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Ayax zaubert, Den Haag staunt - 1:3 und viele offene Münder

Eredivisie | 6. Spieltag | 10.07.26 | FC Den Haag - Ayax Amsterdam 1:3

Ein kühler Sommerabend in Den Haag, 30.153 Zuschauer im Stadion, die Möwen kreisen über den Flutlichtmasten - und unten auf dem Rasen versucht der FC Den Haag, dem Favoriten Ayax Amsterdam das Fürchten zu lehren. Es klappte immerhin sieben Minuten lang. Dann erinnerte sich Ayax daran, dass Fußball ein Ergebnissport ist.

Dabei begann alles wie aus einem Drehbuch für den Außenseiter: In der 7. Minute dribbelte Alessandro Lago, Den Haags quirliger Linksaußen, am Strafraumrand entlang, täuschte einmal links, zweimal rechts, und während die Amsterdamer Hintermannschaft noch überlegte, welcher Schatten das war, zappelte der Ball schon im Netz. 1:0. Trainer Xurxo Zabajone sprang an der Seitenlinie in die Luft, als habe er gerade den Titel geholt. "Ich dachte, wir hätten sie kalt erwischt", grinste er später. "Aber offenbar mögen die Jungs aus Amsterdam lauwarm lieber."

Denn kaum fünf Minuten später schlug Ayax zurück. Der 19-jährige Mittelfeldspieler Gottfried Mesick - ein Name, den man sich merken muss - nahm einen klugen Pass von Lauritz Keese auf und vollendete trocken aus 18 Metern. 1:1, und plötzlich wirkte der FC Den Haag so überrascht wie ein Tourist, dem man das Fahrrad geklaut hat.

Nur fünf Minuten später wieder Mesick. Wieder aus dem Rückraum, diesmal nach Vorlage des flinken Laurentiu Gergely. 1:2 - und die Ayax-Fans auf der Tribüne begannen, rhythmisch zu pfeifen, als wollten sie dem Rest der Liga schon mal Angst machen.

"In der Kabine habe ich gesagt: Jungs, das war Lehrfilm-Material in Sachen Ballzirkulation", erklärte Ayax-Trainer Jochen Eichhorst später mit einem Lächeln, das gleichzeitig Selbstzufriedenheit und milde Überheblichkeit ausdrückte. Und man kann es ihm kaum verdenken: Seine Elf hatte am Ende 17 Torschüsse, 46 Prozent Ballbesitz - und jede Menge Spielfreude.

Den Haag kam nach der Pause noch einmal mit Mut aus der Kabine, aber das Pulver war feucht. In der 50. Minute machte der 35-jährige Daniel Willoughby, einer dieser Stürmer, die schon beim Einlaufen wie ein Torversprechen aussehen, alles klar. Wieder war Keese der Vorlagengeber, wieder sah die Den-Haager Abwehr aus, als habe sie in der Halbzeit über Yoga philosophiert. 1:3, und das Spiel war entschieden.

Danach verwaltete Ayax das Ergebnis so lässig, wie man in Amsterdam vermutlich einen Cappuccino trinkt: elegant, aber mit Schaumkrone. Rodion Breschnew sah in der 53. Minute noch Gelb, vermutlich, um auch mal im Spielbericht zu stehen, und Rechtsverteidiger Buckhout tat es ihm in der 81. gleich.

Den Haag? Die Gastgeber mühten sich redlich, kamen auf zehn Torschüsse und sogar auf leicht mehr Ballbesitz (53,8 Prozent). Doch im letzten Drittel fehlte die Kreativität, die Ayax an diesem Abend im Überfluss hatte. Lionel Eusebio versuchte es in der 61. und 93. Minute, Hugo Carvalho einmal aus der Distanz - aber Ayax-Keeper Nebojsa Jevtic war stets zur Stelle.

Nach dem Schlusspfiff klatschten die Amsterdamer Spieler gelassen ab. "Das war kein Spaziergang, aber wir wissen, wann wir Gas geben müssen", sagte Doppeltorschütze Mesick und grinste, als hätte er gerade seine erste Führerscheinprüfung bestanden. Willoughby nickte nur und meinte trocken: "Ich bin 35, ich zähle keine Tore mehr, nur noch Kilometer."

Zabajone dagegen seufzte: "Wir spielen ordentlich mit, aber die nutzen ihre Chancen wie Chirurgen. Und wir… eher wie Hobbyköche."

So stand es am Ende 1:3 (1:2), und der FC Den Haag bleibt trotz couragierter Vorstellung mit leeren Händen zurück. Ayax hingegen festigt seinen Ruf als Mannschaft, die selbst in der Fremde so selbstverständlich siegt, als spiele sie im eigenen Garten.

Vielleicht war es nicht das spektakulärste Spiel der Saison, aber eines mit Charakter: jung, frech, effektiv - und mit einem Mesick, der an diesem Abend endgültig in der Eredivisie angekommen ist.

Und irgendwo auf der Pressetribüne hörte man einen Kollegen murmeln: "Wenn Ayax so weitermacht, brauchen wir bald neue Superlative - oder wenigstens ein Wörterbuch mit Synonymen für ’überlegen’."

Den Haag dagegen darf sich trösten: Die Möwen flogen weiter, als sei nichts geschehen. Doch auf dem Rasen wehte eindeutig der Wind aus Amsterdam.

10.07.2026 21:43
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