aber vielleicht ist genau das der Reiz des Fußballs: dass manchmal der, der alles gibt, trotzdem verliert - und der, der ruhig bleibt, am Ende lächelt. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Wenn Capelle so weiterspielt, gewinnen sie das nächste Mal. Nur bitte nicht erst nach einer Führung." Ein Spiel, das alles hatte - außer einem Happy End für die Gastgeber. 22.02.643987 20:05 |
Sprücheklopfer
So etwas gibt es im Fußball nicht.
Günter Netzer bei der WM 98 auf die Frage, was passiert wenn Südkorea gegen Holland gewinnt