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Ayax stolpert - Dordrecht tanzt: 1:2 in der Johan-Cruyff-Arena

Eredivisie | 3. Spieltag | 07.07.26 | Ayax Amsterdam - SC Dordrecht 1:2

Es war ein warmer Sommerabend in Amsterdam, doch die Stimmung im Stadion kühlte sich merklich ab, als der Schlusspfiff ertönte. 33.525 Zuschauer sahen, wie Ayax Amsterdam am 3. Spieltag der Eredivisie gegen den SC Dordrecht mit 1:2 verlor - ein Ergebnis, das so manchem Fan die Stroopwafel im Hals stecken ließ.

Dabei fing alles ganz verheißungsvoll an. Schon in der 10. Minute verwandelte Hans De Groot eine butterweiche Hereingabe von Pedro Forque zur frühen Führung. Der Jubel auf den Rängen war laut, die Gesänge euphorisch - und Trainer Jochen Eichhorst reckte kurz die Faust gen Himmel, als wollte er sagen: "So geht Offensivfußball!"

Doch kaum hatten sich die Amsterdamer richtig gefreut, kam der Dämpfer. In der 24. Minute fasste sich Dordrechts Linksverteidiger Harvey Bettencourt ein Herz, zog von der Seite steil in den Strafraum und traf flach ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten, das war fast gegen meine Natur", lachte Bettencourt später. Assistiert hatte Emil Slawkow, der mit seiner quirligen Spielweise Ayax’ rechte Seite wiederholt alt aussehen ließ.

Es war ein Spiel, das in seiner Balance an einen Jongleur erinnerte, der auf dünnem Draht tanzt. 12 Torschüsse für Ayax, 13 für Dordrecht, Ballbesitz 49 zu 51 Prozent - Zahlen, die zeigen: Hier begegneten sich zwei Teams auf Augenhöhe. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Dordrecht seine Chancen nutzte.

Nach der Pause versuchte Ayax, das Tempo anzuziehen. Pedro Forque, der junge Mittelstürmer, rackerte unermüdlich und prüfte Torhüter Alfie Lachance mehrfach, doch der Dordrechter Keeper hatte offenbar Klebstoff an den Handschuhen. "Ich hab einfach gehofft, dass der Ball mich trifft", grinste Lachance später und wurde prompt von einem Reporter gefragt, ob das seine neue Torwartphilosophie sei.

Dann, in der 57. Minute, kam der Moment, der alles veränderte. Marnix Devenpeck, Dordrechts Routinier auf der rechten Seite, zog nach Pass von Alfie Home in die Mitte und schlenzte den Ball elegant ins Netz. 2:1 für die Gäste - und ein kollektives Raunen ging durch die Arena.

Ayax wirkte geschockt, Trainer Eichhorst reagierte mit einem Wechsel: Lovre Jurcevic kam für den glücklosen Forque (60.), später folgte Hansen Ring für Lauritz Keese (75.). Doch die Ideen fehlten, und Dordrecht blieb cool. "Wir wollten einfach nicht mehr so viel laufen wie in der ersten Hälfte", witzelte Devenpeck, der in der 79. Minute für ein taktisches Foul die Gelbe Karte sah.

Die Amsterdamer Fans versuchten, ihre Mannschaft nach vorn zu schreien, aber gegen die solide Defensive um Mattias Bloch und Rutger Verbeck war kein Durchkommen. Beide kassierten zwar Gelb, aber sie wirkten wie Türsteher eines besonders exklusiven Clubs: Eintritt nur für den Ball, nicht für Ayax-Stürmer.

In der Schlussphase versuchte Bruno Blanchet noch einmal, das Spiel herumzureißen. Sein Schuss in der 85. Minute strich nur Zentimeter über die Latte - und Eichhorst raufte sich die Haare. "So ist Fußball", sagte er hinterher lakonisch. "Wir hatten unsere Chancen, aber Dordrecht hatte ihre Nerven im Griff. Und offenbar auch bessere Schuhe."

Statistisch war es ein offenes Duell: Ballbesitz ausgeglichen, Zweikampfquote fast pari (49 zu 51 Prozent), aber die Effizienz sprach für die Gäste. Während Ayax mit schöner Regelmäßigkeit den letzten Pass zu weit spielte, blieb Dordrecht ruhig, diszipliniert und erstaunlich unbeeindruckt vom großen Namen des Gegners.

Nach dem Abpfiff umarmten sich die Dordrechter Spieler, als hätten sie gerade die Champions League gewonnen. "Wir sind einfach glücklich, hier zu bestehen", sagte Trainer Alfie Home augenzwinkernd - bevor er sich korrigierte: "Äh, ich meine natürlich: unsere Jungs haben sich das erarbeitet."

In Amsterdam dagegen klang der Abend nach Nachdenklichkeit. Einige Fans pfiffen, andere applaudierten tapfer. Auf dem Weg in die Kabine klopfte Hans De Groot seinem Trainer auf die Schulter und murmelte: "Nächstes Mal machen wir drei in der ersten Halbzeit." Eichhorst nickte nur und grinste schmal: "Dann wird’s aber auch Zeit."

Ein Spiel, das zeigt, dass der Fußball seine eigenen Gesetze hat - manchmal gewinnt nicht der, der schöner spielt, sondern der, der schlicht weniger Fehler macht. Dordrecht tat genau das. Und Ayax? Wird den Abend als Lehrstunde in Demut verbuchen - und vielleicht als Erinnerung daran, dass Ruhm im Fußball flüchtiger ist als eine Sommerbrise im Amsterdamer Abendwind.

07.07.2026 21:43
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